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Analysen Eishockey

Fribourg und Rappi: Die Probe aufs Exempel

Patrick

Vier Tage alt sind die National-League-Playoffs und bislang läuft alles nach Plan. Mit einer Ausnahme. In Fribourg, wo die heimischen Drachen gegen kecke Rapperswiler mit 0:2 in der Serie zurückliegen und in Spiel 3 heute Abend bereits unter Zugzwang stehen. Aber sind die Fribourger Halbfinal-Perspektiven tatsächlich so schlecht? Wir werfen einen Blick auf einige Bereiche, die beiden Seiten Mut und ein wenig Angst machen können.

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Bislang vor allem effizienter: Tyler Moy und die Rapperswil-Jona Lakers (links) im Duell mit Fribourg-Gottéron © Keystone / Peter Klaunzer

Der Meister und sein ehemaliger Lehrling

Roger Rönnberg vs. Johan Lundskog: Schwedische Trainerlegende auf der einen Seite, ehemaliger Lehrling auf der anderen. Zwischen 2016 und 2019 nämlich war es Lundskog gewesen, der Rönnberg auf dem Weg zu einem Meistertitel und zwei CHL-Triumphen mit Frölunda Göteborg assistierte. Und es ist auch jetzt der mittlerweile 42-jährige, der die Kenntnisse des Gegenübers bislang eher zum Vorteil seines derzeitigen Arbeitgebers einsetzen konnte. Nicht unbedingt überraschend, schliesslich konnte Lundskog seinen guten Freund und Mentor bereits damals in dessen aktueller Rolle als Head Coach erleben, bekam hautnah mit, nach welchen persönlichen und spieltaktischen Überzeugungen Rönnberg ein Team zu führen pflegt. Daraus hat der schwedisch-kanadische Doppelbürger, der erst 2021 in Bern erstmals als Head Coach amtete, den einen oder anderen richtigen Schluss gezogen, was sich bereits in den Direktduellen der Qualifikationsphase (vier enge Spiele mit 7:5 Punkten für die Lakers) abzeichnete. Nun hat sich diese Tendenz akzentuiert, konnte mit dem SCRJ am Sonntagabend doch zum ersten Mal in dieser Saison das Heimteam ein Direktduell für sich entscheiden. Gleiches ist nun ab sofort von Rönnbergs Fribourg gefordert, wenn Gottéron noch einen Weg ins Halbfinale finden will.

 

Ein Vorbote kommender Ereignisse?

Dabei muss man dem 54-Jährigen bereits jetzt zu Gute halten: Im Vergleich zu Spiel 1 am Freitag trat seine Mannschaft in Spiel 2 deutlich verbessert (35:23 Torschüsse) und insbesondere in den Dritteln eins und drei sehr dominant auf.  Das Problem: Die Fribourger agierten viel zu ineffizient (Shooting Efficiency von 4,55%), frassen abermals zu viele kleine Strafen (sieben) und gaben die Spielkontrolle im Mitteldrittel folgerichtig aus den Händen, was die Rapperswiler (Shooting Efficiency von 13,46%) prompt zu jenen zwei Toren nutzten, die sie benötigten, um in der Serie mit 2:0 in Führung zu gehen. Auf die Art und Weise des Sieges sollten sich die St. Galler allerdings nicht zu viel einbilden, den auch ihnen dürfte klar sein, dass sie in dieser Serie nicht mehr allzu viele Spiele gewinnen werden, wenn der Gegner so viel Druck ausüben kann, wie zeitweise am Sonntagabend. Vorderhand bleibt diese Erkenntnis jedoch einfach eine Erfahrung, die die St. Galler als «lehrreich» abtun können, solange Gottéron in den kommenden Spielen nicht damit beginnt, aus Chancen Tore zu produzieren.

 

Starker Keeper, bestes PK, verbesserte D

Ein wichtiger Grund, warum die Seebuben die ersten beiden Playoff-Duelle für sich entscheiden konnten: Sie verfügen im bisherigen Verlauf der Serie über den besseren Torhüter sowie über die besseren Special Teams. Rappi-Ikone Melvin Nyffeler (Fangquote von 95,45%), der vor über zehn Jahren seine ersten Spiele im Verein absolvierte, erlebt aktuell gerade wieder eine Phase, in der er stark an jenen Nyffeler erinnert, der die Lakers im Frühjahr 2018 zurück in die National League hexte. Abend für Abend mit starker Form und immer wieder mit Paraden, die den einen oder anderen Fehler der erwartungsgemäss nicht immer sattelfesten Rappi-Defensive ausbügeln. Unter anderem auch im Penalty Killing, dass aber auch sonst zu überzeugen weiss. Natürlich gegen Gottéron (in bislang zehn PK-Situationen), aber eigentlich schon seit Beginn der Play-ins vor zwei Wochen, in der die Lakers weitere zehn Unterzahlsituationen (gegen Zug und Berg) erfolgreich wegarbeiten konnten und somit seit dem Ende der Regular Season noch kein einziges Unterzahl-Tor zugelassen haben. Überhaupt erlebt der SCRJ seit Beginn der Playoff-Wochen eine erstaunliche Wandlung, was die Defensive anbelangt. In der Regular Season noch mit fast drei Gegentoren pro Spiel unterwegs (2,96 GA), liegt diese Zahl seit Beginn der Play-Ins bei total zehn (1,67 GA/Spiel), wovon fünf aus dem ersten (verlorenen) Play-In-Spiel gegen den EV Zug stammen. Zuletzt liessen sich Nyffeler & Co. gegen Zug (Spiel 2), Bern und Fribourg kaum noch bezwingen.

