Chris McSorley denkt bei Sierre gross
Chris McSorley ist eine der grössten und charismatischsten Figuren im Schweizer Eishockey und hat in den letzten zwei Jahrzehnten viele Spuren hinterlassen. Nun mischt der Visionär mit dem HC Sierre die Sky Swiss League auf. Aber leider ist der Aufstieg in dieser Saison nicht möglich.
Acht Teams in der Sky Swiss League kämpfen aktuell in den Playoff-Viertelfinals um den Titel, mit dem amtierenden Meister Visp und dem HC La Chaux-de-Fonds sind aber nur zwei dieser Klubs aufstiegsberechtigt. Qualifikationssieger Sierre erfüllt die infrastrukturellen Bedingungen für die National League mit der – je nach Sichtweise altehrwürdigen oder maroden– Eishalle Graben dagegen nicht. Oder besser gesagt noch nicht. Denn Chris McSorley denkt auch im Mittelwallis gross und stellt den HC Siders so auf, dass er bald durchstarten kann.
Einzigartiger Stil
Der Start in die Playoffs ist geglückt. Mit 6:3 gewann der Qualifikationssieger Sierre gegen den Tabellenachten GCK Lions. Immerhin 3149 Fans waren im Stadion mit dabei. Und sie wurden mit dem Offensiv-Hockey verwöhnt, das Chris McSorley und sein Team schon die ganze Saison zeigen. 235 Tore hat Sierre in den 50 Spielen der Regular Season erzielt, es sind 48 mehr als der EHC Olten als Nummer 2 im Ranking der erzielten Tore geschafft hat. Sierre spielt bereits jetzt den Stil, mit dem der Weg nach oben gemacht werden soll. So erklärt Chris McSorley: «Wenn wir spielen wie alle anderen, werden wir nicht aufsteigen. Also müssen wir einen einzigartigen, offensiv ausgerichteten Stil entwickeln, den 25 Spieler in perfekter Harmonie spielen.» Offensiv, aggressiv, vertikal heisst das kurz und knapp. «Wenige Teams spielen so, aber Chris geht lieber nach vorne, sucht sein Glück und schafft etwas Einzigartiges», sagt Louis Matte, langjähriger Assistent von McSorley und zuletzt Headcoach bei La Chaux-de-Fonds.
Einzigartig war schon die Arbeit von McSorley in Genf. 2001 kam der Kanadier von den London Knights nach Genf, übernahm bei Servette. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, in welcher die Genfer zu dem Klub wurden, der sie heute sind. McSorley führte Servette in die höchste Spielklasse und zweimal in den Playoff-Final (2008 und 2010). Er gewann 2013 und 2014 mit seinem Team den Spengler Cup, nachdem er schon 2012 als Assistent mit dem mit den NHL-Superstars gespickten Team Canada triumphiert hatte.
Ein vom Hockey Besessener
McSorley lebt und atmet Eishockey, er ist ein – im positiven Sinn – Besessener. So sagte er kürzlich gegenüber «Le Nouvelliste», dass nichts dem Hockey gleich komme: «Es ist wie eine zweite Religion, und wenn ich einmal sterbe, hoffe ich, dass es auf einer Hockeybank passiert – und dass man mich mit den Füssen voran hinausträgt.» Und selbst sein schlimmster Tag im Eishockey sei besser als jeder Tag ohne Hockey.
63 Jahre ist der Kanadier mittlerweile, aber kein bisschen weniger umtriebig als in den letzten Jahren. Er ist in Sierre Trainer, Sportchef und Besitzer, so wie er es einst bei Servette war, wo er im Sommer 2020 entlassen wurde, was das traurige Ende einer erfolgreichen Beziehung und der Anfang eines Gerichtsfalls war. Im Mittelwallis verfolgt er das Ziel, den HC Sierre, der letztmals in der Saison 1990/91 in der höchsten Schweizer Liga spielte, in die National League zurückzuführen. Damit verbunden ist ein ambitiöses Stadionprojekt: Bis 2030 soll der Klub in einem neuen, rund 90 Millionen Franken teuren Stadion spielen.
Kommunikator und Verkäufer
Diese «Valais Arena» steht sinnbildlich für herausragende Qualitäten McSorleys: Er ist ein begnadeter Kommunikator und ein herausragender Verkäufer und hat die Gabe, sein Gegenüber rasch um den Finger zu wickeln. «Chris ist einfach charismatisch und weiss, mit den richtigen Leuten die richtigen Worte zu finden», sagt Ex-Verteidiger Goran Bezina. «Als ich in den USA war, wollten mich viele Schweizer Klubs verpflichten. Aber ich habe Chris’ Projekt für Genf gekauft.» Auch Alain Bonnet, Präsident des HC Sierre, rühmt diese Fähigkeit: «Chris hat diese geschäftliche Seite wie kaum jemand sonst. Er hat es geschafft, Investoren für die Valais Arena zu gewinnen. Seine Überzeugungskraft ist beeindruckend.» Und Louis Matte sagte einst, McSorley schaffe es wenn nötig, einem Eskimo einen Kühlschrank zu verkaufen.
Aufstieg? Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Der HC Sierre in der National League, im eigenen. Stadion, in der Valais Arena. Es ist eine Vision. Weil Chris McSorley involviert und im Lead ist, steigt die Chance, dass aus der Vision Realität wird. In dieser Saison ist der Aufstieg in die National League wie eingangs erwähnt trotz Rang 1 in der Regular Season nicht möglich. Doch auch hier gilt das Motto «aufgeschoben ist nicht aufgehoben», zumal der Klub mittlerweile weiss, welche infrastrukturellen Anpassungen notwendig sind, um als Übergangslösung bis zum Bezug des neuen Stadions Spiele der National League in der Grabenhalle austragen zu dürfen. «Ursprünglich hatten wir den Horizont 2029–2030 mit der Eröffnung der Valais Arena im Blick. Seit der Sitzung mit der National League wissen wir, dass ein früherer Aufstieg in die höchste Liga unter bestimmten Bedingungen möglich ist. Es ist sehr aufregend zu wissen, dass der Plan nicht mehr auf vier, sondern auf zwei Jahre ausgelegt ist. Und falls die Stadt Hilfe braucht, um das Gebäude vor der Eishalle abzureissen – ich habe 25 Spieler und Trainer, die bereit sind, einen Hammer in die Hand zu nehmen…», sagt Chris McSorley und unterstreicht damit, dass er auch im Mittelwalls als «Macher» aktiv ist.