Aufgefallen: Der 20. Spieltag in der Brack Super League
Ein Spieltag alt ist das Jahr 2026 erst, und bereits haben sich Titelverteidiger Basel und Vize-Gigant YB vermeintlich aus dem Meisterrennen verabschiedet. Verdrängt von souveränen Aufsteigern (Thun), spielfreien Underdogs (St. Gallen) oder formstarken Wallisern (Sion). Und auch in den Metropolen Zürich und Genf ist guter Rat teuer. Unser Rücbklick auf das erste SL-Wochenende im neuen Jahr.
Doch nicht der Rede Wert
Für einmal stand er doch tatsächlich im Mittelpunkt, der FC Lugano. In einer ansonsten gemächlich ruhigen Schweizer Winterpause, sorgten die Tessiner für den grossen Ausreisser – aus den komplett falschen Gründen. Denn die Art und Weise, wie Stürmer Kevin Behrens in einem Testspiel Teamkollege Georgios Koutsias verbal und physisch anging, sorgt plötzlich in der ganzen Schweiz für Schlagzeilen. Doch so heftig der Zwischenfall das Innenleben der Tessiner durcheinander gebracht haben dürfte, so wenig war davon zum Rückrundenauftakt in Luzern zu sehen. Denn in der Zentralschweiz gaben die Tessiner ab der ersten Spielminute den Ton an, liessen sich auch durch einen bösen Schnitzer von Keeper Saipi und das 0:1 von Matteo Di Giusto (25.) nicht aus der Ruhe bringen und zockten die Leuchten schlussendlich so richtig ab. Uran Bislimi (41., 45.) und Kevin Behrens (49.) vor der Pause, und Uran Bislimi (59.) und Kevin Behrens (61.) nach der Pause sorgten für einen schlussendlich ungefährdeten Tessiner Sieg, der nur einen Schönheitsfehler hatte: Das letzte Tor der Partie, mussten die Bianconeri dann doch noch dem Heimteam (Bung Meng Freimann, 79.) überlassen.
Doppelt gemoppelt
Der Fussball kann manchmal ganz schön brutal sein. Da steigen die Berner Young Boys nach einer offensichtlich enttäuschenden Vorrunde mit viel Elan und guten Vorsätzen in die neue Halbserie, zeigen nach einem frühen 0:1 (Nathan Butler-Oyedeji, 13.) Charakter, kommen zum Ausgleich (Chris Bedia, 36.) und dann gleitet ihnen die Partie innerhalb weniger Augenblicke komplett aus den Händen. 45 Minute: Olivier Mambwa wird nach VAR-Intervention und grobem Foulspiel vom Platz gestellt. 45. +5: Ein Handspiel von YB-Verteidiger Loris Bonito wird nach VAR-Intervention mit einem Elfmeter bestraft. Ein Doppelschlag innert Minutenfrist – den Lausanne-Sport durch Gaoussou Diakité (45. +6) dankend annahm und sich in der zweiten Hälfte daran machte, auch den zweiten Auswärtsauftritt innert drei Tagen erfolgreich zu gestalten. Das tat in der Schlussphase schliesslich auch Winter-Neuzugang Omar Janneh, dessen 1:3 (88.) die Waadtländer (27 Punkte) kurzfristig ganz nah an die Top 6 heranbringt. Dort stehen auch die Berner (29 Punkte) – muss man bald sagen „noch“?
Winter in Winti
So richtig winterlich war es an diesem Wochenende eigentlich gar nicht. Mit Ausnahme von Winterthur, wo Nachtfrost dieser Tag schon ausreicht, um den Rasen auf der Schützenwiese in unbespielbaren Zustand zu versetzen. Kein Spiel also für Vize-Wintermeister St. Gallen, der darob nicht amused war. Und kein Spiel auch für den FCW, der in der Vergangenheit immer sehr gerne gegen den Ostschweizer Rivalen gewonnen gespielt hatte. Immerhin: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – beide Teams bekommen in diesem Frühjahr noch ihre Chance auf die drei Punkte.
