Hat sich der FCB verpokert? Zwei Meinungen
0:2 gegen den FC Kopenhagen, die Champions League-Ligaphase geht in diesem Jahr ohne einen Schweizer Klub über die. Ein Rückschlag für den FC Basel, den sich die Bebbi nach einem verkorksten Sommer grösstenteils selbst zuzuschreiben haben – oder doch nicht? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.
Andy Maschek sagt: Ja
Nein, eine Übermannschaft war dieser FC Kopenhagen beileibe nicht. Die Tür in die Liga-Phase der Königsklasse und damit an die fetten Millionen-Töpfe stand offen. Leider haben es die Basler aber verpasst, diesen Weg konsequent zu gehen. Ludovic Magnin und sein Team sind ganz sicher nicht blamabel gescheitert. Aber im Endeffekt ist die Niederlage dennoch äusserst schmerzhaft, weil sie vermeidbar gewesen wäre, auch wenn der Gegner in den beiden Spielen einen Tick besser war. Und auch erfahrener.
Beim FCB waren vor diesen Playoffs nur Xherdan Shaqiri, Marwin Hitz und Albian Ajeti Auftritte auf der ganz grossen Bühne gewohnt, während sich die Dänen nun zum dritten Mal innert vier Jahren für die Champions League qualifizierten. Schlussendlich war der FCB zu wenig reif und abgezockt, um die Chance zu packen. Was gleichzeitig bedeutet, dass sich die Klubführung verpokert hat.
Dass der FCB die Chance auf die Königsklasse hat, war seit dem Gewinn des Meistertitels bekannt. Ebenso die Tatsache, dass im Kader nicht massenhaft Erfahrung steckt. Im Gegensatz zu anderen Jahren, als vor der Saison am Rheinknie ein teilweise exzessives Kommen und Gehen ohne Ende herrschte, blieb es in diesem Jahr lange ruhig. Oder wohl eher zu ruhig.
Der FCB hat es in den letzten Wochen verpasst, seine Basis zumindest ein wenig zu stärken, gerade im Hinblick auf die Champions League-Quali. Denn dass es zu Abgängen wie schlussendlich jenen von Kevin Carlos oder Anton Kade kommen würde, war absehbar. Der Ausfall von Bénie Traoré und die Sperre von Jonas Adjetey waren umso schmerzhafter, weil sie so kurzfristig nicht kompensiert werden konnten. Um Akzente zu setzen, waren die Neuverpflichtungen wie der deutsche Stürmer Moritz Broschinski oder die Talente Andrej Bacanin und Jeremy Agbonifo noch zu wenig lange da oder hatten keine Spielberechtigung. Zudem war die schon vor langer Zeit eingeleitete Suche nach einem gestandenen Innenverteidiger nicht erfolgreich.
Der FCB hat den sicheren Weg gewählt, umworbene Spieler für gutes Geld verkauft und nicht einfach um des Kaufens willen eingekauft. Unter dem Strich wurde so zwar die lukrative Champions League verpasst, als Trost bleiben aber immerhin die Europa League, ebenfalls willkommene Prämien sowie Millionenerlöse aus den getätigten Transfers.
Die Aktivitäten auf dem Transfermarkt waren rückblickend schlecht getimt. Entscheidend ist nun, die restlichen Tage bis zum Ende des Super League-Transferfensters am 9. September möglichst gut zu nutzen, um Retouchen anzubringen und Trainer Ludovic Magnin ein Kader zusammenzustellen, mit dem er national auf Titeljagd gehen und auch in der Europa League bestehen kann. Nur so ist es möglich, das Verpassen des ersten grossen Saisonziels zu verdauen, für eine gute Stimmung im Team – auch bei Leithammel Xherdan Shaqiri! – zu sorgen und der durchaus möglichen Explosionsgefahr entgegenzuwirken. Im Endeffekt sind sowohl Präsident David Degen, als auch Trainer Ludovic höchst emotionale Persönichkeiten. Und das beste Beruhigungsmittel dabei sind Erfolge.
Patrick Y. Fischer sagt: Nein
Aus. Schluss. Vorbei. Im Kopenhagener Parken platzten gestern Abend die Champions-League-Hoffnungen des FC Basel und mit ihnen der Traum, der FCB möge seinen frühjährlichen Aufstieg an die Spitze des Schweizer Klubfussballs auch auf europäischer Ebene fortführen können. Dabei war schon im Vorfeld der Playoff-Spiele klar, dass jene - unabhängig vom Gegner - einem echten Prüfstein gleichkommen würden.
Nun hiess der Gegner in der vergangenen Woche zweimal FC Kopenhagen, ein Klub, der in den vergangenen fünf Jahren sowohl national als auch international deutlich konstanter und stärker auftrat als der FC Basel. Entsprechend gut bestückt ist auch der Kader der „Loverne“, der jenen des Schweizer Meisters qualitativ eher übertrifft, als ihm nur auf Augenhöhe zu begegnen. Entsprechend real war die Möglichkeit eines Scheiterns der Bebbi von Anfang an, mag es schlussendlich auch nicht zwingend erfolgt sein.
Und selbstredend liegt es in der Natur der Sache, dass man rund ums Rheinknie nun einiges hinterfragt. Warum man nicht, oder ob man doch – schlussendlich ist für mich aber klar, dass die Ursache des Basler Scheiterns nicht in etwaigen Versäumnissen der vergangenen Monate zu finden ist. Denn was genau hätten der FC Basel und seine Führung denn anders machen sollen? Schlüsselspieler aus der vergangenen Meistersaison wie Philip Otele und Metinho wurden fix übernommen. Dazu wurde auf die Abgänge von Stürmer Kevin Carlos und Mittelfeldmann Anton Kade mit den Transfers des bundesligaerfahrenen Mittelstürmers Moritz Broschinski (Bochum), der Sporting-Leihgabe Koba Koindredi und des ex-Servettien Keigo Tsunemoto reagiert, die allesamt gutes bis sehr gutes Super-League-Niveau aufweisen. Und dass ein junger Leistungsträger wie Leon Avdullahu (21) dem Lockruf aus der deutschen Bundesliga erliegt, kann ganz ehrlich niemanden überraschen. Überhaupt: Wenn der FCB Spieler wie den künftigen kosovarischen Nationalspieler, Carlos (seit Ende Februar vier Tore) oder Kade, der seit Saisonbeginn ebenfalls nicht mehr erste Wahl war, für über 16 Mio. CHF weiterverkaufen kann, muss er das ganz einfach tun.
So bleibt schlussendlich nur noch die Rochade auf der Trainerposition, über die man diskutieren kann. Gewiss, es war für die Basis einer weiteren Zusammenarbeit mit Double-Trainer Celestini nicht förderlich, dass es dem FC Basel im Frühjahr nicht gelang, Gespräche mit potentiellen Celestini-Nachfolgern unter Verschluss zu halten. Auf der anderen Seite gab es zu jenem Zeitpunkt sportliche und vermutlich auch zwischenmenschliche Gründe, warum es zu diesen Gesprächen (oder Gerüchten darüber) kam. Am Ende verliess der Romand den Klub ein Jahr vor Vertragsende, um nach Russland zu wechseln. Neu an der Basler Seitenlinie steht nun Ludovic Magnin. Und um dessen Arbeit beurteilen zu können – oder um ihm gar die Schuld am Ausscheiden gegen Kopenhagen in die Schuhe zu schieben – ist es nun definitiv noch zu früh.