Kein Wochenende der Schweizer Söldner
Der grosse Jubel blieb aus: Kein Schweizer konnte sich am Wochenende in den europäischen Top-5-Ligen als Torschütze feiern lassen, wie ein Überblick zeigt. Stattdessen herrschte gerade in Dortmund grosser Frust, wo die Saison titellos enden wird.
In Deutschland schauten am Samstagabend die meisten Fussballfans gebannt nach Dortmund, wo der Klassiker stattfand und der Gastgeber versuchte, nochmals etwas Spannung in die Meisterschaft zurückzubringen. Gregor Kobel und seine Kollegen kämpften auch tapfer gegen Rekordmeister Bayern – und verloren am Ende nach einem herrlichen Volley-Treffer von Joshua Kimmich doch mit 2:3. «Wir haben einen geilen Fight gezeigt. Ich finde, wir haben alles gegeben», sagte Gregor Kobel nach der Niederlage. Man habe versucht, die Fans mitzunehmen, physisch zu sein, es den Bayern schwer zu machen. «Das ist uns über lange Zeit gelungen, aber am Ende machen sie es einfach sehr, sehr gut vor dem Tor. Das ist frustrierend und tut unfassbar weh», so Kobel, der neben dem Kimmich-Treffer in der 87. Minute auch zwei Tore von Harry Kane kassierte.
Damit war für die Borussia eine gebrauchte Woche perfekt. Am Mittwoch hatten die Dortmunder in den Champions League-Playoffs in Bergamo gegen Atalanta 1:4 verloren und waren aus der Königsklasse ausgeschieden, wobei Nati-Goalie Kobel mit einem Patzer seinen Anteil geleistet hatte. In der Meisterschaft beträgt der Rückstand auf die Bayern zehn Spiele vor Schluss elf Punkte, so dass auch hier die Titelträume geplatzt sind. Und im Pokal sind Kobel und sein Team bereits im Achtelfinal an Leverkusen gescheitert, so dass eine Saison ohne Trophäe Tatsache wird.
Immerhin liegen die Dortmunder auf Top-4-Kurs, um auch in der neuen Saison in der Champions League dabei zu sein. Und auch der VfB Stuttgart darf königlich träumen, gewann mit Luca Jaquez, der nach 68 Minuten ausgewechselt wurde, gegen Wolfsburg 4:0. Damit werden die Abstiegssorgen bei den Wölfen, bei denen Ex-Nati-Goalie Diego Benaglio im Aufsichtsrat sitzt, immer grösser.
Nächster Punkt für Mainz
Im Kampf am Tabellenende feierten einige Schweizer wertvolle Punktgewinne. Werder Bremen gewann – allerdings ohne Isaac Schmidt, der auf der Ersatzbank schmorte –gegen Schlusslicht Heidenheim (in der zweiten Hälfte mit Leonidas Stergiou) 2:0 und arbeitete sich dank des ersten Sieges nach 13 Spielen auf Barrage-Rang 16 vor. Mainz schnupperte auswärts gegen Leverkusen (mit Jonas Omlin als Ersatzgoalie) am Sieg, kassierte aber in der 88. Minute, als Captain Silvan Widmer schon ausgewechselt worden war, noch den 1:1-Ausgleich. Die Mainzer, die unter Trainer Urs Fischer in elf Liga-Spielen beachtliche 17 Punkte gewonnen haben, bleiben damit über dem Strich. Doch die Abstiegsgefahr ist längst nicht gebannt. «Jeder weiss, dass es noch ein langer und harter Weg wird, bis wir gerettet sind», hatte Captain Widmer zuletzt gegenüber dem «Blick» gesagt und über Trainer Urs Fischer nur lobende Worte gefunden: «Er hat uns taktisch weitergebracht. Jeder Spieler kennt seine Aufgabe und wir wissen in jeder Phase des Spiels, was wir vorhaben.» Das Selbstvertrauen sei zurück. Und auch menschlich passe es zwischen Team und Trainer. «Urs ist sehr direkt und ehrlich. Bei ihm weiss man, woran man ist.»
