Aufgefallen: Der 23. Spieltag in der Brack Super League
Meister wollen tun viele, Meister können offensichtlich nur der FC Thun. Und während das Rennen an der Tabellenspitze beendet scheint, bevor es überhaupt auf die Zielgerade einbiegt, tummelt sich am Tabellenende mittlerweile fast die halbe Liga im Kampf um den Ligaerhalt. Unser Rückblick auf das jüngste Super-League-Wochenende.
Eindeutig Zweideutig
War das nun ein gewonnener oder zwei verlorene Zähler? Das fragte sich nach dem 1:1 zwischen dem FC Winterthur und dem FC Lugano etwas überraschend nicht der Tabellenzweite aus dem Tessin, sondern der Tabellenletzte aus der Eulachstadt. Denn der hielt nach gut einer Stunde alle Trümpfe in der Hand, hatte soeben durch Andrin Hunziker (61.) das 1:0 erzielt und agierte seit der 57. Minute (Gelb-Rot gegen Uran Bislimi) mit einem Mann mehr. Drei im Abstiegskampf sehr wertvolle Punkte lagen bereit – und hüpften dem FCW in der Schlussphase doch noch aus der Tüte. Alexander Jankewitz war es nämlich, der sich im Anschluss an einen Lugano-Freistoss reichlich ungeschickt an seinem Gegenspieler festhielt und den Luganesi so die grosse Chance zum Ausgleich bot. Spezialist Anto Grgic verwandelte souverän vom Punkt (81.) und sicherte den Bianconeri so spät doch noch einen Zähler. Der dürfte im Meisterrennen deutlich zu wenig sein, um Schritt zu halten, während Winti im Abstiegskampf eine gute Gelegenheit verpasste, näher an Rang 11 heranzurücken.
Schwacher Trost
Ein 0:0, dass zumindest keinem schadet. Nicht dem FC Sion (23/34), der sich mit dem Punkt ein weiteres Stückchen der Championship Group annäherte, und nicht dem FC Luzern (Rang 10 mit 24 Punkten), der vor dem Direktduell mit GC die Distanz auf den Verfolger wahrte. Freilich, für das Publikum im Tourbillon war das Gezeigte kein Leckerbissen, aber das hätte drei (bzw. vier) Tage nach dem doppelten Cup-Out der beiden Kontrahenten unter der Woche auch eher überrascht. So blieb es zum Ende beim Lattenschuss von Matteo Di Giusto (8.) als grösstem Aufreger in einer Partie, die sich weder als Trostpflaster noch als Brandbeschleuniger eignete. Und damit konnten am Schluss wohl beide Seiten leben.
Hattrick
Macht Gerald Scheiblehner bald seinem Vorgänger Tomas Oral Konkurrenz? Zum dritten Mal in Folge spielten die Hoppers am späten Samstagabend nämlich Unentschieden, kamen dabei zum dritten Mal in Folge nach einem 0:1 (Alvyn Sanches, 31.) noch zurück und knüpften den Young Boys somit auch im dritten Saisonduell Punkte ab. Nach Gregory Wüthrichs Platzverweis (66.) und Maximilian Ullmanns Ausgleich (79.) wäre für die Hoppers in der Schlussphase fast noch mehr möglich gewesen, am Ende dürfte der Tabellen-11.(23/20) den einen Punkt jedoch gerne in eine nächste Woche mitnehmen, in der in Luzern und St. Gallen zwei wegweisende Auswärtsspiele warten. Die Berner (23/33) verpassten mit dem Remis die Gelegenheit, an Sion vorbei auf Rang 5 vorzustossen und belegen vorderhand weiterhin den sechsten Platz. Der Vorsprung auf das siebtplatzierte Lausanne beträgt dabei vier Punkte.
