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Analysen Eishockey

Der HCD auf einem Steigerungslauf – weshalb nicht bis zum Titel?

Andy

Der HC Davos ist mit 31 Meistertiteln der Schweizer Rekordchampion. Es sind aber doch schon zehn Jahre her, seit die Bündner letztmals die Trophäe in die Höhe stemmten. So lange dürfte das Warten auf den nächsten Titel nun aber nicht mehr andauern.

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Können HCD-Goalie Sandro Aeschlimann und seine Kollegen in dieser Saison den Meisterexpress der ZSC Lions aufhalten? © KEYSTONE/Jürgen Staiger

Der HCD ist gelebte Tradition. Eine Art Kulturgut des Schweizer Eishockeys. Dies einerseits durch seine lange Geschichte und den Spengler Cup, andererseits aber auch wegen seiner zahlreichen Erfolge. Doch das Palmarès blieb auf der nationalen Bühne seit langer (oder zu langer) Zeit unangetastet. Den letzten Meistertitel feierten die Bündner 2015, damals noch unter dem legendären Coach Arno Del Curto. Seither gab es lediglich noch einen Spengler Cup-Triumph, 2023 mit Trainer Josh Holden.

Holden ist nun auch ein Faktor, der für Hoffnung auf weitere Erfolge sorgt. Seit der Trennung von Kult- und Erfolgstrainer Arno Del Curto Ende November 2018 haben schon mehrere Coaches versucht, das schwere Erbe anzutreten, Harijs Witolinsch, Christian Wohlwend und Waltteri Immonen, doch mit Holden sind die Perspektiven gut. In seinem ersten Jahr führte er sein Team zum Spengler Cup-Sieg, in der zweiten Saison forderte er in der National League im Playoff-Halbfinal den späteren Meister ZSC Lions und schied mit 2:4 Siegen aus, nachdem es im Viertelfinal gegen seinen früheren Arbeitgeber EV Zug und seinen Lehrmeister Dan Tangnes einen Sweep (4:0) gegeben hatte.

Investitionen und langfristige Verträge

Es scheint, dass der HCD und Holden einen Steigerungslauf begonnen habe, der in näherer Zukunft mit dem 32. Titel gekrönt werden könnte. Und für diesen Höhenflug ist der Klub aus dem Kurort auch bereit, Investitionen zu tätigen. Angefangen auf der Position des Torhüters. Da wurden die Verträge von Sandro Aeschlimann (bis 2031) und Luca Hollenstein (bis 2028) vorzeitig verlängert. Gerade auch Aeschlimann war auf dem Markt begehrt (SCB!), und so ist es durchaus ein Zeichen, dass er gleich mehrere Jahre in der Höhenluft bleiben will. Er hat zwar noch nicht bewiesen, dass er ein Meister-Goalie ist, doch was noch nicht ist, kann ja noch werden. Mit diesem Schweizer Duo haben die Davoser jedenfalls einen starken Rückhalt.

Die Defensive ist generell bemerkenswert, und auch da sind beim HCD lange Verträge en vogue. Sven Jung spielt seit mehr als zehn Jahren in Davos und hat seinen Kontrakt bis 2031 verlängert; es ist eine Beziehung für eine sportliche Ewigkeit. Aus Lausanne wurde Lukas Frick geholt und mit einem Arbeitspapier bis 2030 ausgestattet. Da fehlt nur noch, dass Michael Fora, dreifacher Vizeweltmeister mit der Schweiz, seinen nach der Saison auslaufenden Vertrag ebenfalls langfristig verlängert und damit der Versuchung widersteht, für den sportlichen Karriereabend in den Tessin, zu Ambrì, heimzukehren.

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Matej Stransky, Filip Zadina und Simon Ryfors (von rechts) – drei Top-Imports des HCD.

Ausländer der Extraklasse

Auch auf den Import-Positionen sind die Bündner bestens besetzt: Verteidiger Klas Dahlbeck ist defensiv eine Bank und wird in seiner letzten Saison in der Schweiz, bevor er nach Schweden heimkehrt, nochmals für Stabilität sorgen. Sein Landsmann Simon Ryfors glänzt zwar nicht in jedem Spiel, ist aber äusserst solide. Der neu verpflichtete Rasmus Asplund ist ein Zwei-Weg-Center und gemäss Sportchef Jan Alston sehr spielintelligent, gleichzeitig bringt er Tempo mit. Der Tscheche Matej Stransky ist der Torminator schlechthin, hat in vier Saisons für den HCD bereits 97 Tore in der Regular Season und 9 in den Playoffs erzielt. Und auch sein Landsmann Filip Zadina ist eine Wucht und für jeden Gegner eine akute Gefahr. Sorgenfalten, wenn auch überschaubare, bereiten da eigentlich nur die Kanadier. Adam Tambellini verfügt zwar über enorme Skorerqualitäten, hat aber auch grosse Schwächen in der Defensivarbeit, und bei Brendan Lemieux warten eigentlich alle darauf, dass er zeigt, weshalb er einen Vertrag erhalten hat.

Auch ohne Ambühl und Wieser starke Schweizer

Bei dieser geballten Ladung Qualität ist es für den HCD zumindest auf dem Eis verschmerzbar, dass er durch Rücktritte Andres Ambühl, das Herz und die Lunge des Teams sowie die Schweizer Eishockey-Legende schlechthin, und Marc Wieser verloren hat. Zumal verschiedene Schweizer Stürmer mit grossen Fähigkeiten bereits im Team stehen. Angefangen bei Center Enzo Corvi, ohne dessen Verletzung die ZSC Lions im vergangenen Halbfinal wohl noch viel mehr Mühe gehabt hätten. Da ist aber auch Simon Knak, der ständig unter Strom steht und seine Fähigkeiten an der WM eindrücklich gezeigt hat. Oder Tino Kessler, der zuletzt grosses Verletzungspech hatte, aber ein Schlüsselspieler ist. Weitere Cracks wie Yannick Frehner oder Chris Egli sorgen gemeinsam mit jungen Stürmern für ein breites Kader, das sich durch Intensität und Tempo auszeichnen kann.

Prognose

Es wächst und gedeiht etwas im Bünderland! Der HCD ist in der Lage, Meister ZSC Lions, Vizemeister Lausanne sowie die Giganten EV Zug und SC Bern nicht nur zu ärgern, sondern ernsthaft zu fordern. Josh Holden und sein Team sind bereit, die Regular Season erstmals seit 2020, als die Saison aufgrund von Corona abgebrochen wurde, wieder in den Top 3 zu beenden. Und in den Playoffs ist dann für den HC Davos alles möglich – wenn das Momentum stimmt sogar der Gewinn des Meistertitels. Nummer 32 scheint wirklich nur eine Frage der Zeit zu sein. Dies vor allem auch, wenn man bedenkt, für welchen zeitlichen Horizont aktuell Leistungsträger verpflichtet werden.

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