Aufgefallen: Der 26. Spieltag in der Brack Super League
Kein Spiel in Winterthur, enttäuschende Partien in Genf und Zürich – und dann kam der Super-League-Sonntag. Mit einem Hattrick von Rilind Nivokazi, dem ersten Vollerfolg des FC Lugano in diesem Monat und einem absoluten Spektakel zwischen Luzern und dem FC Basel. Unser Rückblick auf das Schweizer Fussball-Wochenende.
No play, no pain
Dritte Spielabsage in der aktuellen Spielzeit und zum dritten Mal war der FC Winterthur mittendrin statt nur dabei. Und wie bereits zum eben erst unter Woche nachgeholten Rückrundenauftakt gegen St. Gallen, war es auch dieses Mal das Schützi-Terrain, dass dem FCW und Gegner Thun einen Strich durch die Rechnung machte. Wobei sich der souveräne Leader aus dem Berner Oberland wohl eher über die Absage geärgert haben dürfte, als die Einheimischen. Diese kamen so nämlich nach 2:14 Toren und drei Niederlagen in Folge zu einer unerwarteten Verschnaufpause und so zu etwas mehr Zeit, um die jüngsten Nackenschläge zu verarbeiten. Nachgeholt wird die Partie übermorgen Mittwoch.
Versteckspiel
Es gibt Super-League-Spiele, die die Swiss Football League zum Saison-Ende mit Sicherheit nicht in ihr Highlight-Reel integrieren wird. An einem tristen Februarabend in einem leeren Letzigrund zum Beispiel, oder im zuweilen nicht minder Atmosphäre-befreiten Stade de Genève. So wie am Samstag beim Duell zwischen dem Servette FC und dem FC St. Gallen, das mit Ausnahme der ersten Spielminuten keine(n) der 6'150 Zuschauer:innen von den Sitzen zu reissen vermochte. Denn nach dem frühen 0:1 durch Christian Witzig (4.) und dem postwendenden Ausgleich durch Steve Rouiller (6.) passierte mit zunehmender Spieldauer immer weniger im weiten Rund der überdimensionierten Genfer Fussballarena. Und so spielten sich die beiden Kontrahenten zu einem Resultat, dass am Ende keinem so richtig half. Nicht den Gästen aus der Ostschweiz (26/47), die weder näher an Leader Thun heranrücken, noch Verfolger Lugano auf Distanz halten konnten. Und auch nicht dem Gastgeber aus der Calvin-Stadt (Rang 10 mit 28 Punkten), der sich trotz dem Remis noch immer nicht komplett aus dem Abstiegskampf verabschiedet hat.
Befreiungsschlag
Gut war sie nicht, die Stimmung beim FC Zürich vor dem 293. Stadtzürcher Derby vom Samstagabend. Nicht nach dem desolaten 1:4 vor Wochenfrist gegen Luzern, und nicht angesichts der Tatsache, dass bei einer Niederlage das Abrutschen in das interkantonale Abstiegsduell zwischen den Grasshoppers und dem FC Winterthur drohte. Doch dann tat der FCZ genau das, was man gegen die aktuelle Ausgabe der Hoppers tun muss: Hinten keine unnötigen Risiken eingehen, physisch Präsenz zeigen und vorne auf den Moment warten, in dem sich die GC-Defensive kurz mental aus dem Spiel verabschiedet. So wie in der 31. Minute, als Damienus Reverson völlig frei zum 1:0 einköpfen konnte. Und dann noch einmal 20 Minuten später, als Philip Kény von einem Fehlzuspiel von GC-Neuzugang El Bachir Ngom profitierte und kaltblütig zum 0:2 einnetzte. Im Anschluss brachte Luke Plange (81.) zwar noch einmal Spannung und Hektik ins Spiel zurück, an den ultra-wichtigen drei Punkten für die Mannschaft von Dennis Hediger (Rang 8, 31 Punkte) änderte das jedoch nichts mehr. Diese darf anhand von neu zehn Punkten Vorsprung auf den Stadtrivalen erst einmal tief durchatmen, während dem die Grasshoppers (26/21) abermals eine Chance liegen liessen, um im Abstiegskampf überlebenswichtige Big Points zu sammeln.
