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Eine Karriere zwischen Sieg und Spital

Andy

Es sollten die Olympischen Spiele von Lindsey Vonn werden. Im Dezember 2024 ist sie auf die Weltcupbühne zurückgekehrt, um sich einen Traum zu verwirklichen und an Olympia 2026 Gold in der Abfahrt zu gewinnen. Statt des Sieges und der Krönung folgte der Sturz – und nun liegt sie im Spital.

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Nachdem Lindsey Vonn am Tor angehängt hat, verdreht es sie – der heftige Sturz ist dann die Folge. © IMAGO / Bildbyran

Der Sport und Olympia schreiben unzählige Geschichten. Oftmals mit einem Happy End in Form einer Medaille, im Idealfall der goldenen. Das war auch das Drehbuch für den Traum von Lindsey Vonn, als sie nach einer fast sechsjährigen Pause am 21. Dezember 2024 in St. Moritz von ihrem «Rentnerdasein» in den Weltcupzirkus zurückkehrte – mit einer Teilprothese im Knie und im für eine Spitzensportlerin stolzen Alter von 40 Jahren. Die Meinungen waren geteilt. Von Begeisterung über eine sportliche Challenge bis zu Kopfschütteln wegen des wohl pathologischen Ehrgeizes wurde die ganze Bandbreite ausgeschöpft. Schon da war klar: Lindsey Vonn lässt kaum jemanden kalt. Sie polarisiert.

414 Weltcuprennen – 84 Siege

Es sind subjektive Ansichten. Unbestritten ist aber, dass Vonn zu den besten Skirennfahrerinnen aller Zeiten gehört, einzig von ihrer Landsfrau Mikaela Shiffrin übertroffen wird. 414 Weltcuprennen hat Vonn bestritten, 84 davon gewonnen. In dieser Saison triumphierte sie bei den Abfahrten in St. Moritz und Zauchensee. 145 Mal stand sie im Weltcup auf dem Podest, in diesem Winter kamen zu den erwähnten Siegen auch zwei Zweite und drei dritte Plätze in den Speed-Disziplinen, so dass der Traum von der Erweiterung ihrer Medaillensammlung an Grossanlässen alles andere als utopisch war. Und dieses Palmarès ist beeindruckend. Da stehen: eine Gold- und zwei Bronzemedaillen an Olympischen Spielen sowie zwei Gold-, drei Silber- und drei Bronzemedaillen an Weltmeisterschaften.

Dabei wird es wohl bleiben. Statt heute in der Team-Kombination und dann auch am Donnerstag im Super-G um weiteres Edelmetall zu kämpfen, liegt die 41-Jährige im Spital. Einmal mehr war sie dem Motto treu geblieben, das sie während ihrer Karriere begleitete: Sieg oder Sturz respektive Spital. Die Goldmedaille in der Königsdisziplin ging an ihre Landsfrau Breezy Johnson, Mitfavoritin Vonn scheiterte am Sonntag nach wenigen Sekunden, stürzte heftig, musste mit dem Helikopter ins Spital geflogen werden. Sie zog sich eine komplizierte Fraktur am linken Schienbein zu, die bereits zwei Operationen erforderte, weitere Eingriffe werden folgen.

Damit wurde die Krankenakte der Amerikanerin noch länger – und sie war schon schier unendlich lang, umfasste unter anderem: Darin stehen bereits verschiedene Bänderrisse, Brüche, Gehirnerschütterungen und Prellungen. Wenige Tage vor Olympia stürzt sie dann bei der Weltcup-Abfahrt in Crans-Montana und zog sich einen kompletten Riss des vorderen Kreuzbands im linken Knie zu. Sie startete dennoch im Rennen – und stürzte mit den fatalen Folgen.

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Trauriger Anblick: Lindsey Vonn muss nach ihrem Sturz ins Spital geflogen werden.

Leben statt märchenhaftes Happy End

Irgendwie ist es typisch für Vonn, die sich immer auf diesem schmalen Grat zwischen Sieg und Schmerzen bewegte. Sie nahm immer volles Risiko, kratzte an den Limiten – und flog immer wieder ab, konnte aber auch nicht von den Schmerzen gestoppt werden. Mal war sie Speed-Queen, mal die Drama-Queen, so wie jetzt an den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo, wo sie den vielleicht schwierigsten Moment in ihrer einzigartigen Karriere erlebt. Am Sonntag habe ihr olympischer Traum nicht so geendet, wie sie es sich erträumt hatte, schrieb Vonn auf Instagram, wo sie 3,2 Millionen Follower hat. «Es war kein märchenhaftes Happy End, sondern einfach nur das Leben. Ich habe es gewagt zu träumen und habe hart dafür gearbeitet, diesen Traum zu verwirklichen. Denn im Ski kann der Unterschied zwischen einer strategischen Linie und einer katastrophalen Verletzung nur zwölf Zentimeter betragen.» Sie sei einfach fünf Zentimeter zu eng auf ihrer Linie gewesen, «als sich mein rechter Arm im Tor verfing, ich mich verdrehte und das zu meinem Sturz führte. Mein Kreuzband und frühere Verletzungen hatten nichts mit meinem Sturz zu tun.» Auch wenn der Sonntag nicht so endete, wie sie es sich erhofft habe und trotz der starken körperlichen Schmerzen, die er verursacht hat, bereue sie nichts. «Ich wusste auch, dass Rennen fahren ein Risiko ist. Es war schon immer ein unglaublich gefährlicher Sport und wird es auch immer bleiben.»

Sie habe es versucht. Sie habe geträumt. Sie sei gesprungen. Und abschliessend teilte sie den Fans mit: «Ich hoffe, wenn ihr etwas aus meiner Reise mitnehmt, dann ist es, dass ihr alle den Mut habt, Grosses zu wagen. Das Leben ist zu kurz, um keine Risiken einzugehen. Denn das einzige Versagen im Leben ist, es nicht zu versuchen. Ich glaube an euch, so wie ihr an mich geglaubt habt.»

Mit diesem Sturz endete die ebenso erfolgreiche wie beeindruckende Karriere von Lindsey Vonn, die sie wie ihr privates Leben immer auch in den sozialen Medien mit ihren Fans teilte, was ihr teilweise auch angekreidet wurde. Nun wird es zweifellos etwas ruhiger werden um die 41-Jährige. Ein erneutes Comeback scheint eigentlich Lichtjahre entfernt. Doch wenn jemand versucht, die Grenzen doch wieder zu verschieben, dann ist es wohl Lindsey Vonn, die schon oft bewiesen hat, dass sie sich auch von den grössten Hindernissen nicht abschrecken lässt.

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