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Ist die Nati bereit für eine Olympia-Medaille? Zwei Meinungen

Andy-YnS

Mit einem ebenso ungefährdeten wie unspektakulären 3:0 gegen Italien zog die Schweizer Eishockey-Nati in die olympischen Viertelfinals ein. Dort wartet nun Finnland und im Erfolgsfall danach wohl Kanada oder die USA. Ist diese Nati bereit dafür? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Younes Hdk sind sich nicht einig.

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Leonardo Genoni ist bislang statistisch der beste Goalie des Turniers. © KEYSTONE / AP Photo/Petr David Josek

Andy Maschek sagt: Ja

Es war schon vor diesen Olympischen Spielen klar: Die Schweizer Eishockey-Nati muss über sich hinauswachsen, um sich im vielleicht besten Eishockeyturnier aller Zeiten den Traum von einer Olympiamedaille zu erfüllen. Und für mich ist klar: Patrick Fischer und sein Team sind bereit für diesen historischen Sieg.

Natürlich, die Nati hat gegen Italien keine Gala gezeigt, aber sie hat nüchtern ihre Pflicht erfüllt und nicht unnötig Energie verschwendet. Und sie ist abgeklärt aufgetreten, musste gegen den Gastgeber nie zittern. Und ja, die Finnen sind ein ganz anderes Kaliber, schliesslich sind sie mit NHL-Stars gespickt und spielt vom aktuellen Kader einzig ZSC-Verteidiger Mikko Lehntonen nicht in Nordamerika. Aber auch sie offenbarten Schwächen und verloren zum Turnierauftakt gegen die Slowakei mit 1:4.

Für die Schweiz spricht, dass sie mit Leonardo Genoni einen Goalie der Extraklasse im Rücken hat. Der MVP der letzten WM glänzt auch in Italien, ist mit 96,20 Prozent abgewehrter Schüsse der bislang beste Keeper des Turniers. Und damit auf keinen Fall schlechter als sein Gegenüber, der Finne Juuse Saros (94,59 Prozent), der in Nashville Teamkollege von Roman Josi ist und in dieser Saison durchwachsene Leistungen zeigte.

Josi ist in der Defensive ebenso ein grosser Trumpf wie JJ Moser, der immer besser wird. Und der Captain überzeugt auch wie üblich im Spiel nach vorne, hat bereits vier Skorerpunkte (zwei Tore, zwei Assists) auf seinem Konto. Auch Timo Meier ist ein wichtiger Faktor für die Schweizer und sorgt für Optimismus. Nach einer bislang schwierigen Saison in der NHL hat der Stürmer der New Jersey Devils in Italien seine Treffsicherheit wiedergefunden und bereits drei Tore und vier Assists erzielt. Damit ist er hinter dem Kanadier Connor McDavid und dem Schweden Lucas Raymond die Nummer 3 des Turniers. Gleichzeitig geht Meier auch als Aggressivleader voran, setzt immer wieder kernige Checks und geht dem Gegner unter die Haut.

Der vielleicht grösste Wert der Schweizer ist aber der Teamgeist. Die Nati ist nicht nur eine Interessengemeinschaft, sondern eine verschworene Einheit, angeführt von den NHL-Stars Roman Josi, Nico Hischier, Nino Niederreiter oder auch Timo Meier. Das Team lechzt nach den WM-Silbermedaillen nach den nächsten Erfolgen, träumt zuerst von olympischem Edelmetall, zumindest der Bronzemedaille wie 1928 und 1948. Und dann von Gold an der Heim-WM.

Die Zeit ist reif für den nächsten Schritt. 2006 verlor die Schweiz im Viertelfinal gegen Schweden (2:6), 2010 gegen die USA (0:2) und vor vier Jahren gegen Finnland (1:5). Ist erst mal die Hürde Finnland übersprungen, ist die erträume Medaille dann definitiv in Griffweite.

Younes Hdk sagt: Nein

Ist die Schweizer Nationalmannschaft gut genug für die erste olympische Eishockey-Medaille (der Männer) seit bald 80 Jahren? Nein, und der Grund dafür ist simpel: Ab jetzt trifft unsere Nati mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschliesslich auf Gegner, die noch besser besetzt sind, als diese beste Schweizer Nationalmannschaft aller Zeiten.

Wir haben Josi? Die Finnen, Amerikaner oder Kanadier haben Heiskanen, Makar oder Hughes. Wir haben Hischier und Meier? Ihnen gegenüber stehen Rantanen und Aho, McDavid, Crosby und Celebrini oder Matthews, Eichel und die Gebrüder Tkachuk. Wobei das Problem hier nicht ist, dass sich unser Top-Shots in diesen Duellen nicht zu behaupten wissen. Die Challenge liegt darin, dass sie gegen die besten der Welt für den Unterschied sorgen müssen.

Denn wenig überraschend sind unsere besten NL-Cracks (sowie ein Teil der NHL-Legionäre) bislang nicht in der Lage, die Spiele gegen die Top-Teams mitzuprägen. Natürlich, da gab es Dean Kukans OT-Siegestor gegen die Tschechen und drei Turnier-Assists von Sven Andrighetto, aber sonst sind ausschliesslich die NHL-Leistungsträger Meier (3G, 4A), Josi (2G, A), Hischier (1G, 3A), Moser (1G, 3A) und Suter (2G) für die entscheidenden Schweizer Nadelstiche verantwortlich. Ob sich das ausgerechnet in der heissesten Turnierphase noch ändert? Möglich, aber unwahrscheinlich und eher nicht mit einer Abschlusseffizienz (8,11%) weit weg von den nächsten Schweizer Gegnern (12,70% und besser).

Zumal hinzu kommt: Natürlich ist es möglich, dass unsere Top-Shots im Viertelfinale gegen Finnland zaubern, dass Leo Genoni erneut die Schotten dicht macht oder der eine oder andere Spieler aus der National League einen entscheidenden Beitrag zum Weiterkommen leistet. Aber das gleich zwei Mal innerhalb von drei Spielen in maximal vier Tagen gegen immer stärker werdende Konkurrenz? Es wäre, als würden die Schweizer einen Blitz in einer Flasche fangen. Deshalb glaube ich schlussendlich nicht an eine Schweizer Medaille, sehr wohl aber an Rang 4. Und hoffe insgeheim darauf, mit meiner Prognose spätestens ab den Halbfinals komplett falsch zu liegen.

 

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