2 Jahre LAFC + GC: Ein grosses Versprechen, keine Investments, null Fortschritt
Am vergangenen Wochenende war es soweit: Der Los Angeles Football Club (LAFC) und der Grasshoppers Club Zürich „feierten“ ihren zweiten Jahrestag. Standesgemäss vor leeren Rängen, protestierenden Fans und mit einer 1:3-Heimniederlage gegen den FC Thun. Nach der 40. Niederlage in der Ära der US-Besitzer wird immer klarer, dass ihr Weg bislang eher von dauerhaften Rück- anstatt Fortschritten geprägt ist.
Das grosse Versprechen
Gross war die Erleichterung im Umfeld des Grasshopper Club Zürich, als der LAFC am 17. Januar vor zwei Jahren bekannt gab, die Aktienmehrheit an der Grasshopper Fussball AG (inklusive dem strukturellen Defizit von CHF 14 Mio. pro Jahr) übernommen zu haben. Schliesslich hatte der vorherige Besitzer aus Hongkong im Verlauf seiner dreieinhalb Jahre dauernden Regentschaft immer mehr das Interesse am dauerkriselnden Schweizer Rekordmeister verloren, zuletzt nur noch das absolut Nötigste in die Mannschaft investiert. Und nun sass da also Stacy Johns, ihres Zeichens Chief Operation Officer (COO) des mit 1,3 Mrd. USD bewerteten amerikanischen Fussball-Emporkömmlings (gegründet 2014) und erklärte in die bereitstehenden Zürcher Mikrofone: „We will spend to win“. Zwei später Jahre lebt dieses Versprechen aber noch immer nur in der Erinnerung enttäuschter Fans.
39 Abgänge, 34 Zuzüge und ein kleines Transferplus
Denn in Tat und Wahrheit haben die amerikanischen Besitzer seit diesem Tag in mittlerweile nahezu vier Transferperioden kaum einen Franken dafür aufgewendet, den Klub sportlich nachhaltig zu verbessern. Dazu genügt ein Blick auf die Transferbilanz der Hoppers (+1,4 Mio. EUR), vor allem aber auch ein Blick auf die Art der Transfers, welche die Zürcher unter US-amerikanischer Flagge bislang tätigten. Zwei Jahre lang setzte man (damals noch) in Niederhasli in erster Linie auf ablösefreie, unerprobte oder anderswo aussortierte Nottransfers à la Sonny Kittel, Mathieu Choinière, Benno Schmitz, Bryan Lasme oder Oliver Batista Meier, um damit Fehleinschätzungen hinsichtlich der Kaderqualität verspätet und möglichst kostengünstig zu korrigieren. Auf diesen Sommer hin erfolgte nun unter Sportchef Alain Sutter die Kurskorrektur: Neu finden extrem junge, z.T. vielversprechende aber schlussendlich genauso unerprobte Talente ihren Weg nach Zürich und dürfen beim ehemaligen Schweizer Vorzeigeklub ihre ersten Erfahrungen im Profifussball machen. Dass sie da teilweise überfordert sind, liegt aufgrund einer fehlenden funktionierenden Achse im Team auf der Hand. Aber immerhin konnte ein substantielles Investment von Seiten Klubleitung so erneut verhindert werden...
Wo bleibt der Fortschritt?
Und so tummeln sich die Hoppers auch im dritten Jahr unter Führung des LAFC ganz tief im Tabellenkeller. Dem einstigen Serienmeister winkt sogar die dritte Barrage-Teilnahme in Folge, ein „Hattrick“ der möglicherweise nur noch durch den FC Winterthur (und den damit verbundenen direkten Abstieg) verhindert werden kann. Aber wie genau soll Fortschritt den eigentlich eintreten in einem Klub, der seit jenem salbungsvollen Abend im Januar 2024 knapp 80 Transfermutationen sowie sieben Wechsel auf den Positionen des Sportchefs und Trainers vorgenommen hat? Der den Gesamtmarktwert des Kaders parallel von 24 Mio. Euro auf 21,70 Mio. Euro Mio. reduzierte und das - weil im Sommer der Kaderwert kurzfristig sogar weniger als 10 Mio. Euro betrug – noch als Erfolg verkauft? Im Moment scheint der Fortschritt auf alle Fälle wieder einmal so weit weg zu sein, wie nie. Und mit dem Duo Alain Sutter und Gerald Scheiblehner, dass im Sommer mit viel Goodwill startete, scheinen die Amerikaner ihre nächste grosse Chance ähnlich gleichgültig zu verspielen, wie sie dies schon mit der ungenutzten Euphorie rund um die erfolgreiche Barrage gegen den FC Thun im Mai 2024 taten.
Das Fass läuft bald über
Überhaupt ist das mit der Sichtweise auf die eigene Wirkung sowie auf die Reputation ihres Schweizer Investments so eine Sache mit den Kaliforniern. Während der Klub, der sich wie kein anderer über Erfolg definiert und sich noch auf Jahre hinaus Rekordmeister und Cupsieger nennen darf, auf dem Rasen hilflos von Rückschlag zu Rückschlag eilt (die aktuell 17 Punkte sind ein neuer Tiefstwert), feiert sich die Klubleitung in regelmässigen Abständen für kleine Erfolgsmeldungen abseits des Rasens (Zuschauerschnitt, neuer Hauptsponsor) oder legt dort Hand an, wo es überhaupt nicht nötig ist (Abschaffung Klubhymne). Dinge, die - wenig überraschend - angesichts der misslichen sportlichen Situation beim Anhang nur bedingt gut ankommen. Und nicht nur in den Fan-Foren und Social-Media-Kommentarspalten stellt man sich deshalb die Frage: Was genau will der LAFC eigentlich in Zürich, wenn er offensichtlich nicht dazu bereit ist, den Klub mit einer zusätzlichen Finanzspritze in Richtung der in der Schweiz nicht allzu weit entfernten Europacup-Plätze zu bewegen? Das dies in relativ kurzer Zeit möglich ist, haben Lausanne und Lugano in jüngerer Vergangenheit gezeigt. Für Los Angeles und Red&Gold-Partner Bayern stehen aber vermutlich andere Beweggründe im Vordergrund. Mit den Wünschen der Fans oder dem Streben nach sportlichem Erfolg haben diese offensichtlich eher wenig am Hut.