Aufgefallen: Der 31. Spieltag in der Brack Super League
Der Rekordmeister im Rekordtempo. Der SL-Aufsteiger für einmal auf dem absteigenden Ast. Und zumindest ein alter Bekannter, der den Tritt vielleicht doch langsam wieder findet. Unser Rückblick auf das Fussball-Wochenende in der Brack Super League.
Rekordverdächtig
Am 27. April 2019 standen wir schon einmal hier. Auch damals hatten die Grasshoppers nach 31 Spieltagen 24 Zähler auf ihrem Konto, erspielt via fünf Siegen, neun Unentschieden und 17 Niederlagen. Wenige Wochen später erfolgte nach 70 Jahren der Abstieg in die Challenge League. Sieben Jahre später stehen die Zürcher mit der exakt gleichen (Zwischen)Bilanz da, können sich aber immerhin damit trösten: Noch ist der nächste Abstieg nicht besiegelt, auch wenn die Tendenz immer beunruhigendere Formen annimmt. Denn wie sich die Hoppers am Samstagabend in Genf präsentierten, war rekordverdächtig schlecht. 0:4 (zweimal Junior Kadile, Miroslav Stevanovic und Florian Ayé) hiess es nach 18. Minuten – Super League Rekord. Ein 0:5 im ersten Spiel eines neuen Trainers, das im Idealfall eine Trendwende hätte einläuten können – alles andere als alltäglich. Insbesondere weil sich Gernot Messner vorhalten lassen muss, mit seinen taktischen und personellen Wechseln komplett daneben gelegen zu haben. Das „Label“ Hoffnungsträger dürfte der unter der Woche beförderte Österreicher somit nach nur einem Spiel wieder los sein – auch das vermutlich eine Art Rekord.
Allgemeinwissen
Eigentlich haben es alle immer gewusst: Der FC Thun, in diesem Jahr nach elf Spielen (und zehn Siegen) noch ungeschlagen, kann noch verlieren. Und der FC Zürich, 2026 genau zwei Mal siegreich, kann auch gegen Teams, die nicht aus dem Kanton Zürich kommen, gewinnen. Das beide Serien aber just in jenem Augenblick zu Ende gehen, in dem die beiden Kontrahenten aufeinander treffen, konnte eigentlich nur der wahre Experte erahnen. Wer sonst hätte vorhergesehen, dass Leonardo Bertones nächstes Traumtor (38.) für einmal keine Wende herbeiführen würde? Oder dass die Berner Oberländer einen frühen Rückstand (Damienus Reverson, 15.) nicht doch wieder in drei Punkte ummünzen könnten? Doch für einmal in dieser aussergewöhnlichen Spielzeit war es dem Thuner Gegner vorbehalten, den Knockout-Punch zu landen. Ivan Cavaleiro war es, der in der 77. Minute zum 2:1 traf und die Stadtzürcher (31/34) damit wohl aller Abstiegssorgen entledigte. Denn dass die Grasshoppers in der aktuellen Verfassung, (oder die bereits um 15 Punkte distanzierten Winterthurer) den FCZ in dieser Saison nicht mehr gefährden werden, ist eigentlich Jedem klar.
Doppelter Lukas
Lukas Görtler und Lukas Daschner. Zwei St. Galler Leistungsträger, die das Spiel ihres FCSG auch am Samstagabend in Sion prägten. Erst wie erhofft, durch das Führungstor Görtlers in der 24. Minute, dann ziemlich unerwartet in der Form eines Eigentores von Daschner, der einen vom Pfosten zurückspringenden Abschluss Kolollis unglücklich über die eigene Torlinie bugsierte (29.). Immerhin: Mit der Punkteteilung konnten schlussendlich beide Seiten gut Leben. Die Ostschweizer, weil sie dadurch ihre Verfolger im Kampf um die Plätze zwei und drei zumindest einigermassen auf Distanz halten konnten (aktuell fünf Punkte Vorsprung auf Rang 4). Und die Walliser, weil sie sich dank dem gewonnen Zähler endgültig für die Championship Group qualifizierten und mit sechs Punkten Rückstand auf Rang 3 sogar noch leise von Europa träumen dürfen.
