Rory McIlroy vollendete endlich den Karriere-Grand-Slam. Elf Jahre nach seinem letzten Major-Triumph. Augusta - lange Zeit Bühne seiner grössten Enttäuschungen - wurde zur Bühne seiner Erlösung.
Eine der grössten offenen Geschichten im Golfsport ist geschrieben.
Und genau deshalb beginnt nun eine neue.
Jahr eins nach Rory. Und wieder ist alles offen.
Justin Rose - Konstanz, Klasse, knapp gescheitert
Einer, der diese Geschichte beinahe selbst geschrieben hätte: Justin Rose. Vergangenes Jahr verlor der Engländer im Stechen gegen Rory McIlroy. Es war bereits sein zweites Playoff-Drama. 2017 unterlag er Sergio Garcia - ebenfalls nach einem Birdie am ersten Extraloch. Eine unglaubliche Statistik.
Rose - der ewige Herausforderer.
22 Top-Ten-Platzierungen bei Majors.
Siebenmal unter den besten Drei.
Aber nur ein Major-Sieg: die US Open 2013.
Zweimal knapp gescheitert in Augusta. Zweimal ganz nah am Grünen Jackett. Rose gehört zu jenen Spielern, die in Jahr eins nach Rory selbst nach ihrer Augusta-Geschichte greifen könnten.
Zumal die Form stimmt: In dieser Saison gewann Rose die Farmers Insurance Open - mit sieben Schlägen Vorsprung. Augusta wäre die logische Fortsetzung. Oder endlich der grosse Moment.
Die LIV-Leute - Form, Fokus, Favoriten
Die LIV-Stars reisen mit Form und Fokus an.
Bryson DeChambeau will Augusta mehr als jedes andere Turnier. In seinem Haus in Dallas hat er sich einen "Masters Room" eingerichtet - komplett in Grün. Eine Hommage. Ein Ziel. Und aktuell auch die passende Form: Siege bei den LIV-Events in Singapur und Südafrika - zwei perfekte Generalproben für Augusta.
Vergangenes Jahr stand DeChambeau im Finalflight am Sonntag - gemeinsam mit Rory McIlroy. Zwischenzeitlich sogar in Führung. Am Ende blieb erneut nur die Nähe zum grossen Triumph. Schon häufiger war DeChambeau dicht dran: Platz sechs 2024, Platz fünf 2025. Augusta scheint für ihn nur eine Frage der Zeit.
Jon Rahm weiss ohnehin, wie man in Augusta gewinnt. Der Masters-Champion von 2023 hat in dieser Saison bereits wieder triumphiert - Sieg in Hongkong. Sein bislang "schwächstes" Ergebnis: ein geteilter fünfter Platz. Permanenter Protagonist auf der ersten Seite der Leaderboards. Beweis dafür: seine grandiose und zugleich groteske LIV-Saison 2025. Ohne einen Einzelsieg gewann Rahm dennoch die LIV-Gesamtwertung. Nach über 500 Tagen ohne Sieg folgte nun endlich wieder der nächste Erfolg. Rahm ist zurück - und Augusta liegt ihm.
LIV-Abgänger - Major-Mentalität, Masters-Moment
Brooks Koepka, von Sky Sport Kommentator Florian Fritsch als Geheimfavorit genannt, bringt Major-Mentalität (fünf Siege) und Augusta-Erfahrung mit - ein Spieler, der gerade bei den grossen Turnieren immer wieder zur Höchstform aufläuft.
Patrick Reed, Masters-Champion von 2018, reist ebenfalls mit Rückenwind an: zwei Siege auf der DP World Tour in dieser Saison, dazu ein geteilter zweiter Platz. Reed und Augusta - das passt traditionell.
Souverän, solide, Scheffler
Scottie Scheffler bleibt der Massstab. Der aktuelle Weltranglistenerste gewann direkt sein erstes Turnier des Jahres - The American Express - und bestätigte damit früh seine Topform.
Seine Augusta-Bilanz der vergangenen vier Jahre:
Erster. Zehnter. Erster. Vierter.
Diese Zahlen: ein Scheffler-Statement.
Konstanz, Kontrolle, Klasse. Scheffler gehört auch in Jahr eins nach Rory zu den grössten Favoriten. Zudem ist gerade sein zweites Kind auf die Welt gekommen.
Vielleicht bekommen wir ja sogar den Final-Flight: Scottie Scheffler gegen Rory McIlroy. Die beiden Führenden der Weltrangliste. Die Neuauflage des Ryder-Cup-Einzels von 2025. Sportlich liesse sich das kaum dicker auftragen.
Tiger Woods - Drama vor dem ersten Abschlag
Ein Drama wurde in diesem Jahr schon geschrieben, bevor das Turnier überhaupt begonnen hat. Nachdem Tiger Woods 2025 nicht dabei sein konnte, stand der 15-malige Major-Champion in diesem Jahr endlich wieder auf der offiziellen Spielerliste. Dazu feierte er Ende März sein Comeback in der Indoorliga TGL. Die Golfwelt sehnte sich nach dem grossen Tiger - beim grössten Golfturnier der Welt.
Doch dann der nächste Rückschlag. Ein erneuter Unfall stoppte die Comeback-Hoffnungen abrupt. Die Masters-Woche 2026 - doch wieder ohne Tiger. Auch das gehört zu Jahr eins nach Rory.
Und doch bleibt die Gewissheit: Kaum jemand hat dieses Turnier so geprägt wie Woods. Und kaum jemand hat so oft bewiesen, dass Abschiede bei ihm selten endgültig sind.
Keine Deutschen - ein Kapitel geschlossen
Erstmals seit Jahren findet das Masters ohne deutsche Beteiligung statt. Schade. Bernhard Langer, Sieger von 1985 und 1993, hat im vergangenen Jahr seinen Abschied gefeiert - und bewusst entschieden, trotz lebenslangem Startrecht nicht mehr anzutreten. Eine Ära endet. Augusta ohne Langer - das bleibt ungewohnt.
Stephan Jäger war 2024 und 2025 am Start, schaffte im vergangenen Jahr sogar den Cut. Aktuell liegt er jedoch ausserhalb der Top 50 der Welt - und verpasst damit die automatische Qualifikation.
Jahr eins nach Rory beginnt.
Und das Masters sucht seinen nächsten Mythos.