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Ist Manchester United noch zu retten? Zwei Meinungen

Bald 13 Jahre sind seit dem letzten Meistertitel von Manchester United vergangen. Seitdem seucht sich der grösste Klub der 1990er und 2000er Jahre mehr schlecht als recht durch die nationalen und internationalen Wettbewerbe, für die er sich zuletzt nicht einmal mehr qualifizieren konnte. Kommt das alte, grosse Man United überhaupt noch einmal auf die Beine? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.

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Die Fans von Manchester United verschaffen ihrem Ärger mit Plakaten Luft. © IMAGO / Offside Sports Photography

Patrick Y. Fischer sagt: Ja

Was für ein Glückspilz, dieser Sir Alex Ferguson. Schliesslich benötigte der legendäre Schotte ganze dreieinhalb Jahre, um mit den Red Devils im Mai 1990 seinen ersten Titel (FA Cup) zu gewinnen. Ob man ihm beim englischen Co-Rekordmeister heute ähnlich viel Zeit zugestehen würde?

Zweifel sind durchaus angebracht, und das ist einer der Gründe, warum Man United den Erfolgen vergangener Zeiten dieser Tage wieder einmal hinterhertrauert. Fehlende Geduld im Klub und dessen Umfeld haben u.a. dazu geführt, dass sich das einst wertvollste Sportunternehmen der Welt im Verlauf der letzten Dekade+ zum schwerkranken Patienten entwickelt hat. Aber hoffnungslos? Mit Sicherheit nicht.

Schliesslich ist die Sporthistorie voll mit Geschichten von Organisationen, die im Moment der grossen Krise die notwendige Inspiration und Energie gefunden haben, um einen Weg aus dem Schlamassel zu finden. Wie könnte jener im Fall von Manchester United aussehen?

Meiner Meinung nach, in dem man sich im ehemaligen Textilmekka erst einmal bewusst wird, woher man eigentlich kommt. Denn die roten Teufel waren beileibe nicht immer jener Gigant, zu dem sie in den Jahren zwischen 1990 und 2010 unter Sir Alex Ferguson wurden. Und jener bekam – wie oben bereits erwähnt – Zeit, um seine Pläne und Ideen zu verwirklichen. Warum sollte das heute mit der notwendigen Geduld, deren Quelle eigentlich nur in der Niederlage entstehen kann, nicht noch einmal möglich sein?

Natürlich spielt es dabei eine Rolle, auf der Position des Trainers und Managers wieder eine Persönlichkeit zu installieren, die so gross ist, dass sie zwecks ihrer Reputation dazu in der Lage ist, den Klub wieder zu einen. Die Hoffnung und Glauben zurück- und die Menschen wieder hinter den Klub bringt. Ganz genau so, wie das Rivale Liverpool vor rund einer Dekade mit der Verpflichtung von Jürgen Klopp gelungen ist. Im Anschluss geht es dann nur gemeinsam, unnachgiebig und nicht nur bis zur nächsten Niederlagenserie, Spielerrevolte oder Kritik der zahlreichen bissigen TV-Experten.

Natürlich wird das Zeit und (Widerstands)Kraft benötigen. Ohne Geduld und Standhaftigkeit, wird Man United sein Potential jedoch nicht entfalten können. Und dieses ist in den richtigen Händen immer noch enorm.

Andy Maschek sagt: Nein

Der Begriff «Krise» wird im Sport und im Fussball inflationär verwendet, teilweise auch nur, um eine zwischenzeitliche Baisse zu beschreiben. Doch bei Manchester United ist es passend – und macht deshalb Sorgen. Denn die Baisse ist mittlerweile keine Momentaufnahme mehr, sondern Standard.

Was waren das doch für Zeiten, als der Klub unter Sir Alex Ferguson von Erfolg zu Erfolg eilte und Lastwagenladungen an Titeln gewann. ManU war auf der nationalen und der internationalen Bühne eine ganz grosse Nummer. Wurde von den Fans geliebt und von den Gegnern gefürchtet.

Tempi passati. Den letzten Meistertitel gab es 2013, auf dem internationalen Parkett waren der Triumph in der Europa League 2017 und die Finalqualifikationen 2021 und 2025 die letzten einsamen Highlights. Und da hallen doch auch die Worte von Franz Beckenbauer nach, der den Vorgänger Uefa-Cup einst als «Cup der Verlierer» bezeichnet hatte.

Ferguson war das Gesicht einer erfolgreichen Ära. 9733 Tage dauerte seine Amtszeit. Eine Ewigkeit. Nach ihm schaffte bei Manchester United kein Trainer mehr auch nur zehn Prozent dieser Dauer, am längsten waren Ole Gunnar Solskjaer (969 Tage) José Mourinho (900 Tage) im Amt – und auch andere mehr oder weniger grosse Namen wie Louis van Gaal, Ralf Rangnick, Erik ten Hag, Ruud van Nistelrooy oder zuletzt Ruben Amorim genügten den Ansprüchen auf Dauer nicht.

Und nun kommt eine weitere Saison ohne Titel dazu. Aktuell belegt Manchester United, wie Liverpool 20-facher Meister, lediglich Rang 7. Und am Samstag ist das Team mit Interimstrainer Michael Carrick gefordert – bei einer Niederlage im Derby gegen Manchester City droht eine weitere Verschlechterung der Situation, die nach dem Ausscheiden im FA-Cup unter dem kurzfristigen Nothelfer Darren Fletcher eh schon trostlos ist.

Ferguson führte den Klub zu 13 Meisterschaften, seit er 2013 in Pension gingt hat die Familie Glazer als Besitzerin mehr als sieben Milliarden Franken ausgegeben. Nachdem die grossen Erfolge ausblieben, stiess vor zwei Jahren Sir Jim Ratcliffe als Teilhaber dazu, der auch die sportliche Oberaufsicht übernahm. 

Es ist ein gefährliches Spiel, wie sich zeigt: ManU ist abgestürzt und die Fans gehen auf die Barrikaden. Die Fangruppierung «The 1958» (rund 100'000 Mitglieder) hat ein Misstrauensvotum gegen das Eigentumsmodell des Vereins gefordert und schiesst gegen Ratcliffe. «Nachdem er von einer Katastrophe in die nächste gestürzt ist, wirkt Ratcliffe wie ein inkompetenter Clown, der den Verein in einen Zirkus verwandelt. Anstatt die Besten zu sein, sind wir zur Lachnummer geworden», lautete das Urteil der Gruppierung, die die Entfernung der Familie Glazer und von Ratcliffe aus dem Verein fordert.

Natürlich gilt auch in Manchester: «Wer zahlt, befiehlt.» Und so lange die Machtverhältnisse so bleiben, wie sie sind, wird auch die sportliche Tristesse bleiben. Manchester United ist zwar nicht tot, aber für den Turnaround braucht es ein «House Cleaning» auf allen Ebenen. Ansonsten wird die sportliche Tristesse zum Dauerzustand.

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