Aufgefallen: Der 22. Spieltag in der Brack Super League
Die einen machen aus wenig viel, treffen zum Tor des Jahres und ziehen auf vermeintlich unaufhaltsame Art und Weise davon. Die anderen stolpern über sich selbst, vermeintlich schwache Gegner oder suboptimalen Winter-Rasen. Immerhin: Im Tabellenkeller weiss man sich scheinbar zu wehren. Unser Rückblick auf das jüngste SL-Wochenende.
Fahrlässig
Rang 5 mit 33 Punkten. Ja, dort könnte Lausanne-Sport in der SL-Tabelle stehen – wenn es denn Partien gegen Kellerkinder wie GC oder Winterthur nach Hause spielen könnte. Doch anstatt auf direktem Kurs in Richtung Championship Group, befinden sich die Waadtländer auch nach dem 22. Spieltag unter dem Strich. Der Grund: Nach dem 1:1 zu Hause gegen GC vor Wochenfrist, liessen die Lausannois auch in der Eulachstadt wichtige Punkte liegen. Gleich drei waren es dieses Mal, «dank» einem schlecht getimten «Hosenbödler» von Brandon Soppy (Alex Jankewitz sagte in der 5. Minute Danke), dem Lausanner Ausgleich durch Florent Mollet (55.) und Théo Golliard, der nach der wirkungsvollsten Kerze des Jahres goldrichtig stand und zum 2:1-Siegtreffer für den FCW einschob. Der kann das Erfolgserlebnis im Abstiegskampf richtig gut gebrauchen. Dank dem dritten Vollerfolg dieser Saison beträgt der Rückstand auf Relegationsrang 11 «nur» noch sechs Punkte.
6-Tore-Servette
2:4-Auswärtserfolg letzten Sonntag in St. Gallen, 3:3 in einem aufregenden Rhone-Derby gegen den FC Sion. Keine Frage, der Servette FC ist das Spektakel-Team der allerjüngsten Saisonphase. Dass es im Duell mit dem Walliser Rivalen am Samstagabend schlussendlich trotz Toren von Miroslav Stevanovic (25.), Jérémy Guillemenot (35.) und Ablie Jallow (86.) nicht zu weiteren drei Zählern reichte, hatte ganz viel mit einem überragenden Numa Lavanchy (an allen drei Sion-Toren beteiligt), einem Eigentor von Steve Rouiller und ex-Servette-Junior Winsley Boteli zu tun, der den Sittenern in der 94. Minute doch noch das Remis sicherte. Immerhin: Mit dem einen Punkt festigte Sion den Platz unter den Top 6 (22/33), während sich die Abstiegsgefahr für die Grenats (22/25) zumindest nicht erhöhte.
GC-like
1:1 vor Wochenfrist bei Lausanne, nach einer über weite Strecken unterlegen geführten Partie. Und 1:1 an diesem Samstagabend gegen einen FC Lugano, der sein Gastspiel in Zürich längst für sich hätte entscheiden können, ehe er die Zügel in der Schlussphase doch noch (teilweise) aus der Hand gab. Und so nutzte Samuel Krasniqi (85.) die dritte Hoppers-Torchance innerhalb weniger Minuten zum späten Ausgleich, nachdem Renato Steffen die Tessiner in der 62. Minute in Führung gebracht hatte. Zu jenem Zeitpunkt hatten die Bianconeri durch Behrens (7.), Delcroix (8.), Grgic (29.), Mahmoud (62.) und noch einmal Behrens (62.) bereits mehrere gute Torchancen in den Händen und Beinen des starken Justin Hammel liegen lassen, was sich schlussendlich rächte. Mit dem einen Zähler verpassten die Bianconeri (22/40) die Gelegenheit, mit Leader Thun Schritt zu halten, während GC (22/19) sich weiterhin mühsam wie ein Eichhörnchen ernährt. Nach dem Sieg von Winterthur war das an diesem Wochenende eher zu wenig.
