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Fussball oder Hockey: Welche Nati steht 2026 mehr unter Druck? Zwei Meinungen!

Olympia im Winter, die Eishockey-Heim-WM im Mai und schliesslich die Fussball-WM im Sommer: Gleich dreimal bietet sich unseren beiden populärsten Nationalteams 2026 die Chance, Historisches zu erreichen. Doch mit den jüngsten Erfolgen, steigen auch die Erwartungen. Welche Nati steht in den kommenden Monaten stärker unter Druck? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.

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Die Schweizer Fans erwarten in diesem Jahr von den Fussballern und den Eishockeyanern viel... © IMAGO / STEINSIEK.CH

Andy Maschek sagt: Unsere Fussballer

Die Bilanz ist beeindruckend: Seit der EM 2004 hat die Schweizer Fussballnati nur einmal ein grosses Turnier verpasst, es war die EM-Endrunde 2012. Im kommenden Sommer sind die Schweizer nun bereits zum sechsten Mal in Folge an einer WM-Hauptrunde dabei, dazu kommen in den letzten 22 Jahren fünf EM-Teilnahmen. Es ist der Leistungsausweis einer absoluten Fussballnation, ja fasst einer fussballerischen Grossmacht. Eine Statistik, von der andere Nationen nur träumen können. Allen voran die Italiener, die 2018 und 2022 an der WM fehlten und nun auch das Ticket für die WM-Endrunde in Kanada, den USA und Mexiko noch nicht gelöst haben, zuerst noch die Playoffs überstehen müssen – um dann in der Vorrunde auf die Schweiz zu treffen…

Während die Italiener in ihrer Geschichte aber bereits viermal Welt- und zweimal Europameister (zuletzt 2021) wurden, wartet die Schweiz auf einen Halbfinal- oder Finaleinzug oder sogar den ganz grossen Coup. Unsere Fussballer schnupperten mehrmals an einem Grosserfolg, feierten bemerkenswerte Siege wie an der EM 2021, als Frankreich im Achtelfinal im Penaltyschiessen eliminiert wurde und die Nati erstmals seit der WM 1954 wieder an einem grossen Turnier im Viertelfinal stand. Doch der ging gegen Spanien ebenso im Penaltyschiessen verloren wie jener an der EM 2024 gegen England, nachdem Murat Yakin und seine Mannschaft im Achtelfinal Titelverteidiger Italien aus dem Turnier geschossen hatten.

Die Schweizer Nati hat in den vergangenen Jahren ein Feuer entfacht, Lust auf mehr gemacht und für eine Euphorie gesorgt. Sie ist für die Bevölkerung sexy geworden und hat die Erwartungen in die Höhe geschraubt. Im kommenden Juni warten an der WM in der Gruppenphase Katar, Kanada und wie erwähnt vielleicht erneut Italien als Gegner, so dass das Erreichen der Sechzehntelfinals als eine Pflichtaufgabe angesehen wird.

Und danach soll das Motto «the Sky is the Limit» gelten, der Gipfelsturm erfolgen. Schliesslich haben Captain Granit Xhaka und seine Kollegen die Qualifikation souverän gemeistert. Zudem steht Murat Yakin ein Team mit Spielern zur Verfügung, die in den Top-5-Ligen Europas nicht nur Ergänzungsspieler, sondern mancherorts Leistungsträger sind. Angefangen bei Captain Xhaka selber, dann aber auch mit Goalie Gregor Kobel, der mit einem Marktwert von 40 Millionen Euro zu den teuersten Torhütern der Welt gehört, oder Innenverteidiger Manuel Akanji. Dazu kommen immer stärker werdende Talente wie Johan Manzambi und Dan Ndoye, während Spieler wie Nico Elvedi, Ruben Vargas oder auch Breel Embolo für eine gute Mischung sorgen.

Die Nati ist reif für den nächsten Schritt. Und nicht nur das. Er wird von den Fans von ihr schon fast erwartet. In diesem Jahrtausend ist an einer WM Nationen wie Kroatien, Marokko, Belgien, Portugal, Südkorea oder der Türkei der Sprung in die Top 4 gelungen. Und genau das sollen die Schweizer nun nachmachen. Es ist eine Erwartungshaltung, die für Druck sorgt, wobei man nicht vergessen darf, dass die Leistungsdichte im Fussball enorm ist und auf dem Weg an die Spitze auch die fussballerische Crème de la Crème darauf angewiesen ist, dass in entscheidenden Momenten auch Glücksgöttin Fortuna mitkickt.

