Die Teams haben gesprochen: Das NL-Power-Ranking zum Start in die Playoffs
52 Runden lang hatten sie Zeit. Zeit, um ihr Form zu finden, um ein erfolgreiches System einzuspielen und natürlich auch, um uns zu überzeugen. Damit ist jetzt Schluss. Denn ab sofort gibt es nur noch ein Ziel: Siege, und zwar bis zum Erreichen des Meistertitels oder mindestens bis zum Erreichen der Playoffs. Wer es packt? Unser Power Ranking vor dem Start in die schönsten Eishockey-Wochen des Jahres.
Power #1: HC Davos (Rang 1, 117 Punkte)
Es gibt genau ein Argument, dass gegen den Meistertitel des erfolgreichsten, treffsichersten und sattelfestesten Teams der Regular Season spricht: Nämlich das, dass die Davoser Quali fast schon zu gut war, um jetzt in den Playoffs noch getoppt werden zu können. Schliesslich haben das beste Powerplay der Liga, der beste Torschütze der Liga (Matej Stransky) und der zweitbeste Torhüter der Liga (Sandro Aeschlimann mit einer Fangquote von 92,52%) die Erwartungen in die Höhe geschraubt. Entsprechend hoch liegt die Latte, die vom HCD oder von einem der Konkurrenten übersprungen werden muss.
Power #2: ZSC Lions (Rang 4, 91 Punkte)
Die Regular Season? Für einen zweifachen Titelverteidiger nur punktuell ein Massstab. Viel wichtiger ist, dass die Löwen ganz genau wissen, wie sie ihre Stärken einzusetzen haben. Und diese liegen in dieser Spielzeit eindeutig in der Defensive, wo die Zürcher mit Simon Hrubec (beste Fangquote mit 92,69%), dem drittbesten PK und mit nur 115 Gegentoren (Nr. 1 der Liga) über den besten Abwehrverbund der Liga verfügen. Ein Problem könnte sein, dass die offensive Last in der Regular Season überproportional auf den Schultern von Sven Andrighetto und Denis Malgin (je 41 Skorerpunkte) verteilt werden musste. Erreichen die Beiden auch in den Playoffs ihr gewohntes Niveau, ist mit den Lions in diesem Jahr trotzdem zu rechnen.
Power #3: Fribourg Gottéron (Rang 2, 100 Punkte)
Ein hervorragender Keeper (Reto Berra mit einer Fangquote von 92%) und das beste PK. Die zweitbeste Offensive (172 Tore), das drittbeste Powerplay (23,7%) und die viertbeste Defensive. Keine Frage, in Fribourg ist man bereit für die kommenden Wochen und Aufgaben. Jetzt sollen die unter Trainer Roger Rönnberg gemachten Fortschritte in den Playoffs bestätigt und idealerweise mit dem ersten Meistertitel der Klubgeschichte gekrönt werden. Möglich ist das allemal, sofern Schlüsselspieler Marcus Sörensen rechtzeitig wieder fit wird. Der 33-jährige Schwede war auch in dieser Spielzeit Gottérons zuverlässigster Scorer, fiel zuletzt aber seit Anfang Jahr verletzt aus. Kommt er rechtzeitig wieder zu Gesundheit und Form?
Power #4: Servette HC (Rang 3, 91 Punkte)
Zwei wichtige Voraussetzungen sprechen für eine erfolgreiche Playoff-Phase des Meisters von 2023. Zum einen verfügen die Genfer in der Person von Stéphane Charlin über einen aufstrebenden Keeper, der sich in den nächsten Wochen als der kommende Torhüter dieser Liga beweisen kann. Zum anderen wirbeln im Sturm mit Liga-Topskorer Markus Granlund (54 Punkte), Jesse Puljujärvi (Nr. 3 mit 52 Punkten) und Sakari Manninen (Nr .6 mit 45 Punkten) die drei vielleicht gefährlichsten Angreifer der National League. Das sind genügend Argumente, um die Servettiens grundsätzlich in jedem Spiel zu halten, und vielleicht auch für mehr? Dagegen spricht die Inkonstanz der Genfer, die auch Neo-Trainer Ville Peltonen nicht zu 100 Prozent in den Griff bekommen hat und die die Genfer unmittelbar vor und nach der Olympiapause vier Spiele in Folge verlieren liess.
Power #5: HC Lugano (Rang 5, 89 Punkte)
Eigentlich könnte man im Tessin mit dem Verlauf der Regular Season zufrieden sein. Nach schwachem Saisonstart steigerte sich die Truppe von Schweiz-Rookie Tomas Lindell massiv und erreichte nach vier Spielzeiten endlich wieder einmal ungefährdet die Playoffs. Dumm nur, dass sich die Bianconeri genau den jetzigen Zeitpunkt ausgesucht haben, um die zweitschwächste Saisonphase einzuziehen. Nur vier Sieg resultierten aus den letzten zehn Partien, was Lugano schlussendlich das Heimrecht in den Playoffs kostete. Immerhin: Mit Luca Fazzini, dem besten Schweizer Skorer der Regular Season (47 Punkte), und mit dem starken Torhüter Duo Schlegel / van Pottelberghe, verfügt der HCL über starke Individualisten. Können diese gemeinsam mit Zach Sanford (siebtbester Skorer der Liga) und Calvin Thürkauf (34 Skorerpunkte) ihre Form auch in den Playoffs ausspielen, könnte für den südlichsten NL-Klub etwas drinliegen.
