Jetzt ist es zu: Schweizer Gewinner und Verlierer des Winter-Transferfensters
Rien ne va plus, nichts geht mehr. Seit gestern Abend ist das Winter-Transferfenster auch in der Schweiz geschlossen. Wer hat kurz vor Torschluss noch einmal zugeschlagen, wer bereits in den Wochen zuvor und wer hat generell die Chance verpasst, sich in den letzten sechs Wochen zu verbessern? Wir fassen die grössten Gewinner und Verlierer des Schweizer Transfer-Winters für euch zusammen.
Gewinner: FC Basel
Rein sportlich gesehen, hat der FC Basel auf dieser Liste nichts zu suchen. Als doppelter Titelverteidiger in die Saison gestartet, ist der FCB Mitte Februar in sämtlichen Wettbewerben bereits geschlagen. Nur: Das Basler Versagen in dieser Spielzeit lässt sich nicht alleine auf mangelnde oder falsche Transfers in diesem Winter beschränken, in dem sich der Verlust des Meistertitels bereits nach dem ersten Rückrundenspieltag abzeichnete. Stattdessen haben die Bebbi im letztmöglichen Moment noch einen Weg gefunden, wenigstens in einem Aspekt der Liga-Krösus zu bleiben: Dank der mit den Transfers von Jonas Adjetey (zu Wolfsburg) und Philip Otele (neu HSV) generierten 10 Mio. CHF an Ablöse, sind die Basler einsame Ligaspitze.
Gewinner: GC
Das kam überraschend: Der mit Abstand aktivste Klub auf dem Winter-Transfermarkt waren die Zürcher Grasshoppers. Nicht, dass dieser Schritt sportlich nicht dringend notwendig gewesen wäre, zum ersten Mal seit Langem setzten ihn die Hoppers jedoch auch in die Tat um, und das nicht nur mit Spielern vom Winter-Schlussverkauf. Mit Sven Köhler, Michi Frey und Bachir Ngom kamen drei erfahrene Spieler neu in die Limmatstadt, die GC im Abstiegskampf sofort helfen, ein vierter (Luka Mikulic) möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft. Im Vergleich zur Konkurrenz im Tabellenkeller ist das viel, war aber auch alternativlos. Und auch so wird GC vermutlich bis zum letzten Spieltag um den Ligaerhalt (ob direkt oder via Barrage) kämpfen müssen.
Verlierer: Stephan Lichsteiner
Als Spieler gehörte er zu den grossen Figuren des Schweizer Fussballs in den vergangenen beiden Jahrzehnten, erlebte schon in jungen Jahren die beiden vorläufig letzten Meistertitel der Grasshoppers mit. Deutlich weniger erfolgreich verlief bislang Lichtsteiners Start in seine Trainerkarriere. Unabhängig davon, dass der gebürtige Luzerner zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt (zu Beginn zweier englischer Wochen) und quasi aus dem Nichts (Lichtsteiner war zuvor Trainer von Erstligist Wettswil-Bonstetten) verpflichtet wurde, konnte er die überschaubaren Erwartungen bislang nicht erfüllen. Lediglich ein Sieg und ein Remis stehen auf dem Startkonto des ehemaligen Nati-Captains, der gleichzeitig das Aus in der Europa League, im Cup und im Meisterschaftsrennen (mit)verantwortet. Im Letzteren ist Basels Rückstand seit Lichtsteiners Ankunft sogar von zehn auf 18 Zähler angestiegen, was durchaus als Hypothek betrachtet werden kann. Der Vertrag des 42-Jährigen läuft bis 2029 – so lange soll er sich aber besser nicht Zeit lassen, um nachhaltig positive Spuren zu hinterlassen.
Gewinner: Lausanne-Sport
Gratulation in die Olympiastadt. Mit Omar Janneh (19) ist den Lausannois der perspektivisch sicher interessanteste Transfer dieses Winters gelungen. Der spanische U-Internationale (Vertrag bis 2030) konnte für rund 2 Mio. CHF fix von Atletico Madrid übernommen werden und liefert bereits kräftig ab (vier Tore in sechs Einsätzen). Und auch der zweite Lausanner Perspektivtransfer, Rechtsverteidiger Theo Bergvall (21), hat sich in der Olympiastadt direkt einen Platz in der Stammelf erobern können. Das sind gute Vorzeichen in einem Klub, der in dieser Spielzeit national keine grossen Ziele mehr verfolgen kann. Und habe ich schon erwähnt, dass die Waadtländer den nicht immer überzeugenden Innenverteidiger Bryan Okoh (22) parallel für rund 2,50 Mio. CH an die AJ Auxerre verkaufen konnten?
