Berner Play-In-Derby - oder grätscht Kloten noch dazwischen?
Nach 49 NL-Runden ist eine Sache klar: Mindestens ein Berner Klub wird die Playoff-Phase der Saison 2025/2026 verpassen – oder sind es gar zwei? Fakt ist, dass sich mit Bern, Langnau, Biel und Kloten noch vier Teams um die letzten beiden Plätze im Play-In bewerben. Wer packts auf den letzten Drücker und wer nicht? Wir werfen einen Blick auf die Ausgangslage der vier Strichkandidaten.
Die Wehmütigen – SC Bern (Rang 9 mit 66 Punkten)
In diesem Fall lohnt sich der Blick zurück in der Tat nicht. Denn noch vor vier Wochen hätte der SCB eine Ausgangslage, wie er sie aktuell vorfindet, dankend abgelehnt. Damals, zu Beginn der Olympiapause, als man sich in der Bundesstadt noch berechtigte Hoffnungen darauf machen konnte, ein kräftiges Wort um die Vergabe der Ränge 7 und 8 mitreden zu können. Diese Option existiert mittlerweile nicht mehr, Realität ist der Kampf gegen das vorzeitige Saisonende gegen die Berner Kantonsrivalen und den EHC Kloten. Dabei halten die Mutzen trotz nur zwei Punkten aus den drei post-olympischen Spielen noch immer die besten Karten in der Hand, auch dank den positiv verlaufenen Direktduellen mit den Tigers und Biel. Trotzdem sind die Berner gut beraten, heute Abend im Heimspiel gegen den EVZ ein positives Ergebnis einzufahren. Folgt stattdessen die dritte Heimniederlage am Stück, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das SCB-Play-In-Schicksal am letzten Spieltag entscheiden wird. Gegner ist dann ausgerechnet Fribourg, das möglicherweise nichts dagegen hätte, den grossen Zähringer-Rivalen quasi zum Playoff-Warm-Up in die Sommerferien zu schicken. Die bislang so zahnlose Berner Offensive (am drittwenigsten geschossene Tore) ist auf alle Fälle gefordert, genau dieses Szenario bereits heute und am Samstag (bei Ambri) im Keim zu ersticken.
Die Beflügelten – EHC Biel (Rang 10 mit 64 Punkten)
Keine Frage: Von den vier noch im Strichkampf verwickelten Klubs stellt der EHC Biel das Team, dass mit der besten Kombination aus Rückenwind und sportlicher Ausgangslage in die letzten drei Runden steigt. Immerhin haben die Seeländer seit dem Trainerwechsel von Martin Filander zu Christian Dubé einiges an Boden und Momentum gut gemacht. 17 Punkte in neun Spielen haben die Bieler unter ihrem neuen Bandengeneral eingeheimst und so auf Kosten der SCL Tigers vorerst den Sprung unter die Top 10 geschafft. Was zudem noch für den Vize-Meister der Saison 22/23 spricht: Als einziges der vier Strich-Teams verfügen die Bieler mit Lias Andersson, Fabio Hofer, Marcus Sylvegard und Toni Rajala über ein Quartett, dass bislang offensiv zu überzeugen wusste. Gegen den EHCB spricht hingegen die Tatsache, dass mit den Gastspielen in Genf und Davos noch zwei schwierige Auswärtspartien auf die Seeländer warten. Mindestens der Sieg im Direktduell mit den SCL Tigers (am Samstag) sowie ein weiterer Punkt ist deshalb absolute Pflicht, wenn man das zweite vorzeitige Saisonende in Folge verhindern möchte.
Die Schwächelnden – SCL Tigers (Rang 11 mit 64 Punkten)
Die Verlierer der vergangenen Woche? Mit Sicherheit die SCL Tigers, die ihre eigentlich gute Ausgangslage im Strichkampf mit drei Niederlagen nach 60 Minuten aus der Hand gaben. Zwar war man in jedem der drei Spiele (3:4 in Davos, 1:3 in Kloten, 3:4 vs. Rappi) nahe am Punktgewinn, konnte am Schluss aber keine einzige der Partien auf die eigene Seite ziehen. Damit verfestigte sich ein Trend, der sich bereits vor der Olympiapause angebahnt hatte (2 Siege in 7 Spielen, aber immerhin 10 Punkte), sich nun aber im dümmsten Moment akzentuierte. Was spricht jetzt noch für die Tigers? Vielleicht Stürmer Andre Petersson (24 Tore/16 Assists), der über die drittbesten Skorerwerte (pro Partie) der Liga verfügt, sowie sein Sturmpartner Dario Rohrbach, der seinen Abschied aus dem Emmental sicher lieber noch etwas länger hinauszögern möchte. Ein Sieg im Direktduell bei Biel scheint Pflicht, weitere Punkte aus den Heimspielen gegen Fribourg und den ZSC sehr wahrscheinlich ebenso. Immerhin: In der aktuellen Spielzeit haben die Tiger gegen diese beiden Gegner zu Hause noch keinen Punkt verloren.
Die Hoffnungsvollen – EHC Kloten (Rang 12 mit 61 Punkten)
Eigentlich waren die Klotener schon fast weg. Versenkt von der zweitschwächsten Offensive der Liga (kein Spieler in den Top 50 der Skorerliste), lockte im besten Fall das vorzeitige Saisonende. Hätten man den Fliegern die aktuelle Tabellenkonstellation vor der Olympiapause so skizziert – jeder hätte sie ohne zu zögern angenommen. Und nun? Nach vier Siegen Folgen scheint plötzlich Vieles wieder möglich, schliesslich trennen die Flughafenstädter "nur" noch Siege bei Rappi, gegen Lugano und in Genf von der höchstwahrscheinlichen Play-In-Teilnahme. Allerdings: Ausgerechnet gegen diese drei Gegner gab es in dieser Konstellation aus Heim- und Auswärtsspielen in dieser Saison noch keinen Punkt. Ob die Flieger diese Bilanz ausgerechnet in der jetzigen Situation auf den Kopf stellen können? Wohl eher nicht und selbst dann muss man darauf hoffen, dass die Konkurrenz aus dem Kanton Bern in mindestens zwei Fällen heftig an Federn lässt. Immerhin: Die noch vor wenigen Wochen drohenden Playouts bleiben Kloten mit hoher Wahrscheinlichkeit erspart.