Power #6: Lausanne HC (Rang 6, 85 Punkte)
Die statistischen Zahlen dieser Saison? Sehr solide (viertbester Sturm, sechstbeste Verteidigung, zweitbestes Powerplay). Die Imports und Playmaker? In guter Verfassung und im Falle von Austin Czarnik (46 Punkte), Théo Rochette (43 Punkte), Erik Brännström (43 Punkte) und Ahti Oksanen (41 Punkte) auch durchaus produktiv. Und trotzdem steigt der LHC in dieser Spielzeit ziemlich kalt in die wichtigste Saisonphase. Mit sechs Niederlagen aus den letzten zehn Partien im Gepäck und mit zwei Torhütern (Kevin Hughes und Kevin Pasche), von denen keiner schlecht, aber halt auch keiner richtig gut spielt. Entsprechend müssen die Lausannois in den kommenden Spielen erst beweisen, dass sie auch in diesem Jahr das Zeug dazu haben, um bis zum Schluss um den Meistertitel mitzuspielen. Immerhin dürfte es im Viertelfinal-Derby mit Servette gleich von Beginn an richtig kribbeln.
Power #7: EV Zug (Rang 8, 75 Punkte)
Keine Frage: Der Eissportverein Zug blickt auf eine bislang enttäuschende Saison zurück. Als einer der finanziellen Giganten dieser Liga, mussten die Innerschweizer bis fast zum Schluss gegen das vorzeitige Saisonende ankämpfen, krochen mit nur vier Siegen in den letzten zehn Spielen quasi in die Play-Ins. Dort sprechen eigentlich nur zwei Punkte für den Meister der Jahre 2021 und 2022. Die Reputation des Klubs und des noch immer mit klingenden Namen bestückten Spielerkaders sowie Torhüter Leonardo Genoni. Ihm ist durchaus zuzutrauen, sich noch einmal für die Playoff-Qualifikation zu entscheiden.
Power #8: SCRJ Lakers (Rang 7, 81 Punkte)
Mit Rang 7 sind die Rapperswil-Jona Lakers die positive Überraschung dieser Qualifikation. Dabei besonders verwunderlich: In den ersten 16 Partien dieser Spielzeit sowie in den sieben Spielen zum Abschluss der Regular Season holten die St. Galler nicht weniger als 55 ihrer 81 Punkte und steigen somit als einziges Team ausserhalb der Top 3 mit berechtigtem Momentum in die Play-Ins. Trotzdem laufen die Lakers dort Gefahr, auf dem Weg in die Playoffs noch hängen zu bleiben. Denn mit Tyler Moy, Malte Strömwall und Jacob Larsson verfügt der SCRJ zwar über drei überdurchschnittliche Skorer, eine eigentliche, verlässliche Stärke ist im Team von Trainer Johan Lundskog aber nicht auszumachen. Läuft es nicht, ist Rappi speziell defensiv anfällig und verfügt auch nicht über die Gabe, einen knappen Vorsprung einfach mal so nach Hause zu spielen.
Power #9: EHC Biel (Rang 10, 67 Punkte)
Am Schluss hat es doch noch gereicht. Quasi auf den letzten Drücker qualifizierte sich der EHC Biel am letzten Samstag im Direktduell mit Langnau doch noch für die Play-Ins. Das dürfte die seit dem Trainerwechsel zu Christian Dubè ohnehin positive Stimmung im Seeland weiter beflügeln, auch wenn die sportliche Zwischenbilanz des gebürtigen Kanadiers in der Realität nicht ganz so positiv ausfällt (drei Siege in den letzten acht Spielen). Und das hat vor allem mit der sehr anfälligen Defensive des EHCB zu tun (Nr. 12 mit 165 Gegentoren), die in diesem Jahr auch nicht mehr von Keeper Harri Säteri (mit einer Fangquote von 89,65% die Nr. 16 der Liga) gerettet wird. Dank der durchaus potenten Offensive um Fabio Hofer, Lias Andersson, Toni Rajala und Marcu Sylvegard (alle mit über 30 Skorerpunkten) können sich die Bieler aber dennoch Hoffnungen auf den Einzug in die Playoffs machen, zumal die Konkurrenz wie geschildert ebenfalls nicht über alle Zweifel erhaben ist.
Power #10: SC Bern (Rang 9, 68 Punkte)
Immerhin noch ein Heimspiel. Das ist alles, was dem SC Bern in dieser Spielzeit möglicherweise noch bleibt, nachdem man den erhofften Leistungsschritt nach vorne auch in der Schlussphase der Regular Season nicht bestätigen konnte. Ein ganzer Sieg resultierte da aus den letzten sechs Partien, die um ein Haar im vorzeitigen Saisonende geendet hätten. Der Grund: Eine für einen Klub wie den SCB unfassbar schwache Offensive (Nr. 12 mit 118 Toren), mit schwächelnden Imports (bester Skorer ist «in season» Neuzugang Mike Sgarbossa mit 31 Skorerpunkten) und einem noch schwächeren Powerplay (Nr. 13 der Liga). Immerhin defensiv steht man von den noch um ein Playoff-Ticket kämpfenden Teams am Besten da. Ob das für die notwendigen Siege in den beiden Play-In-Serien bereits genügen kann?