Aarau, Vaduz oder beide? Das Aufstiegsrennen in der CL spitzt sich zu
Auf der einen Seite der FC Aarau. Cupsieger 1985 und Schweizer Meister 1993. Ein Traditionsklub, zuletzt aber so etwas wie „unaufsteigbar“. Auf der anderen Seite der FC Vaduz. Liechtensteins Vorzeigeklub und regelmässiger Gast in europäischen Qualifikationsrunden. Aber halt eben aus dem Fürstentum und entsprechend in der Super League nur bedingt willkommen. Wer schlussendlich das Rennen um den Aufstieg macht? Vielleicht sogar beide.
Zeit für ein neues Narrativ
„Unaufsteigbar“. Ein Wort, dass Sympathisant:innen der einst „Unabsteigbaren“ (zwischen 1981 und 2010 29 Jahre Super League am Stück) am Dienstagabend unausweichlich in den Sinn kommen musste, als Schiedsrichter Alessandro Dudic in der 87. Minute des Heimspiels gegen Etoile Carouge auf den Elfmeterpunkt zeigte. Natürlich zugunsten der Genfer, natürlich falsch und natürlich mit potentiell gravierenden Folgen für den FCA (65 Punkte), der sich im Aufstiegsrennen mit dem FC Vaduz (68 Punkte) nun abermals im Hintertreffen befindet. Dabei gibt es eigentlich keinen Grund für übermässige Skepsis. Klar, die Rüebliländer haben den Aufstieg in den letzten sieben Jahren bereits drei Mal auf der Zielgeraden noch verspielt, aber warum soll das zwingend bedeuten, dass es auch in dieser Spielzeit wieder so kommen muss? Schliesslich ist der FCA sportlich aktuell so gut unterwegs wie nie in der letzten Dekade (2,24 Punkte/Spiel), verfügt über einen in der Offensive überdurchschnittlich besetzten Kader (mit vier regelmässigen Skorern in Elias Filet, Valon Fazliu, Daniel Afriyie und Shkelqim Vladi) und hat in dieser Saison bereits bewiesen, dass er gegenüber Vaduz auch fünf Punkte Rückstand aufholen kann. Von hinten droht im Gegensatz zu anderen Jahren zudem ebenfalls keine Gefahr mehr und auch in einer etwaigen Barrage dürfte der Challengeligist in wenigen Wochen so gute Chancen haben, wie schon lange nicht mehr. Eigentlich müsste das Aarauer Motto für die sieben verbleibenden Spiele - inklusive dem Direktduell vom 11. Mai - deshalb lauten: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Der Gast, der schon wieder anklopft
Ihre Chance erkannt, haben natürlich auch die Vaduzer. Im Gegensatz zu den Aarauern waren die Liechtensteiner in den letzten 18 Jahren einigermassen regelmässig in der Super League zu Gast, stiegen am Ende der Spielzeiten 2007/2008, 2013/2014 und 2020/2021 in die höchste Spielklasse auf. Lange bleiben durfte der Kleinklub (bei einem Aufstieg würde mit einem Mini-Budget von CHF 6 Mio. geplant) freilich nie, wobei er zwischen 2014 und 2017 immerhin drei Spielzeiten in Folge im Oberhaus verbrachte. Nun winkt der Mannschaft von Trainer Marc Schneider, deren bekanntester Name möglicherweise Winti-Leihgabe Brian Beyer ist, abermals die Rückkehr in die Super League, welche sich die Vaduzer bislang mit einer ausserordentlich konstanten Saison (bester Sturm, beste Verteidigung) verdient haben. Noch nie in dieser Spielzeit, unterlagen die Rheintaler in zwei Spielen in Folge und mussten die Punkte generell erst dreimal komplett dem Gegner überlassen. Allerdings: In zwei dieser drei Fälle hiess der Gegner FC Aarau, auf den der FCV am vorletzten Spieltag im heimischen Rheinpark Stadion noch einmal treffen wird. Aus Liechtensteiner Sicht kann das Ziel deshalb nur lauten, sich bis zur 35. Runde mindestens im Gleichschritt mit den Aargauern zu bewegen. Mit einem Sieg im potentiell kniffligen Auswärtsspiel beim FC Yverdon am Wochenende könnten diesbezüglich bereits wichtige Weichen gestellt werden.
Warum keine doppelte Promotion?
Wir haben es im Zusammenhang mit dem FC Aarau bereits erwähnt: Im Hinblick auf eine mögliche Promotion, standen die Chancen für die führenden CL-Klubs wohl noch nie so gut, wie in diesem Jahr. Denn ganz egal wer sich im Super-League-Kellerduell zwischen GC (24 Punkte) und Winterthur (19 Punkte) noch auf den Barrage-Platz zu „retten“ vermag – punktemässig sind beide Zürcher Klubs wie direkte Absteiger unterwegs. Mit 0,75 Punkten/Spiel (GC) und 0,59 Punkten/Spiel (Winti) bewegen sich beide Klubs auf historischem Tiefflieger-Niveau, und dies nicht erst seit ein paar Wochen. Beide Teams sind auch in der Rückrunde weit weg von einer positiven, das Selbstbewusstsein stärkenden Bilanz (14/9 Punkte vs. 14/7 Punkte) und bringen vor allem auch Defensiv keinen Fuss vor den anderen. Während die Winterthurer mit 84 Toren noch immer auf Kurs in Richtung 100 (!) Gegentore sind, hat ihnen GC in den letzten fünf Partien (3:18 Tore, insgesamt 65 Gegentore) sogar noch den defensiven Rang abgelaufen. Kein Wunder, ist die Stimmung beim Rekordmeister mittlerweile so negativ-nervös wie schon lange nicht mehr. Gefestigte Aarauer oder Vaduzer müssten sich vor ihrem finalen Widersacher aus der Super League auf alle Fälle deutlich weniger fürchten, als auch schon.