EVZ: Siegen oder Lichterlöschen
Für den EV Zug ist das Motto vor dem heutigen Heimspiel gegen den HC Davos klar: Entweder siegen die Zentralschweizer – oder in der OYM Hall werden nach dem Match die Lichter für diese Saison endgültig gelöscht und die Mannschaft kann in die Ferien fliegen.
Vor der Saison wurde der EVZ vielerorts als Titelkandidat gehandelt, nachdem im Hinblick auf diese Spielzeit hin vor allem bei den ausländischen Spielern Anpassungen vorgenommen worden waren. Doch die Erwartungen konnten nie erfüllt werden. Die Zentralschweizer seuchten durch die Saison, Trainer Michael Liniger musste als Bauernopfer herhalten und wurde Ende Januar in die Wüste geschickt und durch den Kanadier Benoît Groulx ersetzt. Unter ihm schaffte es der EVZ via Play-In zwar in die Playoffs, doch da scheint die Reise nun frühzeitig und abrupt mit einer grossen Enttäuschung zu enden.
Missglückter Poker und Schulbuen-Hockey
In den ersten zwei Duellen gegen den HCD schnupperten die Zuger am Sieg, packten ihre Chance aber nicht. Seltsam mutete vor allem an, dass Trainer Groulx im zweiten Spiel Topskorer Dominik Kubalik auf die Tribüne verbannte und stattdessen Daniel Vozenilek spielen liess, der schon seit längerer Zeit ein Schatten seiner selbst ist. Der Poker ging mehr als in die Hosen. Die Zuger begingen Chancenwucher und verloren 0:2.
Am Dienstag folgte dann das dritte Viertelfinalduell – und die dritte EVZ-Niederlage. Nach nicht einmal neun Minuten lagen die Zuger mit 0:3 im Rückstand – nach drei Gegentreffern in Unterzahl. Am Ende stand eine saftige 3:7-Niederlage auf dem Totomat und waren auch die Spieler schon fast fassungslos. Stürmer Sven Leuenberger etwa sagte: «Ein schlechter Witz. Es ist Playoff-Hockey und wir spielen wie Schulbuben. Wir kassieren völlig unnötige Strafen. Das ist schlecht, einfach nur schlecht.»
Headcoach Benoît Groulx befand, dass sie ihren Job nicht gemacht hätten und sagte über den Horror-Start lediglich: «Das habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt. Das war eine schlechte Leistung, da müssen wir nichts schönreden. Wenn du nicht bereit bist zu kämpfen, sind die Chancen gering, ein Spiel zu gewinnen.» Man müsse schlechte Spiele möglichst schnell vergessen. «In den ersten beiden Spielen waren wir ganz nah dran, das soll uns Mut geben», lautet nun sein Rezept.
Playoff-Niederlagen als Normalität
Der Blick zurück ist nicht wirklich vielversprechend. Sieben Gegentore in einem Playoff-Match hat der EVZ letztmals am 17. März 2012 im ersten Halbfinal-Duell gegen die ZSC Lions kassiert, das mit 1:7 verloren ging. Die Zürcher gewannen damals zuerst die Serie mit 4:0 Siegen und danach auch den Meistertitel, als sie im Final den SCB mit 4:3 bezwangen. Bei den Zentralschweizern sind Niederlagen in den Playoffs mittlerweile zur Normalität geworden. Seit dem 30. März 2024 hat der EVZ kein Playoff-Spiel mehr gewonnen. Das 3:7 in Davos war bereits die elfte Niederlage in Folge. Die 0:4-Outs 2024 im Halbfinal gegen den ZSC und 2025 im Viertelfinal gegen den HCD sind schmerzhafte Erinnerungen, nun droht der Tristesse-Hattrick. Aber es gibt durchaus auch Dinge, die Mut machen. In der Vergangenheit haben die Zentralschweizer zweimal nach einem 0:3-Rückstand zu neuem Leben gefunden und eine Serie doch noch gewonnen. Das war im Final 2022 gegen die ZSC Lions und im Viertelfinal 2007 legen die Rapperswil-Jona Lakers.
Aktuell scheint eine solche Wende gegen den HCD aber Lichtjahre entfernt und bräuchte es eine Leistungsexplosion auf allen Positionen, um das frühzeitige Lichterlöschen in extremis doch noch zu verhindern. So braucht es auch Durchhalteparolen und sagt etwa Routinier Raphael Diaz, in dessen Palmarès bereits 141 Playoff-Matches stehen: «Trotz bitterem Abend ist meine Motivation kein bisschen kleiner geworden. Wozu wir fähig sind, haben die ersten beiden Spiele gezeigt. Schaffen wir es, wieder die positiven Emotionen zu kreieren, können wir die Serie verlängern.»