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Macdonald, Darnold und die Patriots? Die Super Bowl, die niemand kommen sah

Patrick

Es ist angerichtet: In der Nacht auf Montag (00:30 Schweizer Zeit) steigt in Santa Clara (Kalifornien) Super Bowl LX zwischen den New England Patriots und den Seattle Seahawks. Ein Duell zweier Teams, das so vor Saisonbeginn mit Sicherheit niemand kommen sah und gleichzeitig ein Re-Match eines der spektakulärsten Endspiele aller Zeiten. Und auch sonst hat die Affiche zwischen den Pats und den Hawks reichlich Fleisch am Knochen.

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Es ist angerichtet: In der Nacht auf Montag duellieren sich die New England Patriots (in weiss) und die Seattle Seahawks zum zweiten Mal nach 2015 um die Krone im American Football © Keystone / AP Photo / Gregory Payan

Déjà-vu (?)

Yogi Bera hätte seine helle Freude. Denn wenn sich die New England Patriots (17:3 Siege) und Seattle Seahawks (16:3 Siege) am frühen Montagmorgen zum Kick-Off aufstellen, tun sie das im grössten amerikanischen Sportereignis nicht zum ersten Mal. Vor elf Jahren trafen die beiden Teams in Super Bowl XLIX bereits einmal aufeinander, in einer Partie, die vor allem für ein Play in Erinnerung bleibt, der in die Super-Bowl-Geschichte einging. 25 Sekunden waren in Glendale, Arizona, nämlich noch zu spielen, als Cornerback Malcolm Butler den Pass von Seahawks-QB Russell Wilson auf der Goal-Line abfing und so den 28:24-Erfolg seiner Patriots im letzten Moment doch noch sicherte. Ein ultra-bitterer Moment für Seattle, dass vor diesem Spielzug von der 1-Yard-Linie sämtliche Trümpfe in der Hand gehalten hatte, sich dann aber gegen einen Laufspielzug mit dem zu jener Zeit kaum zu stoppenden Running Back Marshawn «Beastmode» Lynch entschied und sich damit ultimativ selbst ans Bein pinkelte. Elf Jahre später dürfte sich ein solcher Moment kaum wiederholen, auch wenn er beispielhaft dafür steht, dass im American Football in jedem Spielzug alles passieren kann.

 

Nicht schon wieder

Sechs Super Bowls. Alle gewonnen zwischen 2002 und 2019 und angeführt vom immer gleichen Duo: Head Coach Bill Bellichick und Über-QB Tom Brady. Keine Wunder, atmete halb Amerika auf, als New Englands Dynasty mit dem Abgang Bradys 2020 endlich zu Ende ging. Fertig Playoffs, ja sogar fertig Mittelmass hiess es auf einmal für die Franchise aus Boston, die innerhalb von fünf Jahren von ganz oben (Super Bowl LIII) nach ganz unten (acht Siege, 26 Niederlagen in den Spielzeiten 23 und 24) durchgereicht wurden. Die scheinbar gerechte Strafe für eine Organisation, die in Zeiten des Erfolges  auch immer wieder im Graubereich des Regelbuchs operiert hatte. Und nun? Sind die Patriots zurück, stehen im insgesamt zwölften Super-Bowl-Endspiel ihrer Geschichte und das nach dem vielleicht schnellsten und unerwartetsten Turnaround aller Zeiten. Mit Head Coach Mike Vrabel, einer starken Defensive (wetterbegünstigte 8,7 Punkte/Spiel in den Playoffs) und der zweitbesten Scoring-Offense (der Regular Season) rund um Jung-Quarterback Drake Maye (Nr. 3 im NFL-Draft 2024). Reicht das bereits wieder zum nächsten grossen Wurf? Mindestens halb Amerika möchte gar nicht daran denken.