Chance verpasst
Gelegenheiten, um den SL-Abstiegskampf noch etwas spannender zu machen, hatte der FC Winterthur im Duell mit dem FC Basel genug. Zum Beispiel in der 4. Minute, als Bafodé Dansoko aus aussichtsreicher Position nur die Lattenunterkante traf. Oder in der 7. Minute, als Roman Buess aus elf Metern an FCB-Keeper Hitz scheiterte. Auch in der 35. Minute roch der FCW noch einmal am ersten Tor, als Remo Arnold den Ball aus wenigen Metern nicht über die Linie brachte. Und schliesslich noch einmal in der Schlussphase, als die Eulachstädter nach einer gelb-roten Karten gegen Basels Finn van Breemen (84.) die letzten zehn Spielminuten in Überzahl spielen konnte. Ein Tor gelang dem Tabellenschlusslicht (34/19) dabei jedoch nicht, weshalb die Winterthurer die grosse Chance nicht nutzen konnten, noch näher an die Grasshoppers (24 Punkte) heranzurücken. Auf der anderen Seite konnte sich der bald entthronte Titelverteidiger an hoher Effizienz (bei Ibrahim Salahs 0:1 nach 15 Minuten), einem herrlichen 0:2 (Bénie Traoré in 71.) sowie an der Tatsache erfreuen, zum vierten Mal in den letzten fünf Partien drei Zähler eingefahren zu haben. Der Lohn für so viel Produktivität: Rang 3/4 nach 31. Spieltagen und «nur» noch vier Punkte Rückstand auf das zweitplatzierte St. Gallen.
Niemandsland
Mit dem Meistertitel und dem Kampf um Europa? Hat der FC Luzern auch in diesem Jahr nichts zu tun. Dem Kampf gegen den Abstieg? Bleiben die Zentralschweizer abermals fern. Das Problem? Zum dritten Mal in Folge bewegt sich der FCL im Niemandsland der Tabelle, zu gut für die Relegation Group, zu schlecht, um den Sprung in die Top 6 zu schaffen, bzw. um oder dort ein gewichtiges Wort mitzureden. Und so beginnen in der Leuchtenstadt die Kehrausspiele auch in dieser Spielzeit bereits Wochen vor dem Saisonende, in diesem Fall am gestrigen Sonntag im Spiel gegen Lausanne-Sports. Da gaben sich auch die Waadtländer wenig Mühe, ihre mangelnde Begeisterung ob der nahezu identischen Ausgangslage zu verbergen und gingen in der Swissporarena prompt mit 0:4 unter. Pius Dorn (zweimal), Matteo Di Giusto und Andrej Vasovic hiessen die Torschützen, die am Ende des Tages das Entscheidende aber auch nicht verändern konnten: Aufgrund des Berner Punktgewinns gegen Lugano werden beide Kontrahenten ihre Saison als Teil der Relegation Group beenden müssen.
Ein-Punkte-Spiel
Im Kampf um Europa, gab es sie an diesem Wochenende gleich zwei Mal: Die sogenannten Sechspunktespiele, sprich Direktduelle zwischen Teams hinter dem FC Thun und über dem Strich. Doch wie schon am Vorabend in Sion, gab es auch gestern Nachmittag im Berner Wankdorf keinen Sieger. Nicht YB, dass Halbzeit eins dominierte, schon früh durch Alvyn Sanches (5.) in Führung ging und es im Anschluss aber verpasste, den Sack zuzumachen. Und nicht Lugano, dass nach der Pause besser ins Spiel kam, durch Anto Grbic (65., natürlich per Elfmeter) ausglich und es dann aber ebenfalls nicht mehr schaffte, das erarbeitete Momentum in drei Punkte umzumünzen. So blieb es schlussendlich beim 1:1, dass den Bernern zwar die Qualifikation für die Championship Group sichert, ansonsten aber vor allem den FC Basel freute. Denn der stiess auf Kosten der Tessiner (31/51) auf Rang 3 vor, während die Young Boys (31/46) die Gelegenheit verpassten, wichtigen Boden auf die Ränge 3 und 4 gut zu machen.