Anpassungen statt Aktionismus auf dem Transfer-Bazar
In dieser Woche schloss in den europäischen Top-Ligen das Wintertransferfenster. Die grosse Kaufwut blieb aus, stattdessen kam es vor allem zu Nachbesserungen in den Kadern.
Noch im Sommer herrschte auf dem Spieler-Bazar purer Aktionismus. Es wurde mit Millionen jongliert. Alleine der FC Liverpool gab für seine tatsächlichen und vermeintlichen Verstärkungen fast 500 Millionen Euro aus. Dies aber mit überschaubarer Wirkung – in der Tabelle belegen die Reds aktuell lediglich Rang 6, liegen 14 Punkte hinter Leader Arsenal, der im Sommer 295 Millionen investiert hatte.
In den letzten Wochen waren die Klubs in den europäischen Top-5-Ligen nun aber weit weniger aktiv und verschwenderisch. Viel weniger Stars packten ihre Zügelkartons und suchten eine Luftveränderung, stattdessen versuchten die jeweiligen Klubs, Schwächen auszubessern und in ihren Kadern nachzujustieren – oder schon perspektivisch für die Zukunft «Schnäppchen» zu landen, Spieler vorzeitig zu verpflichten, deren Verträge bald auslaufen – und sich so kurzfristig möglichst viel Qualität für einen möglichst tiefen Preis zu sichern. Entsprechend selten sind in den Wintermonaten die ganz hohen Transfersummen, was sich auch in der Statistik niederschlägt.
Die Klubs der Premier League haben für neue Spieler im Sommer den Markt mit über drei Milliarden Euro geflutet, im Winter gaben sie nun rund 450 Millionen aus. Und auch in den anderen Ligen war die Spendierfreude gemäss den Zahlen von transfermarkt weit geringer: In der Serie A sanken die Ausgaben von 1,2 Milliarden auf 243 Mio., in der Bundesliga von 857 Mio. auf 102 Mio., in der Ligue 1 von 644 Mio. auf 101 Mio. und in La Liga gar von 695 Mio. auf 76 Mio.
Doch trotz aller Zurückhaltung wurden ein paar Wechsel in bemerkenswerter Höhe vollzogen, wie ein Blick auf die Top 5 im Winterfenster zeigt.
Antoine Semenyo – 72 Millionen: Der 26-jährige Ghanaer zog innerhalb der Premier League von Bournemouth zu Manchester City weiter. In der Meisterschaft erzielte er in dieser Saison in 23 Spielen zwölf Tore und drei Assists, wobei er in den ersten drei Spielen für die Citizens schon zweimal traf und damit zeigte, dass seine Verpflichtung bis 2031 ein gutes Geschäft sein könnte. Hinter ihm waren auch Liverpool, Chelsea und Arsenal her, doch am Ende machten die Skyblues das Rennen um den englisch-ghanaischen Flügelspieler.
Marc Guéhi – 23 Millionen: Der Innenverteidiger von Crystal Palace war heiss begehrt. Liverpool, Arsenal, die Bayern, Real Madrid oder auch Barcelona. Das Interesse am 25-Jährigen war gross, zumal sein Vertrag im Sommer ausgelaufen wäre und er schon längst angekündigt hatte, dass er eine neue Herausforderung sucht. Am Ende entschied auch er sich für Manchester City, wechselte sofort und unterschieb einen Vertrag bis 2031.
Jörgen Strand Larsen – 49,7 Millionen: Der Norweger war am Deadline Day in der Premier League ein bemerkenswerter, fast sensationeller Transfer. Crystal Palace investierte einen Teil der Millionen aus dem Guéhi-Abgang in den 25-jährigen Mittelstürmer, der zuvor bei den Wolverhampton Wanderers gespielt hatte. Seine Bilanz in dieser Saison ist aber bescheiden, in 22 Spielen gelang ihm nur ein Tor, nachdem er im Vorjahr in 35 Spielen für die Wolves noch 14 Mal eingenetzt hatte. Nun steht er unter Druck – er ist der teuerste Zuzug in der Geschichte von Crystal Palace.
Lucas Paqueta – 42 Millionen: Mitten im Abstiegskampf gab Premier-Ligist West Ham United den offensiven Mittelfeldspieler Paqueta ab. Er wechselte für die brasilianische Rekordsumme von 42 Millionen Euro in seine Heimat zum Spitzenklub CR Flamengo, bei dem er einst fussballerisch gross geworden war. Im Januar 2019 hatte ihn die AC Milan für rund 40 Millionen nach Europa geholt, nun kehrte der Nationalspieler nach Stationen bei Lyon und West Ham nach Brasilien. Er unterschrieb bis 2030 und begründete den Wechsel mit persönlichen und familiären Gründen. Es war wohl auch so etwas wie eine Flucht, nachdem ihn die vergangenen Jahre und die langwierige Untersuchung wegen vorgeworfener Spielmanipulation in England mental stark belastet hatten.
Conor Gallagher – 40 Millionen: Nach eineinhalb Jahren bei Atlético Madrid kehrte der englische Nationalspieler nach London zurück – allerdings nicht zu seinem Stammklub Chelsea, von dem er im Sommer 2024 für 42 Millionen nach Spanien gegangen war, sondern für 40 Millionen zu Tottenham und mit einem Vertrag bis 2031. Bei Atlético war der Mittelfeldakteur nur Ergänzungsspieler, bei den Spurs will er nun seine Perspektiven auf eine WM-Teilnahme verbessern. Der Anfang ist ihm geglückt: In seinem dritten Spiel für seinen neuen Arbeitgeber gab er beim 2:2 gegen Manchester City den Assist zum zweiten Treffer seines Teams.