Gewinner: YB
Auch für den zweiten SL-Giganten gilt: In Sachen Titeln ist diese Spielzeit bereits gelaufen. Trotzdem haben die Young Boys auf dem Transfermarkt kurz vor Torschluss noch einmal zugeschlagen und rund 3 Mio. CHF in Stürmer Samuel Essende (28) investiert, der vom FC Augsburg kommt. Sein Transfer ist sicher nicht risikofrei, aber auch nicht der Grund, warum ich die Transferaktivitäten von YB positiv sehe. Viel mehr gefällt mir, dass die Berner trotz Druck auf dem Kessel die Ruhe bewahrten, sich punktuell und mit Blick auf die Zukunft verstärkten ( LV Stefan Burkinac) und es zudem schafften, mindestens zwei ihrer Talente regelmässige Super-League-Spielpraxis zu verschaffen, ohne in Gefahr zu laufen, sie zu verlieren. Nachdem Mittelstürmer Emanuel Tsimba und Linksverteidiger Rhodri Smith diesen Frühling nämlich mit GC und Winterthur den Abstiegskampf bestritten haben, kehren sie im Sommer mit deutlich mehr Spielminuten in den Beinen zurück, als sie sie in Bern je hätten sammeln können.
Verlier: FC Winterthur
Rang 12, 14 Punkte aus 25 Spielen und sieben Zähler Rückstand auf den vielleicht rettenden Barrageplatz. Dass der FC Winterthur zu den Verlierern der bisherigen Spielzeit gehört, liegt also auf der Hand. Dass er dies allerdings auch in der jüngsten Transferperiode tut, hat viel mit der direkten Konkurrenz im Abstiegskampf und deren Möglichkeiten zu tun. Denn die Erkenntnis, dass Verstärkungen der eigenen Mannschaft gut tun würden, hatte man bestimmt auch in der Eulachstadt. Was hingegen fehlte: Die Mittel, um mögliche Pläne und Ideen auch umzusetzen. Und so ruhen die Hoffnungen auf einer 19-jährigen YB-Leihgabe (Rhodri Smith), dem aus der Vereinslosigkeit geholten Mirlind Kryeziu und den aktuell noch verletzten, aber hoffentlich bald zurückkehrenden Leistungsträgern Loic Lüthi und Nishan Burkart. Das ist nicht viel und erhöht den Druck auf dem FCW vor dem morgigen Nachtragsspiel gegen St. Gallen, abschreiben sollte man die Winterthurer jedoch noch nicht. Bereits im vergangenen Jahr stellte Winti seine Widerstandsfähigkeit mit einem fulminanten Schlussspurt eindrücklich unter Beweis.
Gewinner: FC Zürich
Der FCZ, der in der Winterpause mit Steven Zuber, Jahnoah Markelo, Junior Ligue und Mariano Gomez ganz viel Erfahrung und Qualität verlor und folgerichtig in der Super-League-Tabelle nurmehr Rang 9 belegt? Ja, genau der. Denn wenn dieser FCZ für Spieler mit der Kragenweite eines Markelo, Ligue oder Gomez rund 8 Mio. CHF auslösen kann, dann muss er dies ganz einfach tun. Auch wenn die kurzfristige Leistungsfähigkeit dadurch einem echten Stresstest unterzogen wird.
Verlierer: FC Zürich
Jener FCZ, der soeben unter den Gewinnern dieser Winter-Transferperiode aufgelistet wurde? Ja, genau der. Denn während die Zürcher ihre Kassen zuletzt mit gern gesehenen Transfereinnahmen füllen konnten, fällt die sportliche Bilanz der letzten Wochen durchaus ernüchternd aus. Insbesondere mit Zuber, Markelo und Gomez ging viel sportliche Qualität, Leadership und Widerstandsfähigkeit verloren, die der Stadtklub in den kommenden Wochen noch stark vermissen könnte. Die aktuelle Tabellensituation ist zwar noch einigermassen komfortabel, aber schon eine Niederlage im Derby gegen GC könnte die Lage beim Tabellen-9. akut verschärfen. Das weiss natürlich auch der FCZ und hat zuletzt mit Alexander Hack, Valon Berisha und Ivan Cavaleiro in jeder Reihe noch einmal viel Palmarès und Erfahrung eingekauft. Ob diese Art von perspektivlosen Transfers (mit Verträgen bis Ende Saison) jedoch dem Anspruch eines Klubs entsprechen, der sich in der Schweiz unter den Top 4 sieht, ist im besten Fall fraglich.