Der SC Freiburg als Karriere-Turbo
Heute Nachmittag empfängt der SC Freiburg den FC Bayern München und will dem Rekordmeister ein Bein stellen. Mittendrin dabei sind mit Bruno Ogbus und Johan Manzambi zwei junge Schweizer, die bei den Breisgauern reifen und durchstarten.
Die Qualitäten von Johan Manzambi sind hinlänglich bekannt. Der 20-Jährige wechselte im Winter 2023 von Servette, wo er in der U18 spielte, in den Nachwuchs des SC Freiburg und entwickelte sich rasant. Er gab am 21. September 2024 unter Julian Schuster sein Debüt in der Bundesliga, war beim 3:0-Sieg in Heidenheim 18 Jahre, 11 Monate und 7 Tage jung. Danach folgte ein steiler Aufstieg. Heute ist Manzambi bei Freiburg Leistungsträger, zudem Schweizer Nationalspieler und auch im internationalen Business begehrt. Sein Marktwert wird auf 35 Millionen Euro geschätzt (Tendenz steigend), und diverse grosse Klubs sollen ihn interessiert verfolgen – gehandelt werden etwa Bayern München, Arsenal, Paris Saint-Germain, Chelsea, Napoli, Manchester United oder auch Bayer Leverkusen.
Bereits im Januar 2022 verliess Innenverteidiger Bruno Ogbus den Grasshopper Club Zürich und ging in die U17 des SC Freiburg. In der Folge nahm er Schritt für Schritt und kam gar einen Monat vor seinem Teamkollegen Manzambi unter Julian Schuster zum Bundesliga-Debüt: Er durfte am 24. August 2024 beim 3:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart rund zehn Minuten spielen, war damals 18 Jahre, 8 Monate und 7 Tage jung. In der Folge musste er aber erfahren, dass Glück und Pech manchmal eng beieinander. Der robuste, dynamische Verteidiger zog sich im Dezember 2024 einen Achillessehnenriss zu und fiel monatelang aus. Der heute 20-Jährige meisterte aber die Herausforderung, gab Mitte Januar 2026 gegen Leipzig sein Bundesliga-Comeback und hat sich seither im Team festgebissen. Die guten Leistungen widerspiegeln sich auch in seinem Marktwert, der bereits mit zehn Millionen Euro beziffert wird. Und auch hier gilt: Tendenz stark steigend.
Manzambi und Ogbus sind zwei weitere Schweizer, die sich bei Freiburg versuchen. Der Klub, dessen Stadion gerade mal 72 Autokilometer vom Basler St. Jakob-Park entfernt liegt, hatte irgendwie schon immer einen speziellen Bezug zu unserem Land und kann auch auf viele Schweizer Fans zählen – und Spieler.
Lehmann, Sutter, Mehmedi, Bürki…
Nationalgoalie Stephan Lehmann wechselte 1986 von Winterthur nach Freiburg, blieb aber nur eine Saison und hatte in der 2. Bundesliga auch nur einen Einsatz. Neun Jahre später entschied sich auch Alain Sutter zum Wechsel nach Freiburg, nachdem er beim FC Bayern München nicht glücklich geworden war. Sutter erzielte in zwei Saisons für die Freiburger in 48 Spielen fünf Tore und zog dann in die USA weiter. Ebenfalls mehr oder weniger lang standen beim SC Freiburg Oumar Kondé, Bruno Berner und Beg Ferati unter Vertrag, ehe 2013 die beiden Schweizer Nationalspieler Admir Mehmedi und Gelson Fernandes folgten. Mehmedi hinterliess bleibende Spuren, erzielte in 72 Spielen 20 Tore und zog dann weiter nach Leverkusen, Gelson Fernandes blieb nur eine Saison und schloss sich dann Rennes an.
Roman Bürki wechselte im Sommer 2014 von den Grasshoppers nach Freiburg – und wurde nach einem Jahr mit dem Wechsel zu Borussia Dortmund belohnt, wo er die erfolgreichste Zeit seiner Karriere verbrachte, ehe er in die USA weiterzog. Die nächsten in der Liste der Schweizer Spieler beim SC Freiburg waren dann Vincent Sierro und Nishan Burkart. Sierro, aktuell immer noch Schweizer Nationalspieler und in Saudi-Arabien engagiert, wechselte 2017 von Sion zu den Breisgauern. Er hatte aber in seinem ersten Jahr zuerst Verletzungspech und kam danach nicht auf Touren, so dass er in der Saison darauf an St. Gallen ausgeliehen wurde und danach der Transfer zu den Young Boys folgte. Und Stürmer Nishan Burkart wechselte 2016 von den FCZ-Junioren in den Nachwuchs von Manchester United und ging nach drei Jahren zu Freiburg. In drei Jahren im Breisgau kam er vornehmlich in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga zum Einsatz und durfte einmal 14 Minuten Bundesligaluft schnuppern – am 3 April 2021 bei der 1:2-Auswärtsniederlage gegen Borussia Mönchengladbach, als er von Trainer Christian Streich eingewechselt wurde. Seit August 2022 stürmt der 26-Jährige nun für den FC Winterthur, hatte aber immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, so dass er sein zweifellos vorhandenes Potenzial nie richtig abrufen konnte.
Überzeugender Karriereweg
Über grosses Potenzial verfügen definitiv auch Johan Manzambi und Bruno Ogbus. Für Johan Manzambi war für den Wechsel nach Deutschland der ihm von den Freiburgern skizzierte Weg überzeugend, wie er kürzlich erklärte: «Sie haben mir gesagt, dass ich erst sechs Monate in der U19 spielen und danach in die U23 wechseln kann, welche in der dritten Liga spielte. So konnte ich Profi-Erfahrung sammeln, die ich bis dahin noch nicht hatte. Das war sehr gut. Ja, gar perfekt. Meine Familie sah das auch so.» Und Bruno Ogbus sagt: «Ich habe es spannend gefunden, weil viele Jugendspieler hier Profis werden. Das sprach schon für sich. Dann dachte ich, das könnte der richtige Schritt sein, weil hier die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass man es schafft.»
Die Wahl hat sich rückblickend als richtig und Freiburg als Karriere-Turbo erwiesen. Während Manzambi auch in der Nati-Offensive ein Hoffnungsträger ist und sein WM-Ticket bereits gelöst hat, befindet sich auch Bruno Ogbus als U21-Internationaler längst unter Beobachtung von Nationaltrainer Murat Yakin und darf sich zumindest kleine Chancen auf ein WM-Aufgebot machen. Gute Leistungen heute gegen die auch ohne Harry Kane überragende Bayern-Offensive und danach in der Europa League, im DFB-Pokal, wo im Halbfinal der VfB Stuttgart wartet und der Meisterschaft sind aber zwingend.