Gottéron muss für Julien Sprunger siegen
Gottéron träumt vom ersten Meistertitel in der Klubgeschichte. Doch der grosse Traum droht zu platzen. Die Freiburger stehen gegen die Rapperswil-Jona Lakers mit dem Rücken zur Wand und sind heute Abend in Rapperswil zum Siegen verdammt – sonst endet die Karriere von Julien Sprunger abrupt und definitiv ohne Happy End.
Auf der Liste der Favoriten auf den Gewinn der Meisterschaft stand Gottéron schon von Anfang an vielerorts ganz oben. Ein starkes Kader, dann auch eine starke Regular Season mit dem zweiten Platz hinter Qualifikationssieger HC Davos und an der Bande mit dem schwedischen Erfolgstrainer Roger Rönnberg ein Mann, der weiss, wie man Titel gewinnt. Die Voraussetzungen sind eigentlich da, um mit der Tradition zu brechen, dass Gottéron nicht Meister werden kann.
Fast totgesagte Lakers sind auferstanden
Und die Perspektiven wurden ja auch wieder viel besser, als die Freiburger im Playoff-Viertelfinal nach dem verpatzten Start und den ersten zwei Niederlagen gegen Rappi in Spiel 3 und 4 zurückschlugen und klare Siege feierten. Das gerade in den Playoffs so viel beschworene und bemühte Momentum – es schien ganz klar von den St. Gallern nach Freiburg gewechselt zu haben. Doch die schon fast totgesagten Lakers sind wieder auferstanden und haben nun zwei Matchpucks, um nach 2006 und 2021 zum dritten Mal die Halbfinals zu erreichen.
Vor dem letzten Spiel am Samstag in Fribourg hätten von aussen alle gedacht, dass das Momentum und die Vorteile bei Gottéron liegen, «aber wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen und waren sehr solid», sagt Lakers-Verteidiger Mika Henauer, der auf die neue Saison hin zu Servette wechselt. «Es braucht am Montag noch einmal genau so eine Leistung, wenn nicht gar noch ein wenig besser», so Henauer weiter. Er glaube, beim 2:1-Sieg am Samstag hätten die Lakers den besten Match der Saison gezeigt. «Wir haben wirklich verdient gewonnen, es war ein mega cooler Match.» Gottéron habe nun das Messer am Hals, das könne sie umso gefährlicher machen, «aber wir wollen die Serie in sechs Spielen fertigmachen, das ist unser Mindset».
Sprunger für einmal stumm
Entgegengesetzt ist die Gemütslage bei Gottéron. Beim 1:2 am Samstag zeigte das Team eine der schlechtesten Saisonleistungen und so stand auch Captain Julien Sprunger nach dem Match den Medien nicht für Interviews zur Verfügung. Es war aussergewöhnlich, denn im Normalfall ist Sprunger auch in schwierigen Situationen und bitteren Momenten zu Auskünften bereit. Doch normal war an diesem Samstag nichts. Denn die Niederlage gegen Rapperswil, bei der Gottéron auch im fünften Match der Serie kein Powerplay-Tor erzielte und so auch nach 44:11 Minuten in Überzahl noch ohne Torerfolg ist, könnte rückblickend auch das letzte Heimspiel in der glorreichen Karriere von Julien Sprunger gewesen sein.
Mit Choreo gefeiert
Der 40-Jährige, die Klublegende schlechthin, wird nach dieser Saison seine Karriere beenden, und so feierten ihn die Fans quasi präventiv mit einer 360-Grad-Choreo über 1179 Quadratmeter, die ein Bild von Sprunger für jede seiner 24 Saisons für Gottéron beinhaltete. 1280 Arbeitsstunden, 610 Liter Farbe und 17’640 Frankenhaben die Ultras gemäss eigenen Aussagen in diese Choreo investiert. «Tut es für Julien!», forderten die Fans per Banderole Sprungers Teamkollegen auf – ohne Erfolg.
1173 Spiele – ein Klub
Heute Abend muss nun aber der nächste Sieg her, wenn das 1174. National League-Spiel nicht das letzte in Sprungers beeindruckender Karriere sein soll. Der Stürmer war erst 16 Jahre alt, als er am 27. September 2002 beim Auswärtsspiel in Davos zu seinem Debüt in der damaligen NLA kam. Zwei Einsätze absolviert Sprunger in jener Saison in der ersten Mannschaft, hinterliess aber noch keine grossen Spuren. Das holte er aber schnell nach, in der Folge erarbeitete er sich Legendenstatus. Auch wenn immer wieder mal andere Klubs Begehrlichkeiten hatten und ihn gerne verpflichtet hätten, blieb Sprunger seinem Herzensklub treu. 1173 Spiele in der höchsten Schweizer Liga sind bis heute zusammengekommen, damit belegt er im ewigen Ranking hinter dem Davoser Andres Ambühl (1322) und Beat «Bidu» Gerber (SCB, SCL Tigers) Rang 3. Eingespielt hat er 411 Tore, 412 Assists und 823 Skorerpunkte, womit er in sämtlichen Kategorien zu den Besten der Schweiz gehört.
Spengler Cup als einzige Trophäe
Einzig mit dem Gewinnen von Titeln haperte es. Bislang ist es eine Tradition, dass Gottéron nicht Meister wird – und so blieb der Gewinn des Spengler Cup 2024 der Höhepunkt in der Karriere des Stürmers. Nur zu gerne würde Sprunger zum Abschluss auch den Gewinn des für Gottéron historischen Meistertitels seinem Palmarès hinzufügen. Doch dafür sind gigantische Leistungen gefordert. Zuerst im Viertelfinal, um überhaupt weiterhin im Rennen zu bleiben, dann in den nächsten Runden. Wichtig wäre auch, dass bei den von Verletzungen gebeutelten Freiburgern zumindest ein, zwei der verletzten Leistungsträger zurückkommen. Am ehesten dürfte das bei Marcus Sörensen und Attilio Biasca der Fall sein, während eine Rückkehr von Andrea Glauser in diesen Playoffs äusserst fraglich scheint und bei Sandro Schmid gar kein Thema ist.