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Greift Franjo von Allmen nach Marco Odermatts Krone? Zwei Meinungen

Andy-Pat

Franjo von Allmen ist die erste grosse Schweizer Figur dieser Olympischen Winterspiele: Der 24-jährige Berner Oberländer gewann Gold in der Abfahrt und in der Team-Kombi – und dies ein Jahr, nachdem ihm dieses Kunststück bereits an der WM geglückt war. Rüttelt Von Allmen womöglich schon bald an Marco Odermatts Ski-Thron? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.

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Franjo von Allmen ist mit 24 Jahren bereits Doppel-Olympiasieger und Doppel-Weltmeister. © KEYSTONE/Michael Buholzer

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

Morgen Mittwoch ist es vielleicht soweit: Franjo von Allmen, 24-jähriger Shooting-Star aus Boltigen, kann sich in Bormio mit einem Sieg im Super-G zum dreifachen Olympiasieger an ein und denselben Spielen krönen. Ein vielleicht nicht einmaliger (Toni Sailer gelang das Kunststück 1956 in – genau - Cortina), aber mit Sicherheit sporthistorischer Erfolg, der den Sonderstatus des aktuellen Speed-Königs des Skizirkus weiter untermauern würde. An Marco Odermatts Vormachtstellung im nationalen und globalen Ski-Universum würde das aber trotzdem nichts ändern.

Und das liegt mit Sicherheit nicht daran, dass es «FvA» nicht versteht, dann zuzuschlagen, wenn die Aufmerksamkeit am Grössten ist. Im Gegenteil. Wohl kaum ein anderer Sportler oder eine andere Sportlerin kann von sich behaupten, aus den ersten fünf Einsätzen an olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gleich vier Goldmedaillen abgeräumt zu haben. Und Nr. 5 kommt möglicherweise morgen in Start #6 dazu. Eine unfassbare  Statistik (zum Vergleich: In 44 Weltcupstarts gab es bislang 5 Siege), die an einen gewissen Bernhard Russi erinnert, auf den in den 70er Jahren als «eindimensionaler» Abfahrer bei Grossanlässen auch regelmässig Verlass war (Weltmeister 1970, Olympiasieger und Weltmeister 1972, Olympia- und WM-Silber 1976, als Olympiarennen gleichzeitig als Weltmeisterschaft gewertet wurden).

Russi nutze jene Erfolge dazu, um sich eine jahrzehntelange Karriere im und rund um den Skisport aufzubauen. Er war der erste grosse Schweizer Ski-Star, der es schaffte, seine Popularität über Generationen hinaus hoch zu halten, auch wenn ihn andere wie Pirmin Zurbriggen, bis vor kurzem erfolgreichster Schweizer Skifahrer aller Zeiten und grosser Star der 80er Jahre, sportlich längst überflügelt hatten.

Warum ich das erwähne? Weil genau hier, in der Verbindung aus Sport und Pop-Kultur die einzigartige Vormachtstellung Marco Odermatts verankert ist. Der sympathische Nidwaldner vereint wie kein anderer Schweizer Wintersportler vor ihm die perfekte Symbiose aus sportlicher Dominanz, landesweiter Popularität und kommerziellem Potential. So wie eigentlich überhaupt nur ein Schweizer Sportler vor ihm: Roger Federer.

Und genauso wie «RF»s Position an der Spitze des Schweizer Sport-Olymps aufgrund seines Gesamtpakets wohl für alle Zeiten unantastbar ist, bleibt Marco Odermatt bis auf Weiteres das Nonplusultra im Skisport. Schliesslich kann es immer nur einen geben, der Grenzen verschiebt und gewisse Massstäbe neu definiert. Franjo von Allmen kann diese Rolle im aktuellen Schweizer Skisport aber genauso nicht mehr einnehmen, wie das Stan Wawrinka im Tennis nicht mehr konnte. Am Glanz einer «eigentlich» einmaligen Karriere wird das aber nichts verändern.

Andy Maschek sagt:  Ja

Es ist beeindruckend, was Franjo von Allmen abliefert. 23 Weltcupabfahrten hat er erst bestritten – aber er ist bereits Olympiasieger und Weltmeister. Dies in einer Disziplin, in der Erfahrung im wahrsten Sinn des Wortes Gold wert sein soll, wie man immer wieder sagt. Von Allmen aber hat die Abkürzung gewählt, ist quasi direttissima zu diesen Goldmedaillen gerast. Seine Bilanz an Grossanlässen ist imposant: Den Doppel-Triumphen an Olympia und Weltmeisterschaften stehen fünf Weltcupsiege gegenüber. Vier in der Abfahrt, einer im Super-G. Mit 24 Jahren ist der Berner Oberländer auf dem Olymp angekommen.

Von Allmen und Odermatt miteinander zu messen, ist schwierig. Der Nidwaldner ist der beste Skirennfahrer der Gegenwart. 53 Weltcupsiege hat er auf seinem Konto, insgesamt 100 Podestplätze. In der ewigen Bestenliste stehen nur Ingemar Stenmark (86 Siege), Marcel Hirscher (67) und Hermann Maier (54) besser da, wobei «Odi» in diesem Vergleich nur ein Sieg fehlt, um es in die Top 3 zu schaffen – und dieser Erfolg wird eher früher als später kommen.

Der Vergleich zwischen den beiden Schweizer Stars hinkt aber irgendwie. Odermatt hat 29 Weltcupsiege im Riesenslalom auf seinem Konto, dazu kommen 17 im Super-G und sieben in der Abfahrt sowie WM-Titel in der Abfahrt, im Super-G und im Riesenslalom und Olympia-Gold im Riesenslalom und Silber in der Team-Kombination. Und wie Von Allmen wurde auch Odermatt Abfahrtsweltmeister, bevor er in der Königsdisziplin sein erstes Weltcuprennen gewann.

Nur schon diese Auflistung zeigt: Von Allmen und Odermatt gehören zu den besten Skirennfahrern der Welt. Oder hat der Berner Oberländer, der aktuell in Bormio und vor einem Jahr in Saalbach am meisten im Rampenlicht stand, im Direktvergleich gar die Nase vorne? Betrachtet man nur die Grossanlässe und da die Königsdisziplin Abfahrt, kann man durchaus zu diesem Schluss kommen. Zudem hat er ja auch die Möglichkeit, morgen Odermatt auch im Super-G vor der Sonne zu stehen. Über alles gesehen, liegt Odermatt aber in Führung – und hat auch an diesen Olympischen Spielen im Super-G und im Riesenslalom noch die Chance, wie Franjo von Allmen zweimal Gold zu gewinnen.

Als Gesamtpaket ist Odermatt einzigartig, gehört zu den Weltbesten aller Zeiten. So weit ist Von Allmen noch nicht. Und er wird nur schon aufgrund der Tatsache, dass er lediglich in der Abfahrt und im Super-G ein Siegfahrer ist, nie so viele Weltcuprennen gewinnen wie der vier Jahre ältere Odermatt. Aber Von Allmen hat alle Anlagen, um dereinst der absolute König der Abfahrer zu sein. Aktuell sitzt der legendäre Österreicher Franz Klammer mit 25 Weltcupsiegen sicher auf dem Abfahrtsthron, hinter ihm folgen der Italiener Dominik Paris und der Schweizer Peter Müller mit je 19 Triumphen. Paris ist aber zwölf Jahre älter als Von Allmen, der bei gleich langer Karriere gute Perspektiven hat, Franz Klammer dereinst abzulösen. Und dies mit seinem unheimlichen Grundspeed auch tun wird – vorausgesetzt, er bleibt von schweren Verletzungen verschont.

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