Willkommen zurück
Willkommen zurück in der SL-Rückrunde, willkommen zurück Marco Bruch! 20 Minuten benötigte der ehemalige Captain des FC Luzern am Sonntag, um sich nach zweieinhalb Jahren Auslandsabsenz standesgemäss in der Super League zurückzumelden – mit seinem ersten Tor im ersten Spiel für Servette Genf. Doch wie es sich für die bisherige Saison der Genfer gehört, hatte der kleine Vorsprung gegen einen keineswegs unwiderstehlichen FC Zürich (Rang 8 mit 25 Punkten) nicht lange bestand. Acht Minuten später stand es nach Damienus Reversons Abstauber bereits wieder 1:1. Und bei diesem Spielstand blieb es dann auch während den restlichen 60plus Spielminuten, die eigentlich nur noch einen Aufreger boten: Die rote Karte gegen FCZ-Verteidiger Lindrit Kamberi, der als letzter Mann SFC-Angreifer Ayé zwar nicht grob, aber wirkungsvoll ausser Gefecht setzte. In drei Punkte konnten die Grenats (Rang 10 mit 21 Punkten) den numerischen Vorteil allerdings nicht mehr ummünzen und so blieb es bei der Punkteteilung, die beim Blick in höhere tabellarische Gefilde keinem der beiden Teams hilft.
Höchststrafe
0:1 nach fünf Minuten durch ex-Hopper Elmin Rastoder. 0:2 nach neun Minuten (Kastriot Imeri), vorbereitet durch ex-Hopper Elmin Rastoder. Und schliesslich das 1:3 nach 69. Minuten, erzielt durch ex-Hopper Fabio Fehr und magistral vorbereitet von ex-Hopper Elmin Rastoder. Viel eindrücklicher hätten sich die in Zürich einst ausgemusterten Thuner Matchwinner beim einst grossen Rekordmeister nicht in Erinnerung rufen können, als beim von A-Z verdienten 1:3-Auswärtserfolg zum Rückrundenauftakt. Auf der Gegenseite dauerte es lediglich zehn Minuten, um sämtliche guten Neujahrsvorsätze beim Tabellenvorletzten im Thuner Angriffswirbel zu versenken und ganz böse Erinnerungen an die vergangenen beiden Barrage-Spielzeiten in den Letzigrund zurückzubringen. Wobei das Erreichen jener mit weiteren Leistungen dieser Art noch lange nicht gesichert ist. Im Gegenteil: Mit etwas weniger Glück hätten die Zürcher auch mit fünf oder sechs Toren Unterschied verlieren können.
Ansichtssache
Wenn man möchte, kann man dem FC Basel im gestrigen Heimspiel gegen den FC Sion (1:1) eine ordentliche Leistung bescheinigen. Immerhin ging man durch Flavius Daniliuc früh in Führung (4.), hatte im Anschluss durch Andrej Bacanin (18.), Bénie Traoré (22.) und Dominik Schmid (24.) weitere Möglichkeiten und die Partie ganz allgemein ziemlich gut im Griff. Aber man sollte ihn vermutlich auch für ein Spiel kritisieren, in dem die Bebbi insgesamt nicht so zwingend agierten, wie es die Tabellensituation eigentlich erfordert hätte. Nicht in der 58. Minute, in der einer der wenigen gefährlichen Walliser Vorstösse den Ausgleich durch Liam Chipperfield brachte, und insbesondere nicht im weiteren Verlauf des Spiels, in dem man vergeblich auf ein echtes Basler Schlussfurioso wartete. Die Konsequenz: Nach nur einem Rückrundenspieltag ist der Rückstand auf Tabellenführer Thun somit auf satte zehn Punkte angewachsen, was im Umkehrschluss vor allem eines bedeutet: Wenn der FCB auch nach dem fünften sieglosen Heimspiel in Folge nicht erwacht, ist es bald nicht mehr nur eine Frage der Perspektive, ob man Rot-Blau die Titelverteidigung überhaupt noch zutraut.