Unmittelbar vor den Mainzern liegen in der Tabelle weitere Klubs mit Schweizer Beteiligung. Der 1. FC Köln, der ohne Joël Schmied (Muskelverletzung) gegen Augsburg 0:2 verlor; die Borussia Mönchengladbach, die mit Nico Elvedi Union Berlin 1:0 besiegte und nach sieben Spielen endlich wieder gewann, und der Hamburger SV, der mit Miro Muheim daheim gegen RB Leipzig 1:2 verlor. Für die Augsburger, bei denen Fabian Rieder und Cédric Zesiger durchspielten, war der erwähnte Sieg gegen Köln enorm wertvoll. Dank dem dritten Dreier in Folge rückten sie auf Rang 9 vor, liegen nur zwei respektive drei Punkte hinter Freiburg und Frankfurt, die am Sonntag aufeinandertrafen. Die Frankfurter mit Aurèle Amenda siegten gegen die Freiburger (mit Bruno Ogbus, aber ohne den gesperrten Johan Manzambi) mit 2:0.
Startelf-Comeback von Xhaka
In England gab Sunderland-Captain Granit Xhaka nach seiner Knöchelverletzung sein Comeback in der Startelf und war beim 1:1 gegen Bournemouth wie gewohnt der Denker und Lenker in seinem Team, ehe er eine Viertelstunde vor Schluss Feierabend machen durfte, nachdem er bei einem harten Einsteigen von seinem Gegner am Fuss getroffen worden war. Fabian Schär fehlte bei Newcastle (2:3 gegen Everton) ebenso verletzt wie Zeki Amdouni bei Burnley (3:4 gegen Brentford) und Noah Okafor bei Leeds (0:1 gegen Manchester City). Stürmer Dan Ndoye kommt bei Nottingham einfach nicht auf Touren, war bei der 1:2-Niederlage gegen Brighton einmal mehr nur Kurzarbeiter und wurde acht Minuten vor Schluss eingewechselt. Nach seiner Verletzungspause hat Ndoye in sieben Spielen nur 117 Spielminuten gesammelt. Es ist eine alarmierende Bilanz.
In Spanien kam es in Sevilla zum Schweizer Duell. Betis Sevilla mit Ricardo Rodriguez und der FC Sevilla mit Djibril Sow aber ohne den verletzten Ruben Vargas trennten sich 2:2. In der Tabelle liegt Betis damit weiterhin auf Rang 5, während der Stadtrivale den elften Platz belegt, einen Punkt vor dem FC Valencia, der mit Filip Ugrinic und Eray Cömert gegen Osasuna 1:0 gewann.
In Frankreich feierte Titelverteidiger Paris Saint-Germain gegen Le Havre (Felix Mambimbi war nur Ersatz) einen 1:0-Minisieg, profitierte vom Patzer von Lens (1:1 gegen Strassburg) und baute die Tabellenführung auf vier Punkte aus. In Sichtweite mit den Top 3 ist nach wie vor Rennes, das gegen Toulouse 1:0 gewann, wobei Breel Embolo erst in der 81. Minute eingewechselt wurde. Drei Punkte gewann auch die AS Monaco, die mit Goalie Philipp Köhn und Captain Denis Zakaria gegen Angers 2:0 siegte. Goalie Yvon Mvogo trennte sich mit Lorient 2:2 von der AJ Auxerre, bei der Innenverteidiger Bryan Okoh zum dritten Mal in Folge durchspielte.
Inter auf Titelkurs
Yann Sommer und Manuel Akanji haben nach dem bitteren Out in der Champions League gegen Bodö/Glimt in der Meisterschaft die Pflicht erfüllt und gegen den FC Genua (mit Ersatzgoalie Benjamin Siegrist) 2:0 gewonnen. Inter hat damit als Leader zehn Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger AC Milan, der ohne Ardon Jashari (Ersatz) und in den letzten zehn Minuten mit Zachary Athekame gegen Cremonese 2:0 gewann. Der Sieg war aber alles andere als überzeugend, die beiden Tore fielen in der 90. und der 94. Minute. Fürs Derby am kommenden Sonntag gegen Inter ist definitiv eine Steigerung nötig.
Der frühere Luzerner Sascha Britschgi trennte sich mit Parma 1:1 von Cagliari und spielte einmal mehr durch, und bei Ulisses Garcia scheint es, dass der Wechsel von Marseille zu Aufsteiger Sassuolo goldrichtig war. Der Linksverteidiger stand zum zweiten Mal in Folge in der Startformation, spielte erneut durch und feierte mit seinem Team den dritten Sieg in Serie. Erst heute Abend steht das grosse Schweizer Derby auf dem Programm, wenn Pisa, der Arbeitgeber von Michel Aebischer, Filip Stojilkovic und Daniel Denoon ,den FC Bologna mit Remo Freuler und Simon Sohm empfängt.