Johan Manzambi – schon bald zu gross für Freiburg
Heute Abend empfängt der SC Freiburg im ersten Europacup-Viertelfinal seiner Geschichte den spanischen Tabellensechsten Celta Vigo zum Hinspiel. Für Johan Manzambi ist es die nächste Gelegenheit, Werbung in eigener Sache zu betreiben.
Der 20-jährige Genfer Johan Manzambi hat aufregende Wochen hinter sich – und auch vor sich. Im Januar 2023 wagte er den Sprung aus dem Nachwuchs von Servette in die U19 von Freiburg, wo ein Steigerungslauf begann. Nach einem halben Jahr wechselte er intern in die zweite Mannschaft und spielte in der Regionalliga, wiederum ein Jahr später, im Sommer 2024, erfolgte die Beförderung zu den Profis. Und dann ging es so richtig los.
Im September 2024 gab er sein Debüt in der Bundesliga und ab Januar 2025 kam er dort regelmässig zum Einsatz. Heute ist Manzambi nicht mehr aus dem Team wegzudenken. Im Fachmagazin Kicker hat der in dieser Saison den drittbesten Notenschnitt aller Freiburger, nur der 51-fache Nationalspieler Matthias Ginter und Goalie Noah Atubolu wurden noch höher bewertet. Manzambi hat am drittmeisten Einsatzzeit der Feldspieler der Breisgauer und ist mit wettbewerbsübergreifend fünf Treffern die Nummer 5 unter den Torschützen.
Sein letztes Tor erzielte Manzambi am vergangenen Samstag gegen die Bayern, als er mit seinem Team eine Last-Minute-Niederlage erlitt. Manzambi zeigte eine starke Leistung und bezwang Manuel Neuer kurz nach der Pause mit einem satten Weitschuss – es war ein Prachtstreffer zum zwischenzeitlichen 1:0. Manzambi wurde schliesslich in der 78. Minute beim Stand von 2:0 für Freiburg ausgewechselt und erlebte die irre Wende in diesem Spiel von der Bank aus: Die Bayern siegten dank drei später Tore noch 3:2.
Viel Lob von verschiedenen Seiten
Manzambi war auch gegen den Rekordmeister einer der Besten und zeigte, welche Qualitäten in ihm stecken. Nicht umsonst ist er bereits zehnfacher Nationalspieler und dreifacher Torschütze für die Schweiz und schwärmt auch Murat Yakin von ihm. «Er hat einen unglaublichen Tordrang, das habe ich noch selten bei einem Spieler gesehen», lobte der Nationalcoach seinen Shootingstar im vergangenen Oktober nach dem 2:0-Sieg gegen Schweden, bei dem der Genfer in der 84. Minute ins Spiel kam und in der Schlussphase zum Endresultat traf. «Er hat einen solchen Hunger, ein Tor zu schiessen. Es ist wirklich erfreulich, ihm zuzuschauen.»
Viel Lob erhielt Manzambi auch schon von Ex-Nationalspieler Philippe Senderos, der schwärmte. «Er kann eine ganz grosse internationale Karriere machen.» Für ihn gelte «The sky is the limit». Ähnlich tönt es von seinem Freiburger Teamkollegen Vincenzo Grifo, der Manzambi zutraut, «ein ganz, ganz Grosser zu werden». Und Klemens Hartenbach, Sportdirektor des SC Freiburg, wurde in deutschen Medien nun folgendermassen zitiert: «Johan hat eine Mischung aus Unbekümmertheit, keiner Angst vor irgendwas und fussballerischer Qualität.» Grundsätzlich sei Manzambi ein «offensiv denkender Mittelfeldspieler», doch inzwischen reichere er das mehr und mehr mit defensiver Verantwortung an.
Brachial und filigran
Dazu hat er die Gabe, gerade in der Offensive, sich bei Bedarf brachial durchzusetzen oder dann mit filigranem Spiel zu glänzen. Manzambi ist technisch stark, flink und unberechenbar, bisweilen aber auch etwas ungestüm, was sich auch darin widerspiegelt, dass er in dieser Saison schon zweimal Rot kassierte. Wenn er diesen kleinen Makel noch ausmerzt und sich auch defensiv noch ein wenig verbessert, bekommen die Worte von Philippe Senderos wohl definitiv Gültigkeit und hat der 20-jährigen Genfer fast keine Grenzen.
Klar ist: Mit seinen Leistungen hat er sich ins internationale Rampenlicht katapultiert. Und nun stehen mit den Viertelfinals in der Europa League und später der WM weitere Highlights an, die er als persönliche Bühne nützen kann. Das Interesse ist ihm dabei gewiss, längst haben viele Topklubs seinen Namen notiert. Als potenzielle Arbeitgeber der Zukunft wurden für Manzambi, dessen grösstes Ziel es ist, irgendwann die Champions League zu gewinnen, etwa Bayern München, Arsenal, Paris Saint-Germain, Chelsea, Napoli, Manchester United oder auch Bayer Leverkusen genannt. Klubs mit Strahlkraft also – und mit finanzieller Potenz. Und die ist auch nötig.
Künftiger Rekordtransfer?
Aktuell wird der Marktwert des Schweizers auf 35 Millionen Euro beziffert, Tendenz steigend. Eine der Stärken Manzambis ist eine Vielseitigkeit, er kann im defensiven Mittelfeld ebenso spielen wie auf der Spielmacherposition oder auf dem Flügel, wobei Julian Schuster, sein Trainer bei Freiburg schon sagte: «Johan hat seine grössten Stärken im Offensivbereich. Er ist unberechenbar, kann sich aus wenig Raum Möglichkeiten erarbeiten und ist torgefährlich.»
Wie die Zukunft von Manzambi aussieht, ist offen. Klar scheint einzig, dass er schon bald zu gross ist für Freiburg und den Klub verlassen wird. Klar ist, dass er aufgrund seines bis 2030 laufenden Vertrags seinem Arbeitgeber auch viel Geld aufs Konto spülen wird. Bisheriger Rekordverkauf der Freiburger war Kevin Schade, der 2023 für 25 Millionen Euro zu Brentford wechselte. Sollte Manzambi weiterhin Gas geben und in den kommenden Monaten für die Schweiz und Freiburg auf der internationalen Bühne glänzen, dürfte er diesen Rekord brechen oder gar pulverisieren. Zur Erinnerung: Den Transferrekord für Schweizer Spieler hält nach wie vor Granit Xhaka, dessen Wechsel 2016 von Gladbach zu Arsenal für eine Ablösesumme von 45 Millionen Euro sorgte.