One-Man-Show
25 Jahre alt musste Rilind Nivokazi werden, um in der Super League debütieren zu dürfen. Vergangenen Juli war das und seitdem nutzt der mittlerweile 26-Jährige jede sich bietende Gelegenheit, um das Maximum aus seiner Zeit in der höchsten Schweizer Spielklasse herauszuholen. Acht Treffer standen vor dem gestrigen Duell mit YB auf seinem Konto, neu sind es deren elf. Denn der italienisch-kosovarisch Doppelbürger nutzte die Freiheiten, die ihm die Berner Abwehr gewährte zum ersten Hattrick seiner SL-Karriere. Dank der hervorragenden Vorarbeit seines Sturmkollegen Ilyas Chouaref (19.), dank seinem Torriecher im Anschluss an einen abgewehrten Elfmeter von Liam Chipperfield (42.) und schiesslich im Konter zur endgültigen Entscheidung zugunsten der Walliser (77.), welche den Young Boys zuvor den Anschlusstreffer (Joël Monteiro in 62.) und eine kurze Phase der Dominanz zugestehen mussten. Am Ende jedoch blieb Gelb-Schwarz auch im siebten Auswärtsspiel in Folge sieglos, während der FC Sion seinen Platz unter den Top 5 der Liga zementierte. Neu trennen die Walliser (26/40) vier Punkte von den sechstplatzierten Bernern (26/36) und sogar deren sieben Zähler vom siebtplatzierten FC Luzern.
Geht doch
Kann Lugano noch gewinnen? Und trifft Renato Steffen in der Super League nach über 100 Spielen irgendwann noch mal per Kopf? Zwei Fragen, eine Antwort – nämlich ja. Und natürlich hatte das erste Kopftor des 1,70 m grossen Tessiner Angreifers im 103. SL-Einsatzeinen grossen Anteil daran, dass die Bianconeri nach zuletzt vier 1:1-Untentschieden in Folge wieder einmal drei Punkte einheimsen konnten. Steffens 1:0 in der 36. Minute legte nämlich den Grundstein für das überfällige Tessiner Erfolgserlebnis, dass zwar im Rennen um die Meisterschaft nicht mehr viel helfen wird, im Kampf um die Plätze 2 und 3 jedoch durchaus von Wert ist. Neu trennen Lugano (26/46), dass durch Daniel Dos Santos in der 61. Minute noch zum zweiten Treffer kam, sechs Punkte von Rang 4 (Sion), während Lausanne (Torschütze Florent Mollet in 80.) seine Ambitionen auf einen Platz in der Championship Group nach dem sechsten sieglosen Spiel in Folge so langsam neu ausrichten muss. Sechs Punkte und drei Teams trennen die Waadtländer (26/30) aktuell von Rang 6.
Bedient
In der Schlussphase schien es nur einem nicht mehr zu gefallen: Basel-Trainer Stephan Lichtsteiner, der nach Basels drittem Gegentreffer innerhalb von zwölf Minuten unmittelbar nach Oscar Kabwits 4:2 (89.) kurz in den Katakomben verschwand. Der überwiegende Rest der knapp 13'500 Fans in der Swissporarena erlebte da ganz andere Gefühle, erfreute sich eines spektakulären Sonntagnachmittags und dem dritten Luzerner Sieg in Folge. Denn die Leuchten verwandelten in der Schlussphase ein 1:2 (Dorn; Traoré, Duranville) in ein 3:2, dank Kabwit (77.) und dank Lars Villiger (83.), ehe der kongolesische «Plötzlich-Goalgetter» mit seinem erwähnten zweiten Streich den Deckel draufmachte. Zuviel für Lichtsteiner, der im siebten Spiel als FCB-Trainer die fünfte Niederlage verkraften musste, während der FCL neu von Rang 7 grüsst (26/33). Die Differenz zwischen dem ehemaligen Meisterschaftsanwärter und dem ehemaligen Abstiegskandidaten nach 26 Runden: noch sieben Punkte.