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Ist Shaqiri der beste Super League-Spieler aller Zeiten? Zwei Meinungen

Am Sonntag war Shaq-Tag. Mit einer überragenden Leistungen bescherte der Zauberfuss dem FCB den Sieg im Klassiker gegen den FCZ, ganz im Stile des besten Fussballers, den die Super League je gesehen hat. Aber verdient Shaqiri diesen Superlativ auch wirklich? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind unterschiedlicher Meinung.

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Xherdan Shaqiri lässt sich nach dem Sieg gegen den FCZ feiern. © KEYSTONE/Claudio Thoma

Andy Maschek sagt: Ja

In der Vergangenheit haben schon viele Fussball-Grössen in der obersten Schweizer Liga gespielt. Klangvolle Namen wie Günter Netzer, Karl-Heinz Rummenigge, Marco Tardelli, Giovane Elber oder auch Mohamed Salah hinterliessen in den Stadien ihre Spuren, wobei sich diese Liste der Stars massiv erweitern liesse. Sie alle beehrten und, entweder nach ihren grossartigen Karrieren auf der internationalen Bühne. Oder dann am Anfang. Xherdan Shaqiri deckt beide Aspekte ab. Er schaffte beim FCB einst den Sprung ins nationale Rampenlicht und dann ins internationale Geschäft und ist danach, im Herbst seiner erfolgreichen Fussballerkarriere, zu seinen Wurzeln und zum FCB zurückgekehrt.

Geblieben sind bei ihm in all diesen Jahren seine Qualität und Genialität. Nach seiner Rückkehr wurde er zum Gesicht der Basler Herrlichkeit und führte den FCB mit überragenden Leistungen zum Titel. Er steckte mit seiner Winner-Mentalität seine Kollegen an und machte sie besser. Shaqiri ist kein Arbeiter, kein Malocher. Sondern ein Künstler. Einer, der in jedem Spiel für die entscheidende Differenz sorgen kann. Einer vom Typ «Strassenfussballer», mit einem Zauberfüsschen, das die besten Goalies der Welt vor schier unlösbare Aufgaben stellen kann.

In der vergangenen Saison war er mit 18 Toren und 21 Assists in 34 Meisterschaftsspielen der Basler Meistermacher schlechthin. In der aktuellen Saison der Titelverteidigung stotterte der Motor der Basler bislang ein wenig – auch jener von Shaqiri. Nach 21 Spielen steht er bei neun Toren und zehn Assists, womit er die Skorerliste vor Christan Fassnacht (YB, 11/6) und Luzerns Matteo Di Diusto (7/9) anführt. Beim FCB ist er damit einsame Klasse, kein anderer Spieler hat bislang die Zehn-Punkte-Marke geknackt.

Dass Shaqiri, mittlerweile 34 Jahre alt, seine letzte Traumsaison nicht noch einmal wiederholen kann und bisweilen mit sich, seinen Teamkollegen und auch den Schiedsrichtern oder der ganzen Fussballwelt hadert, ist irgendwie verständlich. Genies haben nun mal ihre Eigenheiten. Und den Spieler, der Jahr für Jahr, Woche für Woche, Spiel für Spiel Top-Leistungen abliefert, gibt es schlicht und einfach nicht. Aber gerade Shaqiris Auftritt zuletzt gegen den FCZ hat gezeigt, wie wertvoll er für sein Team ist – und auch, wie einzigartig in unserer Liga.

Es ist schwierig, Spieler verschiedener Epochen und auch mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen miteinander zu vergleichen. Absolut messbar sind ihre Leistungen nicht, die subjektive Wahrnehmung spielt immer mit. Klar ist aber, dass Shaqiri einen immensen Impact auf sein Team hat und auch in dieser Saison der wichtigste Spieler des FCB ist. Man kann geteilter Meinung sein, ob er auch der beste Super League-Spieler aller Zeiten ist. Doch meine Wahl fällt auf ihn. Denn der Offensivspieler mit dem Zauberfuss ist der Mann für die speziellen und magischen Momente, geht beim FCB voran – und hat es immer noch in den Füssen, sein Team erneut und trotz zwischenzeitlicher Baisse zu einer fantastischen Double-Saison zu führen.

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

Der vergangene Sonntag war ein absoluter Freudentag für Fans des Schweizer Fussballs. Drei attraktive Super-League-Affichen, total 18 Tore und das gerade der Klassiker zum abschliessenden Highlight des Wochenendes geriet, hatte ganz viel mit dem Mann zu tun, der mit Rückennummer 10 seit dem Sommer 2024 wieder in heimischen Stadien zu beobachten ist: Xherdan Shaqiri, 125-facher Schweizer Nationalspieler, zweifacher CL-Sieger mit Bayern und Liverpool, Meister in Deutschland und England und u.a. Double-Sieger mit dem FC Basel im vergangenen Jahr. 

Alleine Kraft dieser Vita ist klar, dass Xherdan Shaqiri zu den besten Kickern gehören muss, die je in der Schweizer Beletage gekickt haben. Aber ist er auch der Beste? Meiner Meinung nach nicht. Denn so sehr sein Auftritt am Sonntag ein Genuss war, so sehr sein Palmarès mit grossen Titeln und Momenten bestückt ist, so klar ist für mich auch, dass seine Karriere und sein Status  genau deswegen etwas überhöht dargestellt werden. Denn so grossartig Shaqiri am Sonntag aufspielte, so unbeständig und teilweise auch ungenügend agierte er in den Wochen und Monaten zuvor, ja eigentlich während seiner gesamten Karriere. 

Gewiss, «nobody is perfect», aber um als der Beste zu gelten, braucht es halt auch in der vergleichsweise bescheidenen Super League mehr als viele Titel, sehr viele Skorerpunkte und entsprechenden Einfluss, den Shaqiri während seinen mittlerweile fünf SL-Jahren unbestritten hatte.  Es braucht die Fähigkeit, Spieltag für Spieltag voranzugehen, mit Konstanz zu glänzen und so für seine Teamkollegen auch dann zur unverzichtbaren Stütze zu werden, wenn Skorerpunkte fehlen oder es der Mannschaft nicht läuft. In jenen Momenten also, in denen ein Leader die (unvermeidlichen) missglückten Aktionen am Ball eben nicht mit mangelndem Lauf- und Defensivverhalten oder negativer Körpersprache akzentuieren sollte. 

Und genau hier sehe ich den einen Makel, der Shaqiri meiner Meinung nach davon abhält, der wirklich beste Super-League-Spieler aller Zeiten zu sein. Denn da gab es halt auch Spielertypen wie einen Kim Källström oder auch Blerim Dzemaili, die es schafften, deutlich schwächere Teams und die Liga zu prägen. Zwar nahezu ohne Tore oder spektakuläre Offensivmomente, dafür aber mit jener Art von Verlässlichkeit, die «Shaq» immer wieder mal abgeht. Dafür sorgt er immer wieder mal für ein Highlight – und ist darin in der Tat kaum zu übertreffen.
 

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