Aufgefallen: Der 25. Spieltag in der Brack Super League
Fünfzehn Punkte zwischen Rang 1 und 2. Sechs Punkte zwischen Rang 6 und 7. Und auch im Abstiegskampf beträgt die Differenz zwischen den entscheidenden Positionen mindestens zwei Siege. Die Schweizer Fussballmeisterschaft mag in den letzten Wochen einen verrückten Verlauf genommen haben, an Spannung hat sie dabei leider nicht gewonnen. Ob sich das in naher Zukunft noch einmal ändert? Unser Rückblick auf das jüngste Super-League-Wochenende.
Auf 130
Zwei Zahlen, die bereits viel über das samstägliche Duell zwischen St. Gallen und GC aussagen: 130 Zweikämpfe, die die beiden Teams während knapp 90 Minuten bestritten; ein Schuss aufs Tor, der daraus nach etwas über einer Stunde resultierte. Immerhin - bis zum Spielende steigerten sich die beiden Teams auf je drei Abschlüsse, die tatsächlich auf den gegnerischen Kasten kam, ins Tor ging jedoch trotzdem kein Ball. Und so trennten sich der Tabellenzweite und der Tabellenzweitletzte 0:0 in einem Spiel, das zwar viel Kampf, aber kaum spielerische Glanzlichter zu bieten hatte und die St. Galler (24/43) in ihrem Bestreben, Leader Thun zumindest scheu auf den Fersen zu bleiben, nicht weiter brachte. Auf der anderen Seite erhielt der gewonnene Zürcher Punkt später am Abend noch etwas zusätzlichen Wert. Nach der Winterthurer Niederlage in Bern beträgt der Vorsprung von GC (25/21) auf den Tabellenletzten neu sieben Punkte.
Blau-weisse Könige
Ein Sieg aus zwölf Spielen. So lautete die Bilanz des FC Luzern noch am vergangenen Dienstagnachmittag, verbunden mit einem tabellarischen Absturz der Zentralschweizer von Rang 6 bis auf Platz 10. Vier Zähler trennten die Leuchten noch von Relegationsplatz 11, und auch den Rettungsanker «Cup» hatte die Mannschaft Mario Fricks eher kläglich versenkt. Doch dann kamen die blau-weissen Direktduelle mit GC und Zürich und mit ihnen zwei Siege, sechs Punkte und nicht weniger als acht geschossene Tore innert vier Tagen. Denn nach dem 4:3 gegen den Rekordmeister unter der Woche, erledigten die Luzerner am Samstagabend auch dessen Stadtrivalen mit 4:1 (Tore durch Di Giusto, Kawit, Freimann und Ferreira; Emmanuel traf spät für Zürich) und entledigten sich damit mutmasslich sämtlicher Abstiegssorgen. Mehr noch: Plötzlich dürfen die Leuchtenstädter (25/30) sogar wieder verschmitzt auf Rang 6 schielen, auch wenn die derzeit dort platzierten Youngs Boys noch sechs Zähler mehr auf dem Konto haben. Aber selbst wenn die Berner nicht mehr eingeholt werden können: Der Titel als blau-weisser Städtemeister ist den Luzernern zumindest vorderhand nicht mehr zu nehmen.
Kapino-Time?
Als Keeper von Tabellenschlusslicht FC Winterthur ist Stefanos Kapino einiges gewohnt. Nach dem 0:5 gegen die Berner Young Boys im vergangenen November, platzte dem 31-jährigen Griechen jedoch der Kragen. Vor laufenden Kameras zerlegte er den Auftritt seiner Mannschaft und entschuldigte sich bei den mitgereisten Fans. Knappe drei Monate später, wäre es vielleicht wieder an der Zeit für klare Worte des Winterthur Schlussmanns. Denn nach dem 1:6 bei den zuvor stark kriselnden Bernern ist nur schwer vorstellbar, wie genau Winti (24/14) die Klasse denn eigentlich halten will. Mit Sicherheit nicht so, wie die Eulachstädter ab Minute 40 verteidigten, als sie den zuletzt eher zahnlosen Gelb-Schwarzen bis Spielende durch Fassnacht (39. und 55.), Virginius (53.), Bedia (65.), Males (82.) und Sanches (85.) nicht weniger als sechs Gegentore zugestehen mussten und damit ihre «Nicht-Leistung» vom Herbst noch einmal um ein Tor überboten. Zwar traf auch Buess (58.), und trotzdem zählte am Ende des Abends eigentlich nur, dass der Rückstand im Tabellenkeller um einen weiteren Zähler anwuchs. Am Mittwoch im Nachholspiel gegen St. Gallen ist eine Reaktion dringend erforderlich, während die Young Boys (25/36) endlich wieder einmal einen positiven Abend erlebten. Zumindest Rang 6 bleibt somit vorderhand einigermassen fest in Berner Hand.
