Ein Déjà-vu und eine weitere Herausforderung
Fabian Rieder erlebte in seiner Karriere schon einige Höhepunkte, doch er musste auch Herausforderungen meistern. Das ist nun auch beim FC Augsburg wieder so, mit dem er am Samstag in der Allianz Arena auf den FC Bayern München trifft.
Im Oktober 2020 debütierte der Solothurner bei den Young Boys in der Super League. 18 Jahre, acht Monate und einen Tag war er jung. Der offensive Mittelfeldspieler entwickelte sich schnell und gut, wurde Meister und Cupsieger mit den Young Boys, Nationalspieler, WM- und EM-Teilnehmer, ist heute ein fester Bestandteil im Kader der Schweizer Nati, steht bei 25 Länderspielen und hat auch schon in der Champions League getroffen. Und dies alles, obwohl er erst 23 Jahre jung ist.
Rennes, Stuttgart…
So weit, so gut, doch der Weg nach oben ist und bleibt für Rieder steinig. Und dies vor allem auf Klubebene. Im Sommer 2023 wechselte Rieder von den Young Boys zu Rennes, 15 Millionen Euro betrug die Transfersumme, er unterschrieb bis 2027. Doch die Beziehung war nicht erfolgreich. Nach einem schwierigen ersten Jahr mit wenig Spielminuten und einem Mittelfussbruch zog er in einem Leihgeschäft weiter zum VfB Stuttgart. Dort liess es sich gut an, doch in der zweiten Saisonhälfte kam Rieder immer weniger zum Einsatz, Stuttgart verzichtete auf eine fixe Übernahme und er musste zurück nach Frankreich.
Bei Rennes wurde er in drei Spielen in der Ligue 1 eingesetzt, dann erfolgte der Wechsel zum FC Augsburg. Er war der Wunschtransfer von Trainer Sandro Wagner, der in Rieder einen technisch starken Spieler sah, mit Dribblingqualitäten, dem Riecher für gefährliche Situationen und dem Mut, diese auch konsequent zu nutzen. Sieben Millionen Euro überwies der Bundesligist nach Frankreich, Rieder, der bis 2030 unterschrieb, wurde damit zu einem der teuersten Zuzüge der Klugbeschichte.
Und die Zusammenarbeit liess sich auch gut an. Bereits in seinem ersten Spiel, gegen St. Pauli, erzielte er ein Tor. In den ersten fünf Spielen in der Bundesliga realisierte er zwei Tore und zwei Assist. Doch danach war irgendwie der Wurm drin. Es kam nur noch ein Assist dazu, am vergangenen Wochenende beim 2:2 gegen Freiburg. Das ganze Team schlitterte in die Krise. Aktuell steht der FCA nur auf Rang 15, hat lediglich vier Punkte Reserve auf den letzten Platz und bekommt es am Samstag auswärts mit Leader Bayern zu tun.
Befürworter weg – wie in Rennes
Trainer Wagner, der grosse Befürworter von Rieder, wurde Anfang Dezember entlassen. Und damit wiederholte sich die Geschichte. Wagner war im Sommer ein wesentlicher Grund für Rieder gewesen, sich für Augsburg zu entscheiden. Bei Rennes hatte sich einst Bruno Génésio für den Solothurner stark gemacht – und war später gefeuert worden. Es war rückblickend auch der Anfang vom Ende Rieders bei Rennes. Bei den Augsburgern hat für Wagner Manuel Baum übernommen, der bis Ende Saison als Cheftrainer tätig sein wird. In sechs Bundesligaspielen war er nun schon in der Verantwortung, fünfmal liess er Rieder von Anfang an spielen und nahm ihn irgendwann vom Feld. Einmal begann der Schweizer auf der Bank und wurde erst in der Schlussphase eingewechselt.
Droht sich nun die Geschichte zu wiederholen? So weit ist es noch längst nicht. Mit drei Toren und drei Assists ist Rieder nach wie vor der Topskorer der Augsburger. Er ist der Mann, der mit seinem feinen linken Fuss den Unterschied machen kann. In der Offensive so wertvoll ist. Aber auch giftig und gallig die Gegner nervt. Seine Rolle ist in Deutschland so wichtiger als damals in Frankreich. Sein Status grösser. «Der FCA ist ein Top-Verein mit einer starken Mannschaft. Dazu arbeiten hier super Leute und ein super Trainerteam. Ich glaube, das passt genau zu meiner Persönlichkeit», hatte er bei seiner Verpflichtung gesagt. Mittlerweile ist viel anders, krebst er mit seinem Team in der hinteren Tabellenregion herum. Die Abstiegsplätze sind nicht weit entfernt. Und nun kommt das Spiel gegen die Bayern. Es ist das zweite Duell mit dem Rekordmeister für Rieder. Die Premiere feierte er in der Saison 2024/25, als er mit dem VfB Stuttgart in der Allianz Arena 0:4 verlor. Allzu viel sollte man von Augsburg und Rieder am Samstag nicht erwarten. Denn im Endeffekt geht es für den Klub und den Spieler in erster Linie darum, zurück in die Spur zu finden, die aufwärts führt.