Becir Omeragic – ein Mann für Gegenwart und Zukunft
Der Gewinn einer Trophäe ist für den FC Basel in dieser Saison nicht mehr möglich. Stattdessen geht es um Schadensbegrenzung und Vorarbeiten für die Zukunft. Zwei Themen, bei denen Becir Omeragic ein Faktor ist.
Elf Spiele haben die Basler in dieser Saison in der Super League noch zu spielen. Bei einem Rückstand von 21 Punkten auf den FC Thun ist der Traum von der erneuten Meisterparty auf dem «Barfi» längst geplatzt. Ebenso ist die Titelverteidigung im Cup nach dem Viertelfinal-Out gegen den FC St. Gallen nicht mehr möglich. Und auch das Abenteuer Europa League wurde bereits und früher als erwünscht oder geplant beendet. Damit muss der FCB nun retten, was zu retten ist – und gleichzeitig das Fundament für die Zukunft legen und zeigen, dass der von vielen Seiten mit Unverständnis aufgenommene Trainerwechsel von Ludovic Magnin zu «Profi-Rookie» Stephan Lichtsteiner eben doch richtig oder zumindest kein Fehler war.
Das Augenmerk muss nun darauf liegen, sich wenigstens einen Platz im europäischen Business zu sichern. Und da sind die Perspektiven nicht schlecht. Der FC Lugano liegt auf Rang 3 nur drei Punkte vor dem FCB – und sollte St. Gallen Cupsieger werden, würde ja der vierte Platz für die Teilnahme an der Qualifikation der Conference League genügen. Allerdings haben im Nacken der Basler auch der FC Sion und die Young Boys mit zwei respektive vier Punkten noch Ambitionen.
Gleichzeitig ist klar, dass Rang vier den Ansprüchen des FC Basel nicht genügen kann. In Zukunft müssen die Bebbi wieder vorne mitspielen. Als Vorbild dient Coach Lichtsteiner da auch der norwegische Klub Bodö/Glimt, der in der Champions League sensationell Inter Mailand eliminiert hat. «Wie Bodö Inter rausgeworfen hat, war beeindruckend. Alle miteinander. Darum geht es», erklärte Lichtsteiner letzte Woche. «Wir müssen alle an einem Strick ziehen. Jeder muss für jeden gehen. Nur so kommen wir aus dieser Phase raus. Dieses Team hat die Qualität, das weiss ich.»
24 Jahre jung, reich an Erfahrungen
Der Turnaround ist wichtig, gerade auch für den Übungsleiter, dessen Bilanz mit zwei Siegen, einem Unentschieden, fünf Niederlagen nach acht Spielen äusserst bescheiden ist. Immerhin wurde die Lücke in der Innenverteidigung nach den Abgängen von Adrian Barisic und Jonas Adjetey mittlerweile gefüllt – und dies auf vielversprechende Art und Weise, mit Becir Omeragic, der in den letzten zweieinhalb Jahren seine Qualität in Montpellier gezeigt hat und in der Saison 2021/22 ein wichtiger Spieler in der Meistermannschaft des FC Zürich gewesen war.
«Mit Becir Omeragic konnten wir einen starken Schweizer Innenverteidiger verpflichten, der uns sofort helfen kann und trotz anderer Angebote unbedingt zu uns wollte. Becir verfügt über einen grossen Rucksack an Erfahrung in der Super League, hatte bereits sieben Einsätze in der Schweizer Nationalmannschaft und war bei Montpellier Captain in der Ligue 1 und Ligue 2. Nachdem wir ihn schon im Sommer als Teamstütze verpflichten wollten, sind wir froh, dass der Wechsel nun geklappt hat», lobte FCB-Sportdirektor Daniel Stucki den 24-Jährigen bei dessen Verpflichtung.
Und Omeragic zeigte in seinem ersten Spiel, am Sonntag beim 2:1-Sieg der Basler gegen Lausanne, dass zurecht hohe Erwartungen in ihn gesteckt werden. Er überzeugte bei seinem ersten Auftritt in der Super League seit Ende Mai 2023 mit einer soliden Leistung, ging als Leader voran und sagte danach: «Es ist nie einfach, in einem neuen Team Tritt zu fassen. Aber ich fühle mich wohl, wurde gut ins Team aufgenommen und kenne noch einige Spieler von früher – das hilft. So macht es auch Spass, mit dieser Mannschaft zu spielen und zu trainieren.» Dass er nach der Basler Führung nach nicht einmal einer Minute zu seinen Kollegen gesprochen hat, kommentierte er folgendermassen: «Ich wollte verhindern, dass wir uns wegen der frühen Führung zurückziehen und nichts mehr fürs Spiel machen. Dies sagte ich dem Team und wollte so für Ruhe sorgen.»
Talent allein reicht nicht
Entscheidend für den 24-Jährigen, der in dieser Saison bei Montpellier nach dem Abstieg aus der Ligue 1 vorangegangen war und als Captain Verantwortung übernommen hatte, ist in erster Linie auch die Mentalität, wie er nach dem Sieg in Lausanne erklärte: «Es ist nun mal so: Man kann der beste Spieler, das grösste Talent sein: Wenn man die richtige Mentalität nicht auf den Platz bringt, wird es schwierig. Für mich bedeutet Mentalität, in jeden Zweikampf zu gehen und immer das Beste zu geben – so gewinnt man auch Spiele.»
Und so gelingt ihm vielleicht auch der Weg zurück in die Nati. Sieben Länderspiele hat er auf seinem Konto, sein Debüt gab er im Oktober 2020 bei der 1:2-Heimniederlage gegen Kroatien unter Vladimir Petkovic. Danach fehlte er meist im Aufgebot, verpasste die EM 2021, die WM 2022 und die EM 2024. Im vergangenen Herbst gehörte er bei den WM-Qualifikationsspielen gegen Schweden und Kosovo immerhin zum Team und so dürfte er eher früher als später in den Überlegungen von Murat Yakin eine grössere Rolle spielen. Vielleicht schon im Hinblick auf die WM 2026, auch wenn in der Nati-Innenverteidigung aktuell kein Weg an Manuel Akanji und Nico Elvedi vorbeiführt. Doch mit starken Leistungen in der Basler Gegenwart kann sich der Innenverteidiger im Nationalteam als Mann für die Zukunft aufdrängen.