Rekordverdächtig
Achter Sieg in Folge für den FC Thun. Das ist neuer Vereinsrekord für die Berner Oberländer, die sich in dieser Spielzeit scheinbar von Nichts und Niemanden mehr aufhalten lassen. Auch nicht vom FC Sion, der sich nach Ethan Meichtrys Führungstreffer (43.) allerdings gleich selber aus dem Spiel nahm. Erst mit einer umstrittenen roten Karte gegen Noé Sow (68.), anschliessend mit einem weiteren Platzverweis gegen Lamine Diack (82.), der die Walliser sämtlicher Comeback-Ambitionen beraubte. Nicht, dass sich der Tabellenführer (25/55) irgendwelcher fremder Hilfe hätte bedienen müssen, so souverän agiert der sensationelle Aufsteiger mittlerweile Spieltag für Spieltag. Neu trennen die Thuner mindestens zwölf Zähler von ihrem ersten Verfolger, während es im Rennen am Strich immerhin etwas enger zu und her geht. Aktuell trennen das fünftplatzierte Sion (25/37) sieben Zähler von den siebt- und achtplatzierten Luzernern und Lausannois.
Ungenügend
Irgendwann in den nächsten Wochen wird Lausanne-Sport zur Erkenntnis kommen, dass in dieser Spielzeit doch so viel mehr möglich gewesen wäre. Wenn man doch nur gegen GC gewonnen hätte, bei Winti oder ganz bestimmt im jüngsten Léman-Derby gegen Servette Genf. Gegen die Grenats drehte man nämlich einen frühen Rückstand (20. Samuel Mraz) in ein 2:1 zur Pause (28. Jamie Roche, 39.Seydou Traoré), profitierte seit der 27. Minute von einer roten Karte gegen Servette-Verteidiger Marco Bruch – und gab die Partie in Halbzeit zwei dennoch aus den Händen. Erst durch Miroslav Stevanovics Ausgleich zum 2:2 (59.), dann durch Nicky Belokos unnötige gelb-rote Karte in der 89. Minute, die dem SFC (Rang 10 mit 27 Punkten) den Weg zum ultraspäten 3:3-Ausgleich ebnete (91. Miroslav Stevanovic). Denn zwischendurch hatten die Olympiastädter ihre rund 60-minütige personelle Überzahl immerhin zum zwischenzeitlichen 3:2 durch Omar Janneh (73.) nutzen können. Für mehr – insbesondere beim Blick auf die Tabelle – genügte es den Waadtländern (Rang 8 mit 30 Punkten) aber auch dieses Mal nicht.
Schnitzelbangg
Heute in einer Woche beginnen sie – die drei schönsten Basler (Fasnachts)Tage. Und ein Thema dürfte dabei nach den Ereignissen von gestern Sonntag ganz hoch in der Gunst der diversen Schnitzelbagg-Autor:innen stehen: Xherdan Shaqiri und seine Penalty-Phobie. Nicht mehr ganz so plötzlich auftretend wie noch im vergangenen Herbst, aber dafür umso spektakulärer. 60. Minute: XS läuft an – und scheitert mit seinem Versuch an Lugano-Keeper Saipi. Doch weil ein Luganesi zu früh in den Strafraum eingedrungen war, durfte der einst bombensichere Elfmeterschütze gleich noch einmal ran – und verschoss abermals auf unglaublichste Art und Weise. Es hätte das 2:0 für den FCB sein können (Bénie Traoré hatte nach 30 Minuten das Score eröffnet), stattdessen stand es drei Zeigerumdrehungen später plötzlich 1:1, da Georgios Koutsias einen lehrbuchmässig vorgetragenen Tessiner Konter gekonnt abschloss. Zu mehr reichte es den beiden Teams nicht mehr, was vor allem die Konkurrenz in Thun und St. Gallen erfreute, die die beiden Verfolger so z.T. trotz eigener Punktverluste (FCSG) auf Distanz hielt. Angesichts von mindestens 15 Punkten Rückstand auf Leader Thun, kann man sich den Meistertitel spätestens nach diesem Wochenende sowohl im Tessin (Rang 3 mit 43 Punkten) als auch am Rheinknie (Rang 4 mit 40 Punkten) abschminken.