Aufgefallen: Der 27. Spieltag in der Brack Super League
Das Titelrennen? Angesichts von zehn Thuner Siegen in Serie und 14 Punkten Vorsprung entschieden. Der Kampf am Strich? Ein Polster von sechs Punkten lässt sich wohl auch das inkonstanteste YB der letzten zehn Jahre nicht mehr nehmen. Und der Abstiegskampf? Winti hilft wohl nur noch ein erneutes Fussball-Wunder. Und doch wissen wir aus Erfahrung: Die Super League wäre nicht „super“, wenn es nicht irgendwo in dieser Liga noch zu einer kräftigen Überraschung kommen würde…
Unaufhaltsam
Unerschütterlich, unbesiegbar oder ganz einfach unaufhaltsam. Egal, mit welchem Adjektiv man den unglaublichen Höhenflug des FC Thun in dieser Saison beschreiben möchte, am Ende ist die Quintessenz immer die Gleiche: Die Berner Oberländer sind auf dem Weg zu ihrem ersten Meistertitel nicht mehr zu stoppen. Nicht mehr vom formstarken FC Luzern, der beim 1:2 nach drei Siegen in Folge wieder einmal als Verlierer vom Platz musste, und nicht mehr von der bereits um 14 und mehr Punkte distanzierten weiteren Konkurrenz. Denn auch am Samstagabend waren die Thuner nicht unbedingt die bessere Mannschaft, waren aber absolut zwingend im Ausnutzen der Zentralschweizer Unzulänglichkeiten. So wie Kastriot Imeri nach 24. Minuten zum 1:0, und wie Elmin Rastoder fünf Minuten später zum Game-Winning-Goal. Oscar Kabwit brachte den FCL in der 43. Minute zwar noch einmal heran, zu mehr gereichte es den Luzernern in der zweiten Halbzeit allerdings nicht mehr. Der zehnte Thuner Sieg in Serie war Tatsache (in der Challenge League waren es in den letzten beiden Jahren nie mehr als fünf), während Luzern seine Ausgangslage am Strich (Rang 7 mit 33 Punkten) nicht verbessern konnte.
Wie gehabt
Wieder einmal – zum bereits sechsten Mal in dieser Saison - schnürte Alessandro Vogt einen Doppelpack (76. und 94.). Wieder einmal – zum bereits siebten Mal in dieser Saison - gab der FC Winterthur spät einen möglichen Punktgewinn noch aus den Händen. Und zum bereits dritten Mal in dieser Spielzeit, konnte der FC St. Gallen folgerichtig das Ostschweizer Fussball-Derby für sich entscheiden. Nicht mehr klar und deutlich wie in den beiden vorangegangen Duellen (5:0 und 5:1), sondern hauchdünn mit 2:1, nachdem Pajtim Kasamis 0:1 (21.) bis in die Schlussviertelstunde hinein Bestand gehalten hatte. Am Ende aber gab der FCW die so wichtigen Punkte spät noch aus den Händen und vergab somit die nächste Chance, im Tabellenkeller Druck auf GC auszuüben. Elf Spieltage vor dem Saisonende beträgt der Rückstand auf Barrage-Platz 11 neu zehn Punkte, während der FCSG (Rang 2 mit 50 Punkten) den Abstand auf Rang 4 bei sieben Punkten halten konnte.
Standard
Wer von diesem Spielausgang überrascht wurde, ist selber schuld. Denn das 0:0 zwischen dem Servette FC und dem FC Sion am Samstagabend kam quasi mit Ansage. Schliesslich war es die siebte Punkteteilung in den letzten zehn Rhone-Derbys und das jeweils elfte (!) Remis der beiden Teams in dieser Spielzeit. Klar hätten die Fans im Stade de Genève gerne den einen oder anderen Treffer gesehen, mussten am Ende aber mit dem ersten torlosen Heimspiel der Saison vorlieb nehmen. Immerhin: Dank dem gewonnen Zähler, mussten die Grenats (27/29) GC im Tabellenkeller nicht sogar bis auf vier Punkte herankommen lassen, während die Walliser ihre Position unter den Top 6 festigten. Neu trennen die Sittener (27/41) ebenso bereits achte Punkte vom Tabellensiebten aus Luzern.