 

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Bislang der entscheidende Mann: Rappi-Rückhalt Melvin Nyffeler (Keystone / Gian Ehrenzeller)

Kommt die Rückkehr zur Norm?

Trotzdem scheint klar: So wie in den Spielen 1 und 2 kann es für die beiden Seiten eigentlich nicht weiter gehen. Speziell dann, wenn Fribourg heute Abend ähnlich dominant auftreten sollte, wie über weite Strecken der Partie am Sonntagabend. Was gegen diese Mutmassung spricht? Zum Einen die Tatsache, dass die Drachen mit den verletzten Sandro Schmid, Marcus Sörensen und Attilio Biasca fast 100 Skorerpunkte (33G, 64A) ersetzen müssen. Ein Verlust, der sich auch enorm auf das Fribourger Überzahlspiel auswirkt, das seit dem Ende der Regular Season regelrecht abgestürzt ist. Rangierte das Gottéron-Powerplay nach 52 Runden ligaweit noch an dritter Stelle, wartet es im Viertelfinal-Duell mit Rappi auch nach zehn Anläufen noch auf ein Erfolgserlebnis. Zum Anderen ist es natürlich auch so, dass der bisherige Verlauf der Serie sich nur bedingt dazu anbietet, um das Fribourger Nervenkostüm zu beruhigen. Das Toreschiessen wird so nicht einfacher, auch wenn von vorneherein klar war, dass es in diesem Duell nur einen Favoriten geben wird. Immerhin haben die Drachen bislang wenig Mühe, sich Chance herauszuspielen, was vermuten lässt, dass der Rappi-Damm früher oder später durchbrochen werden kann. Vielleicht sogar durch den Abwanderungswilligen Lukas Wallmark, der am Sonntag gleich mit zwei seiner drei Abschlüsse an der Torumrandung scheiterte. Dass der Schwede seine Unzufriedenheit ausgerechnet vor den wichtigsten Spielen und Wochen des Jahres zum Ausdruck bringt, ist allerdings Wasser auf die Mühlen jener Stimmen, die vermuten, dass im Innenleben des HCFG ausgerechnet zum Saisonhöhepunkt nicht alles zum Besten steht.

 

Rappis Probleme mit der Ziellinie

38 Punkte aus den ersten 16 Spielen dieser Saison. Weitere 17 Zähler aus den finalen sieben Partien der Qualifikation sowie fünf Siege in bislang sechs Play-In- und Playoff-Spielen. Zahlen, die verdeutlichen, wie «streaky» die Rapperswil-Jona Lakers in dieser Saison unterwegs sind. Auf der einen Seite sind sie absolut in der Lage, mehrere Spiele oder gar Wochen lang am absoluten Limit zu performen und dabei nahezu jeden Gegner zu besiegen. Auf der anderen Seite ist aber auch so, dass Rappi über eine längere Phase dieser Spielzeit echte Probleme bekundete. Lundskogs Männer taten sich schwer damit, den nach dem 17. Spieltag einsetzenden Negativtrend wieder zu stoppen, was eigentlich erst durch einen 2:5-Auswärtserfolg bei Ajoie direkt vor der Olympiapause gelang. Grundsätzlich nichts überraschendes für ein Team von der Kragenweite der Lakers, welchem es im Vergleich mit den Top-Teams der Liga an etwas Qualität und am Selbstverständnis mangelt, sich über kurz oder lang unabhängig vom Gegner durchzusetzen. Nicht umsonst brachten die St. Galler in den Monaten November bis Februar diverse Male Führungen nicht über die Runden und waren dabei regelmässig zu sehr darauf bedacht, ein Spiel nicht zu verlieren, anstatt den Sieg in den letzten Minuten aktiv zu suchen. Eine Verhaltensweise, die auch am Sonntag zu beobachten war, als sich der SCRJ in den letzten 20 Minuten fast ausschliesslich in die Defensive drängen liess (oder lassen musste). Auf alle Fälle weiss man am Obersee zu gut, dass eine Serie auch nach einem etwaigen 0:3-Zwischenstand noch nicht beendet sein muss, verspielte man doch 2022 genau diesen Vorsprung in der Viertelfinale-Serie gegen Davos. Das Rappi dabei nach einem unglücklich verlorenen Spiel 5 zu keiner Reaktion mehr fähig war, dürfte auch dem HCFG bekannt sein.

 

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