Sky Sport zeigt, in welchen Bereichen sich beim BVB etwas verändern könnte:
Die Sorgenfalten auf dem Gesicht von Sebastian Kehl nach dem Spiel in Bergamo waren deutlich zu sehen. Gerade war der BVB aus der Champions League ausgeschieden und er bekam die Frage gestellt, welche Auswirkungen das Aus und die fehlenden mindestens elf Millionen Euro hätten.
"Wir hatten das Weiterkommen und diese Einnahmen für das Achtelfinale eingeplant", räumte Kehl ein. "Wir werden das intern aufarbeiten und sehen, wie wir damit umgehen können." Der BVB gab parallel eine Gewinnwarnung raus: Die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr wurde deutlich nach unten korrigiert: zwölf Millionen bis 22 Millionen Euro würden am Ende des Geschäftsjahres fehlen.
Kehls Chef Lars Ricken beeilte sich noch vor dem Bayern-Spiel exklusiv bei Sky Sport, die Aussagen seines Sportdirektors einzuordnen. Das fehlende Geld habe keinerlei Einfluss auf den Transfersommer bei Borussia Dortmund. Ein Zeichen an mögliche Interessenten: Wir müssen keinen Star verkaufen, wenn wir nicht wollen. Die Preise für Felix Nmecha und Co. sollen schliesslich nicht durch mögliche Zwangsverkäufe gedrückt werden.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen dem besorgten Kehl und dem um Entspannung bemühten Ricken. Klar ist aber: der Transfersommer in Dortmund könnte es in sich haben - und gleichzeitig Chancen bieten. Denn wenn nicht so viel Geld zur Verfügung steht, könnte Borussia Dortmund gezwungen sein, auf interne Alternativen zu bauen.
Ein Sommer mit Neuanfangspotenzial. Sky Sport zeigt, in welchen Bereichen sich etwas verändern könnte:
Innenverteidigung:
Niklas Süle ist ein sicherer Abgang in diesem Sommer. Wie es mit Emre Can weitergeht, steht noch nicht fest. Die Tendenz geht aber dahin, dass der BVB den Vertrag zu geringeren Bezügen verlängert. Wann Can nach seinem Kreuzbandriss aber wieder spielen kann? Unklar. Die Zukunft von Nico Schlotterbeck ist immer noch nicht geklärt. Im Zweifelsfall müsste der BVB drei Innenverteidiger ersetzen.
Mindestens ein, besser noch zwei gestandene Innenverteidiger müsste Borussia Dortmund dann verpflichten, denn schon die aktuelle Quantität ist eher auf Kante genäht.
Die Chancen:
Filippo Mane (20) und Luca Reggiani (18) - beide durften schon in die erste Elf schnuppern. Gerade Mane wird viel zugetraut, sollte er es schaffen, fit zu bleiben und regelmässig seine Einsätze zu bekommen. Aber auch Reggiani hat sein Potenzial bei seinen Einsätzen bei den Profis angedeutet. Ob es für ganz oben dauerhaft reicht, muss das Talent beweisen.
Mittelfeld:
Ein echter Sechser würde dem BVB guttun - wäre aber auch eine hohe Investition, wenn einer auf internationalem Niveau kommen soll. Die Zukunft von Marcel Sabitzer ist offen, sein Vertrag läuft 2027 aus. Salih Özcan wird den Verein verlassen. Das grosse Fragezeichen ist aber Nmecha (25). Der Nationalspieler ist einer der konstantesten BVB-Spieler der Saison, zeigt immer wieder seine Klasse und weckt dadurch Begehrlichkeiten. ManCity hat ein Auge auf seinen Ex-Spieler geworfen und ein Portemonnaie, das gross genug wäre, ihn zu verpflichten. Geld, das der knappen BVB-Kasse gut tun würde.
Die Chancen:
Mussa Kaba gilt intern als grosses Talent, wenn auch noch mit viel Verbesserungspotenzial, was bei einem Alter von 17 auch kein Wunder ist. Dennoch könnten sich seine Einsatzchancen ab dem Sommer erhöhen, wenn der BVB nicht alle potenziellen Abgänge durch Neuzugänge ersetzen kann. Aus Südamerika kommt Justin Lerma nach Dortmund. Der 17-Jährige ist die grosse Mittelfeldhoffnung Ecuadors und soll auch in Dortmund potenziell eine wichtige Rolle einnehmen. Er könnte auch in eine offensive Achter-Rolle reinwachsen, sollte sich Nmecha über kurz oder lang für einen Abschied entscheiden.
Offensive:
Was dem BVB fehlt, ist ein echter Unterschiedsspieler in der Offensive. Serhou Guirassy braucht gute Vorlagen, ist selbst aber kein Stürmer, der sich Chancen kreiert. Karim Adeyemi könnte den Unterschied ausmachen, aber seine Form und Stimmung sind zu schwankend.
Besonders aus England wird immer wieder der Name Jadon Sancho nach Dortmund gespült. Fakt ist, der Ex-BVB-Star wäre im Sommer ablösefrei, weil sein Vertrag ausläuft. Mehr Anhaltspunkte auf einen Transfer gibt es aber nicht. Die Verpflichtung eines Spielers mit dem Status Unterschiedsspieler bedingt auch immer ein verhältnismässig hohes Invest. Ein Problem bei den vielen anderen Aufgaben im Kader und fehlenden Millionen.
Die Chancen:
Hier hat der BVB ganz klar zwei Asse im Ärmel: Samuele Inacio (17) und Mathis Albert (16). Inacio gilt als Supertalent - und wurde zum Auslöser der Verstimmungen zwischen dem BVB und Bergamo, weil die Dortmunder den Italienern den Youngster 2024 weggeschnappt hatten. Als der BVB gegen die Bayern zurücklag, kam er in der 75. Minute zu seinem Bundesligadebüt. "Er ist die Zukunft von Borussia Dortmund, wenn er fit bleibt," lobte ihn schon Niko Kovac auf der Pressekonferenz vor dem Hinspiel gegen Bergamo. Dass er das auch ernst meinte, unterstrich der Coach dann mit der Einwechslung.
Albert trainiert regelmässig mit den Profis und fiel dort nach Sky Sport Infos auch Kovac schon sehr positiv auf. Im Dezember feierte der US-Amerikaner sein Debüt in der zweiten Mannschaft des BVB.
Der Linksaussen gilt europaweit als eines der grössten Talente - sein Durchbruch scheint nur eine Frage der Zeit. Beide Spieler haben das Potenzial, in der kommenden Saison bei den Profis Akzente zu setzen.
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