Talentschau
Zwei der hoffnungsvollsten jungen Talente in der Brack Super League? Omar Janneh, 19-jähriger Winterzugang von Lausanne-Sport, und Giacomo Koloto, 18-jährige Sturmhoffnung des FC Basel. Gemeinsam kommen sie auf total 14 SL-Einsätze und – seit gestern – sieben Tore. Denn im Duell zwischen den Olympiastädtern und dem bald entthronten Meister, sorgten die Beiden gleich für alle drei Treffer. Koloto mit dem ersten Doppelpack seiner SL-Karriere (1. und 68.) und Janneh (55.) mit seinem fast schon obligatorischen Tor (Nr. 5 im achten Spiel). Am Ende bedeutete dies den ersten Basler Auswärtssieg seit der Amtsübernahme durch Stephan Lichtsteiner und die siebte Lausanner Partie in Folge ohne Sieg. Dementsprechend verabschieden sich die Lausannois (Rang 9 mit 30 Punkten) auch immer weiter von den Top 6 (9 Punkte Rückstand), während die Bebbi nach dem Sieg fast schon fix mit der Championship Group planen können. Aktuell verfügt Basel (27/43) über ein Polster von 10 Punkten bis zum Strich.
Gefürchtet
Wer spielt schon gerne im Letzigrund? Vielleicht der FC Zürich, der die Stadtzürcher Multi-Funktionsarena seit einem Jahrhundert seine Heimat nennt. Mit Sicherheit aber nicht der FC Lugano, oder, um es präziser auszudrücken: Sicher nicht, wenn es dort gegen die Grasshoppers geht. Denn bereits vor der gestrigen Stippvisite beim Tabellenelften war die jüngere Tessiner Bilanz alles andere als berauschend. Genau ein Sieg war der Truppe von Trainer Mattia Croci-Torti nämlich in den letzten sechs Partien bei den Hoppers gelungen und gestern Nachmittag folgte prompt Niederlage Nr. 4. Mit 0:1 (Luke Plange, 12.) unterlagen die Bianconeri den Zürchern und das trotz 70-minütiger Überzahl (Rot gegen GC-Diaby nach 20. Minuten). Zählbares brachten die Tessiner im Anschluss aber nicht zustande, weshalb sie zum ersten Mal seit dem 26. November wieder eine Niederlage kassierten. Fast so lange (seit dem 17. Dezember) hatten auf der anderen Seite die Grasshoppers (27/24) auf einen Vollerfolg gewartet, der ihnen zumindest kurzfristig im Tabellenkeller etwas Aufschwung verleihen könnte. Anstatt wie bisher primär in Richtung Winti (27/14) zu gucken, kann der Rekordmeister aktuell wieder leise nach oben schielen, wo Servette (27/29) und Lausanne (27/30) vielleicht doch noch in Reichweite liegen könnten.
Torschuss-Festival
Am Ende verzeichneten die Berner Young Boys 36 Abschlüsse. 36 Versuche, den guten FCZ-Torhüter Silas Huber zu bezwingen, wovon mindestens vier der vielversprechendsten Abschlussversuche vom sehr aktiven Neuzugang Samuele Essende (ex-Augsburg) abgegeben wurden. Über seinen ersten YB-Treffer konnte der Kongolese dabei zwar noch nicht jubeln, dafür aber die gesamte Berner Mannschaft gleich drei Mal. Erst nach Sandro Laupers befreiendem 1:0 (64.), dann zwei weitere Male nach Chris Bedias Doppelpack in den Spielminuten 71 und 86. Am Ende gereichte das den Bundesstädtern zum zweiten Heimsieg in Folge, was spätestens nach der roten Karten gegen Zürichs Lindrit Kamberi (22., Notbremse) auch erwartet werden durfte. In der Tabelle grüsst Gelb-Schwarz (27/39) deshalb neu mit sechs Zählern Vorsprung auf den nächsten Gegner Luzern von Rang 6, während den Zürchern (27/31) die Barrage (24 Punke) aktuell wieder etwas näher ist, als die Top 6 (39 Punkte.) Gegen Lausanne am Mittwoch erhält der FCZ aber postwendend die Gelegenheit, diese Konstellation im kommenden Heimspiel wieder zu seinen Gunsten zu verändern.