Die Jagd auf Odermatt – auch durch Meillard
Am Samstag der Riesenslalom, am Sonntag der Slalom: An diesem Wochenende gastiert der Ski-Weltcupzirkus in Adelboden, wo Marco Odermatt auf Rekordjagd geht und von den Österreichern und seinem Landsmann Loïc Meillard gejagt wird.
Der Wintereinbruch sorgt im Berner Oberland für viel Zusatzarbeit und auch ein paar Sorgenfalten, doch die Vorfreude auf die Rennen ist gross: Bei den Fans, aber auch bei den Skirennfahrern. Der Klassiker am Chuenisbärgli hat es in sich und war in der Vergangenheit ein Fall für Marco Odermatt. Der Superstar entschied die letzten vier Riesenslaloms in Adelboden für sich und hat nun die grosse Chance, seinem imposanten Palmarès, in dem bereits Olympia- und WM-Gold, vier grosse Kristallkugeln für den Gewinn des Gesamtweltcups und acht kleine für die Disziplinentriumphe sowie 50 Weltcupsiege stehen, einen weiteren Eintrag hinzuzufügen. Der fünfte Adelboden-Sieg in Folge wäre auch ein historischer Erfolg. Mit vier Siegen in Serie ist «Odi» gemeinsam mit der schwedischen Legende Ingemar Stenmark, der zwischen 1979 und 1982 immer zuoberst auf dem Podest stand, Rekordhalter und könnte nun mit dem fünften Streich alleine die Spitze übernehmen.
Es wäre eine weitere Marke für den 28-jährigen Nidwaldner, der sich damit aber nicht damit beschäftigt, wie er in diesen Tagen erklärte: «Das ist ein Rekord, eine Zahl, die mir nicht so viel bedeutet. Hier in Adelboden muss man per se keine Motivation holen. Das Rennen zu gewinnen, ist Ziel genug – Rekord hin oder her.» Seine Siegesserie sieht Odermatt auch im schwierigen Rennen auf einem anspruchsvollen Berg begründet: «Das ist sicher einer der schwierigsten Riesenslaloms, die wir haben. Und wenn es schwierig ist, kann ich am meisten von meinen Qualitäten umsetzen.»
So weit, so gut. Odermatt ist nun schon während Jahren das Mass aller Dinge. 186 Weltcuprennen hat er seit seiner Premiere am 19. März 2016 bestritten, 50 Mal liess er sich als Sieger feiern, 28 Mal davon im Riesenslalom, seiner Paradedisziplin. In diesem Winter gewann er in Sölden und Beaver Creek, musste aber in Copper Mountain dem Österreicher Stefan Brennsteiner, in Val d’Isère seinem Landsmann Loïc Meillard und zuletzt in Alta Badia mit Marco Schwarz einem weiteren Österreicher den Vortritt lassen. Die Folge: in der Riesenslalom-Wertung belegt Odi mit einem Rückstand von fünf Punkten auf Brennsteiner aktuell «nur» Rang 2 und geht am Chuenisbärgli im Gegensatz zu den letzten Jahren nicht mit der roten Startnummer ins Rennen.
«Ich bin trotzdem der Gejagte, da spielt die Farbe der Nummer keine Rolle», erklärt Odermatt, bei dem es in den kommenden Wochen auch darum geht, möglichst haushälterisch mit seinen Kräften umzugehen. Sein Programm wird intensiv: Nach Adelboden stehen die Rennen in Wengen, Kitzbühel, Schladming und Crans-Montana auf dem Programm, ehe die Olympischen Spiele als Saisonhöhepunkt folgen. Im Wissen, dass nachher Olympia ansteht, sei es schon ein wenig die Devise, so wenig Energie wie möglich zu verlieren, so Odermatt, der natürlich wie alle Spitzensportler gleichzeitig davon angetrieben ist, immer so schnell wie möglich zu fahren und so weit oben wie möglich zu landen.
Das wird nun auch in Adelboden von ihm erwartet. Für die Schweizer Fans ist wohl nur ein Sieg gut genug, von ihm wird gerade an den Rennen im eigenen Land immer besonders viel verlangt – was ihn zusätzlich antreibt, wie er in diesen Tagen sagte: «In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass umso mehr Druck ich habe, desto besser bei mir das Skifahren funktioniert.»
In Adelboden will ihm die Konkurrenz einmal mehr das Leben schwer machen. Allen voran die Österreicher Brennsteiner und Schwarz, aber auch Loïc Meillard, der es in Adelboden bereits 2025 als Zweiter und 2023 und 2021 als Dritter aufs Podest geschafft hat. Vor fünf Jahren hatte er den Sieg vor Augen, führte nach dem ersten Lauf – und fiel im entscheidenden Durchgang noch hinter Sieger Alexis Pinturault und Filip Zubcic zurück; es war der bis heute letzte Adelboden-Riesen, bei dem der Sieger nicht Odermatt hiess. Während Pinturault und Zubcic 2026 nur Aussenseiter sind, gehört Meillard zu den Sieganwärtern. Er sagt: «Diese Piste liegt mir, sowohl im Riesenslalom als auch im Slalom. Im Slalom hat es noch nicht für das Podium gereicht, aber das Skifahren war oft gut, also muss ich in dieser Richtung weitermachen.» Odermatt ist in Meillards Augen nicht unschlagbar: «Letztes Jahr lag ich nicht weit hinter ihm, das ist der Beweis, dass man auch sehr schnell Ski fahren kann. Man muss nur zwei gute Läufe hinlegen.» Er fühle sich gut auf den Skis und sei ausgeglichen, «ich weiss, was ich tun muss, um schnell zu sein». Das tönt doch schon mal vielversprechend.