Patrick Y. Fischer sagt: Unsere Hockeyaner

Mit Blick auf das kommende halbe Jahr der Schweizer Eishockeynationalmannschaft scheinen zwei Dinge bereits Anfang Januar klar: Entweder wird 2026 zum vorläufigen Höhepunkt in der Geschichte des Schweizer Eishockeys. Oder das Jahr mit Olympiateilnahme und Heim-WM endet in einer kolossalen Enttäuschung. Dazwischen gibt es rein emotional betrachtet eigentlich fast nichts.

Und dass dem so ist, haben die Eishockeyaner ganz alleine sich selbst zuzuschreiben. Denn die Entwicklung des Teams von Patrick Fischer und seinem Staff verlief in den letzten Jahren so steil nach oben, dass man sich wohl zum ersten Mal in der Geschichte von Swiss Ice Hockey auf realistischer Basis mit Zielen wie einer Olympiamedaille oder einem Weltmeistertitel beschäftigen kann. Und das nicht nur, weil zwei Vizeweltmeisterschaften in Folge (drei in den letzten sieben Jahren) quasi automatisch dazu berechtigen.

Denn ähnlich wie unsere Fussballnationalmannschaft verfügt auch unsere Hockey-Nati über eine charismatischen, erfolgreichen Trainer und eine Spielergeneration, die es so in der Schweiz noch nie gegeben hat. Mit einem NHL-Nr.1-Draft (Nico Hischier), einem Norris-Trophy-Gewinner (Roman Josi) und mehr als einer Handvoll Cracks, die in der besten Eishockeyliga der Welt wichtige Positionen in ihren Teams besetzen (Kevin Fiala, Timo Meier, Janis Moser, Jonas Siegenthaler, Nino Niederreiter, Pius Suter). Zusammen mit dem Besten, was die heimische National League zu bieten hat, hat sich daraus in den letzten Jahren eine Mannschaft entwickelt, die die von Head Patrick Fischer vorgelebte Siegermentalität zu 100 Prozent verinnerlicht hat.

Was noch fehlt? Der letzte Schritt zum ultimativen Triumph, sprich zu einer Olympia-Medaille oder einem Weltmeistertitel. Zu beidem bietet sich dieses Jahr eine einmalig günstige Gelegenheit. Weil a) die NHL ihre Spieler für die Spiele in Mailand freigeben hat und weil b) die WM zum ersten Mal seit 2009 wieder in der Schweiz stattfinden wird. Speziell in einem Olympiajahr, ein potentiell mitentscheidender Vorteil. Gleichzeitig bedeutet das aber auch: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Denn genauso wie im Fussball, wird auch die goldene Schweizer Eishockey-Generation nicht jünger. Roman Josi ist bereits 35, Nino Niederreiter 33 und im Tor dürfte die Schweiz in Mailand mit Leo Genoni (38) und Reto Berra (39) gar das älteste Keeper-Duo des Turniers stellen. Ganz allgemein gilt: Von den aktuellen Schweizer Leistungsträgern ist keiner jünger als 25, ein Umstand der sich auch in der Anzahl an NHL-Erstrundendrafts widerspiegelt. In den letzten neun Jahren gab es davon noch genau Zwei (Nico Hischier 2017 und Lian Bichsel 2022).

Und dann wäre da natürlich noch die Tatsache, dass mit der WM im Mai auch die Zeit von Patrick Fischer als Nationaltrainer zu Ende geht. Der Zuger führte die Nati in den vergangenen elf Jahren in die absolute Weltspitze und wird nur schon aufgrund seiner Persönlichkeit eine spürbare Lücke hinterlassen. Ob diese gefüllt werden kann? Auch deshalb sage ich: So gross wie in den kommenden Monaten wird die Chance auf einen historischen Triumph möglicherweise nie mehr sein. Doch die Schweiz kann das packen – begleitender Druck hin oder her.

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