Wendepunkt
Vielleicht war er genau das. Der späte Luzerner Ausgleich zum 2:2 in der 95. Minute durch den eingewechselten Youngster Andrej Vasovic in einer Luzerner Saison, die immer düsterer zu werden drohte. Mit Sicherheit lässt sich aber festhalten: Ohne die unnötige rote Karten gegen den soeben eingewechselten St. Galler Debütanten Antonio Verinac (73.), wären die Leuchten mit Sicherheit nicht mehr in die Nähe eines Punktgewinns im «Agrarico» gekommen. So aber kamen die Zentralschweizer spät, aber heftig und retteten dank Toren von Oscar Kabwit (86.) und eben Vasovic doch noch einen Zähler. Auf der Gegenseite verspielte Grün-Weiss im zweiten Spiel der Rückrunde zum zweiten Mal einen 2:0-Vorsprung und damit auch eine deutlich bessere Ausgangslage im immer mehr an Spannung verlierenden Meisterrennen. Immerhin: Youngster Alessandro Vogt zeigte mit seinem bereits vierten Doppelpack der laufenden Meisterschaft (32. und 68.), das mit ihm auch in der Rückrunde zu rechnen sein wird, während die Luzerner (22/23) dank des Remis das elfplatzierte GC auf Distanz halten konnten.
Immer gerne
Seit dem 14. Dezember wartete YB vor diesem Wochenende auf ein Erfolgserlebnis, hatte sich in sechs Pflichtspieleinsätzen sechs Pleiten abgeholt. Was gibt es da besseres, als gegen einen Klub antreten zu dürfen, der sogar schon seit dem 6. Dezember sieglos ist, so wie der FC Zürich? Die Antwort: Nichts. Denn als Damienus Reverson in der 58. Minute endlich den ersten Zürcher Ball auf Marvin Keller zimmerte, hatte bereits keiner im Stadion mehr das Gefühl, dass dieser FCZ noch wirklich daran glaubte, in Bern etwas zu holen. Joël Monteiro hatte den Zürchern früh den Zahn gezogen (4.), Christian Fassnacht (80.) und Armin Gigovic (83.) spät den Deckel draufgemacht und dazwischen passierte über weite Strecken nicht wirklich viel, um den Puls auf beiden Seiten in die Höhe zu treiben. Am Ende kassierten die Stadtzürcher im 13. Spiel unter Denis Hediger die siebte Niederlage und verlieren am Strich immer mehr den Anschluss. Mittlerweile trennen den FCZ (Rang 9 mit 25 Punkten) bereits sieben Zähler von Rang 6, den die Young Boys (22/32) neu mit vier Punkten Vorsprung auf Lausanne-Sport belegen.
Dreisatz
Zwei für drei für 13. So einfach lautet der Thuner Dreisatz nach dem 1:2-Auswärtserfolg beim FC Basel, der vielleicht schon in ein paar Wochen zur historischen Oberländer Meister-Gleichung werden könnte. Denn nach dem erneuten Coup des Aufsteigers (!) zeichnet sich immer mehr ab, dass dem unwiderstehlich effizienten FCT kein einziger Konkurrent wird folgen können. Nicht YB und nicht Basel, die beiden jüngsten Opfer der Truppe von Mauro Lustrinelli, und nicht Lugano oder St. Gallen, am Wochenende Opfer ihrer eigenen Unzulänglichkeiten. Klar ist aber auch: Wenn sich der FC Thun weiterhin so effizient zeigt (zwei Schüsse aufs Tor, zwei Treffer) und weiter unfassbare Tore wie das 0:1 durch Leo Bertone (15.) erzielt, können die letzten verbliebenen Konkurrenten machen was sie wollen – es wird nichts nützen. Nicht bei mindestens acht Punkten Vorsprung auf den Rest der Liga und nicht bei einer Abgeklärtheit, wie sie die Thuner nach dem 1:2 durch Joker Valmir Matoshi (80). an den Tag legten, der aufkeimende Basler Hoffnungen nach dem Ausgleich durch Dominik Schmid (57.) mit seinem Treffer eiskalt erstickte. Und so liest sich die Basler Bilanz nach der ersten Woche unter Trainer Stephan Lichtsteiner ziemlich ernüchternd: Zwei Endspiele, zwei Niederlagen und nur noch eine Chance, um in dieser Saison noch etwas zu reissen.