Alles offen in Runde 2: Geht Wawrinkas AO-Abschied in die Verlängerung?
Nein, noch ist die Zeit des Abschieds für Stan Wawrinka und die Australian Open nicht gekommen. Denn nach dem Erfolg über den Serben Laslo Djere (ATP 91) zum Turnierauftakt, trifft der Romand in der 2. Runde überraschend auf den jungen Franzosen Arthur Géa. Eine Aufgabe, die «Stan the Man» alle Optionen offenlässt.
House Money
Was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Was ganz allgemein auf Wawrinkas Abschiedsjahr auf der Profi-Tour zutrifft, ist seit gestern Montag auch das inoffizielle Motto der finalen AO-Kampagne des Champions von 2014. Denn mit dem Viersatzerfolg über Laslo Djere hat der 40-Jährige in Melbourne sein Mindestziel bereits erreicht. Voraussichtlich am Donnerstag wird er noch einmal ein Bad in jener Fanmenge nehmen dürfen, die den traditionellen Auftakt ins Grand-Slam-Jahr zu einem derart wunderbaren Ereignis macht. Allerdings muss sich «Stanimal» dabei voraussichtlich auf eine Prüfung vorbereiten, die härter werden könnte, als seine über dreistündige Auftaktpartie. Denn dass sein Gegner noch einmal fast 70 unerzwungene Fehler begehen wird, ist trotz dessen Unerfahrenheit unwahrscheinlich.
Heiss, heisser Géa
Denn der 21-jährige Arthur Géa mag zwar weder über einen grossen Namen, noch über ein grosses Ranking (ATP 197) verfügen, über eine grosse Form aber sehr wohl. In diesem Jahr blickt der Mann aus dem südfranzösischen Département Vaucluse nämlich auf äusserst erfolgreiche und ungeschlagene erste Wochen zurück. Nach dem Turniersieg beim ATP-Challenger in Noumea (Neukaledonien), spazierte er vergangene Woche regelrecht durch das AO-Qualifikationsturnier und überliess seinen drei Kontrahenten lediglich 14 Games und keinen einzigen Satz. Der verdiente Lohn: Der erstmalige Einzug in ein Grand-Slam-Hauptfeld, wo er zum Auftakt den letztjährigen Achtelfinalisten Jiri Lehecka (ATP 19) in drei engen Sätzen in die Knie zwang. Dabei überzeugte er mit einem starken Aufschlag, druckvoller Vorhand und guter Laufarbeit, was es ihm ermöglichte, sich gegen Lehecka immer wieder aus der Defensive zu befreien. Wawrinka wird also nicht nur druckvoll, sondern auch mit der notwendigen Konstanz spielen müssen, um die mittlerweile bei elf Matches in Folge angekommene Siegesserie des Rechtshänders zu beenden. Ein effizienterer Umgang mit den eigenen Breakchancen (3/18) wäre dabei zu begrüssen.
Auf halbem Weg zum halben Weg
An Motivation dürfte es dem ältesten Teilnehmer der Einzelkonkurrenz dabei mit Sicherheit nicht fehlen. Mehrfach liess der dreifache Grand-Slam-Champion in den vergangenen Wochen verlauten, wie sehr er auf dem Court noch einmal grosse Momenten erleben und noch einmal in die Top 100 zurückkehren wolle. Dazu fehlen dem Weltranglisten-139. nach dem Erstrundenerfolg noch rund 150 ATP-Zähler, welche er mit einem Erfolg über Géa um weitere 50 Zähler reduzieren könnte. Würde er in Runde drei sogar seinem voraussichtlichen Widersacher, der unberechenbaren Weltnummer 9 Taylor Fitz, erfolgreich die Stirn bieten, stünde seine Rückkehr unter die besten 100 Tennisspieler der Welt möglicherweise bereits unmittelbar bevor. Von Bedeutung wäre in diesem Falle aber auch die Tatsache, dass «Stan the Man» im fortgeschrittenen Tennis-Seniorenalter noch einmal den Einzug in ein Grand-Slam-Achtelfinale geschafft hätte. Vorderhand aber sind sowohl wir als auch der Romand gut damit beraten, den Ball mit ausreichend Sicherheitsmarge über das Netz zu spielen. Denn zum letzten Mal konnte Wawrinka in Wimbledon 2023 zwei Grand-Slam-Matches am Stück für sich entscheiden.