FCB zwischen Gipfelsturm und Tal der Tränen
In der ersten Saisonhälfte hinkte der FC Basel den eigenen Ansprüchen hinterher und erfüllte die allgemeinen Erwartungen nicht. Trotzdem ist längst nicht alles verloren und kann das Team von Ludovic Magnin noch eine traumhafte Saison schaffen.
Die Erwartungen waren nach der begeisternden Saison 2024/25 und dem Gewinn des Doubles am Rheinknie und in der ganzen Schweiz gross. Es sprach nicht viel gegen einen weiteren Gipfelsturm der Basler, auch wenn an der Linie Ludovic Magnin auf Fabio Celestini gefolgt war. Nun steht der FCB in der Tabelle auf Rang 4 da, mit einem Rückstand von acht Punkten auf den überraschenden Leader FC Thun, aber immerhin drei Punkte vor den Young Boys, dem anderen Giganten in der Super League.
Shaqiri bleibt gelassen
Ganz klar, die Basler sind gefordert, ein gelungener Start ins neue Jahr mit einem Heimsieg am Sonntag gegen den Tabellennachbarn Sion ist schon fast Pflicht, um nicht noch weiter in Rücklage zu geraten und für Unruhe zu sorgen. «Die Saison nach einem Titelgewinn ist immer etwas schwieriger, das ist einfach so. Wir hatten nicht den besten Start. Aber das war in der letzten Saison auch so und wir haben am Ende das Double gewonnen», erklärte Xherdan Shaqiri kürzlich gegenüber dem Blick. «Wir kennen diese Situation. Darum bleiben wir auch ruhig. Wir wissen, was wir können. Wichtig ist es, dass wir in der Rückrunde auch wieder so auftreten. Wir haben immer noch alle Chancen, unsere Saisonziele zu erreichen. Wichtig ist, dass wir die Konstanz hinkriegen, wie wir das in der letzten Rückrunde getan haben.»
Wichtig ist auch, dass Shaqiri wieder zur Stärke und zum Glanz der letzten, brillanten Saison zurückfindet, nachdem er in der ersten Saisonhälfte weit weniger zwingend aufgetreten ist als noch im Vorjahr. Der Captain ist weiterhin entscheidend für die Basler Offensive und mit sechs Toren und acht Assists in der Liga der beste Skorer seines Teams, aber er offenbarte auch ungewohnte Schwächen und verschoss zuletzt dreimal in Serie einen Penalty aus dem Spiel heraus.
Die Offensive schwächelt
In der letzten Saison war der FCB das mit Abstand torgefährlichste Team der Liga, nun stehen die Basler nach 19 Spielen bei 28 erzielten Tore und sind im Ligavergleich bestenfalls Mittelmass, denn mehr Tore erzielt haben Thun (39), St. Gallen (38), YB (38), Luzern (35), Servette (30) und Sion (29), der FC Lugano, Lausanne und der FC Zürich stehen gleich da und nur GC (26) und Winterthur (23) haben weniger oft eingenetzt. Für eine erfolgreiche Titelverteidigung reicht es nicht, die erfolgreichste Defensive der Liga zu stellen (20 Gegentore in 19 Spielen), Shaqiri und seine Kollegen müssen auch die offensive Feuerstärke verbessern. Und da sind vor allem auch die Mittelstürmer gefragt, die in der Vorrunde unter Ladehemmung litten. Albian Ajeti erzielte in der Liga drei Tore, Moritz Broschinski, der sich kurz vor Weihnachten eine Knieverletzung zuzog, gar nur eines.
Abhilfe schaffen kann da wohl nur ein Transfer, doch die Stürmersuche ist schwierig, Der Österreicher Michael Gregoritsch entschied sich quasi in letzter Sekunde für die Bundesliga und Augsburg statt für den FCB. Im Winter sind gute Transfers schwieriger als im Sommer. Leistungsträger wollen tendenziell eher im Sommer wechseln, wenn die Vorbereitung länger dauert und so mehr Zeit zur Eingewöhnung ist. Zudem gehört die Super League nicht zu den Hotspots für ambitionierte Spieler und deshalb müssen sich der Klubs und die Fans wohl noch ein wenig gedulden.
Adjetey und Otele bald weg?
So ist es gut möglich, dass der FCB zuerst noch ein paar Abgänge zu vermelden hat. Gemäss dem Onlineportal Sport.fr bemüht sich Ligue-1-Leader Lens intensiv um FCB-Verteidiger Jonas Adjetey. Gerüchtehalber hat der FCB im Sommer ein Lens-Angebot über sechs Millionen Euro abgelehnt, nun könnte der FCB aber schwach werden, wenn die Franzosen noch etwas drauflegen. Zudem zeichnet sich ein Abgang des nigerianischen Flügels Philip Otele ab, für den offenbar in England und Italien Interesse besteht.
Die Zeit drängt, je früher Klarheit besteht, desto besser, Denn der FCB steht vor einem gedrängten Programm. Bis Mitte Februar stehen vier englische Wochen mit neun Spielen in der Meisterschaft, der Europa League und dem Schweizer Cup auf dem Programm. Da werden die Weichen gestellt – für eine erfolgreiche Saison mit Höhepunkten und vielleicht wieder mehreren Titel, oder aber die Träume platzen früh und die Basler landen hart auf dem Boden der Realität und im Tal der Tränen, was zweifellos für Unruhe sorgen würde. Denn unter Klubbesitzer David Degen wurden mit Patrick Rahmen und Alex Frei bereits zwei Trainer im Februar entlassen.