Reicht zwei Mal
Willkommen im Klub, lieber SFC. Nicht, dass sich die Grenats die Gesellschaft von Winterthur, GC und Luzern nicht schon gewohnt gewesen wären – seit gestern und der 1:3-Heimniederlage gegen den FC Thun gehören die Genfer nun auch offiziell zu jener wachsenden Anzahl an Klubs, die weniger als die Hälfte der Berner Oberländer Punkte (52) gesammelt haben. Und warum das so ist, konnte der geneigte Fussballfan gestern im dritten Direktduell der beiden Teams zum dritten Mal in dieser Saison beobachten. Die Thuner waren hungriger, effizienter und vor allem auch deutlich fehlerresistenter als der Vizemeister des letzten Jahres. Warum zum Beispiel Servette-Goalie Mall beim ersten Gegentreffer (Elmin Rastoder, 40.) überstürzt aus seinem Tor eilte, wird sein Geheimnis bleiben. Nach der Pause doppelte Captain Marco Bürki per Kopf nach (48.), ehe Ablie Jallow den Genfern mit seiner roten Karten (67., Tätlichkeit) noch den letzten Glauben raubte. Reichmuths 0:3 (88.) und Atanganas Servette-Ehrentreffer (90. + 2.) waren dann nur noch Zugabe. Und derweil sich die Grenats (Rang 8 mit 25 Punkten) in den kommenden Spielen endgültig nach hinten orientieren müssen, tut der FC Thun das, was er seit Jahresbeginn nur noch tut: Er gewinnt und baut seinen Vorsprung aus (neu auf mindestens zehn Verlustpunkte).
Fehlstart
Drei Spiele, zwei Punkte? Deutlich zu wenig, wenn man im Meisterrennen mit dem FC Thun mithalten oder zumindest die ebenfalls nicht stolperfreie weitere Konkurrenz distanzieren möchte. Und so findet sich der FC St. Gallen (Rang 3 mit 39 Punkten) nach dem 1:1 in Lausanne (Tore durch Omar Janneh und Aliou Baldé) nach 23 Runden plötzlich wieder auf Augenhöhe mit dem FC Basel wieder, anstatt im Schlepptau der davoneilenden Berner Oberländer. Auf der anderen Seite bringt der Punkt aber auch Lausanne-Sport nicht wirklich viel. Denn nach einem perfekten Start in die Rückrunde mit Siegen in Genf und Bern, haben es die Waadtländer abermals verpasst, näher an Sion, YB und die Top 6 heranzurücken. Das wäre mit einer besseren Ausbeute gegen GC, Winti und den FCSG (zwei Punkte) möglich gewesen, wird aber nun an anderer Stelle nachgeholt werden müssen. Vielleicht am Donnerstag beim Auswärtsspiel in Thun? Die Latte wird dannzumal auf alle Fälle höher liegen, als bei den jüngsten Lausanner Auftritten.
Um Fussesbreite
Der Unterschied zwischen dem zweiten Klassikersieg innert Zweiwochenfrist und der vierten Niederlage zum Auftakt in Stephan Lichtsteiners SL-Trainer-Karriere? Eine Fussspitze. Diejenige von Basels Dominik Schmid nämlich, die den FCB nach 90 Spielminuten doch noch einmal zurück in ein fast schon verlorenes Spiel brachte. Und zwar nicht, weil sie im richtigen Moment am richtigen Ort doch noch einen Ball ins Tor des FC Zürich bugsierte, sondern weil sie kurz vor Spielschluss von FCZ-Youngster Vincent Nvendo etwas tiefer in den St. Jakob-Rasen getreten wurde. Schiedsrichter Schnyder pfiff, Xherdan Shaqiri traf (vom Punkt) und sechs Minuten später sorgte der eingewechselte Ibrahim Salah doch noch für kollektive Ekstase am Rheinknie. Basel 2, Zürich 1 und damit der noch gar nicht so lange (zehn Tage) und trotzdem intensiv ersehnte erste Dreier unter dem neuen Chef. Der jubelte dann sogleich inmitten seiner Spieler, während auf der anderen Seite Dennis Hediger und der FCZ trotz Ilan Sauters früher Führung (16.) abermals nur fast einen Big Point sammelten. Mittlerweile sind die Stadtzürcher seit sieben Spielen ohne Sieg und wissen vor allem eines: Ist das auch in einer Woche und nach Heimspielen gegen Winterthur und Luzern noch so, wird es in der Tabelle (aktuell Rang 9 mit 25 Punkten) so richtig ungemütlich.