 

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Die zwei Hauptfiguren des unerwartet schnellen Patriots-Umschwungs: Head Coach Mike Vrabel (l.) und QB Drake Maye (Keystone / AP Photo / Ashley Landis)

Well done, Titans

Apropos Mike Vrabel. Der gewann während seiner Spielerkarriere drei Super Bowls mit New England und wurde in der Nacht auf heute zum zweiten Mal zum NFL Coach des Jahres gewählt. Folgerichtig war der 50-Jährige ex-Linebacker also bereits vor seinem aktuellen Engagement als Head Coach tätig, und zwar bei den Tennessee Titans. Zwischen 2018 und 2021 coachte Vrabel die «Titanen» zu drei «Winning Seasons» in Folge, erreichte das AFC-Championship-Game 2019 und sicherte sich im Jahr 2021zum ersten Mal die Auszeichnung als bester seines Fachs. Trotzdem feuerte die in Nashville beheimatete Franchise ihren Erfolgscoach im Anschluss an die Saison 2023, weil sie laut Mehrheitsbesitzerin Amy Adams Strunk «frisches Blut» benötigte. Seitdem haben die Titans in zwei Spielzeiten ganze sechs Spiele gewonnen, Vrabels Nachfolger sowie den GM gefeuert und kommen im NFL Draft im April zum dritten Mal in Folge als eines der allerersten Teams zum Zug. Währenddessen hat sich der als eher konservativ geltende Erfolgscoach die Dienste seiner alten Weggefährten Terrell Williams und Zak Kuhr gesichert, mit denen er nur 13 Monate nach dem gemeinsamen Stellenantritt in Boston im Endspiel steht. Und das trotz einer schweren gesundheitlichen Krise: Defensive Coordinator Williams verpasste bislang aufgrund einer Krebserkrankung nämlich fast die gesamte Saison.

 

Mike wer?

Vrabel gegenüber steht in der Nacht auf Montag ein Mann, der (noch) bei Weitem nicht über das Palmarès seines Widersachers verfügt: Mike Macdonald, 38 Jahre alt und aktuell im zweiten Jahr seiner Tätigkeit als Chefcoach bei den Seattle Seahawks. Zuvor verantwortete der Georgia-Graduate u.a. die Defensive der Baltimore Ravens, spielte selbst aber nie auf höherem Niveau als der High School. Seit seiner Ankunft in Seattle aber bestehen keine Zweifel, dass Macdonald zu den Besten seines Fachs gehört. Gemeinsam mit GM John Schneider verantwortete er den für viele Aussenstehende überraschenden Umbruch im Angriff der Hawks, welche in den vergangenen beiden Offseasons die Hauptdarsteller ihrer Offense austauschten. Weg sind QB Geno Smith und die Wide Receiver Tyler Lockett und DK Metcalf, neu dabei Super-Receiver Jaxon Smith-Njigba (1'793 Yards und 10 TDs in der Regular Season), Veteran Cooper Kupp und Free-Agent-Quarterback Sam Darnold. Ergänzt wird der Kern der Seahawks-Offensive von Running Back Kenneth Walker III, der auch als Passfänger zu glänzen versteht, sowie einer opportunistischen Defensive ohne wirklich grossen Namen. Ganz im Stile ihres Architekten Macdonald, der die Hawks-D innerhalb von zwei Jahren von Rang 30 (erlaubte Yards) zu einer Top-6-Unit geformt hat.

 

Keystone_AP_Lindsey Wasson_QB Sam Darnold kann sich mit Triumph von Vergangneheit lösen
Straft er seine Kritiker am Montagfrüh endgültig Lügen? Seahawks Quarterback Sam Darnold (Keystone / AP Photo / Lindsey Wasson)

Wer zuletzt lacht…

Auf der wichtigsten Position vertraut Mike Macdonald wie erwähnt auf Quarterback Sam Darnold. Und der blickt im Alter von erst 28 Jahren bereits auf eine bewegte Karriere. 2017 in der ersten Runde an dritter Stelle von den New York Jets gedraftet, tat sich der 1,91 Meter grosse Rechtshänder lange Zeit schwer, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Er scheiterte in New York und Carolina, profilierte sich dann als guter Backup in San Francisco, ehe er nach einer Verletzung von Rookie J.J. McCarthy schliesslich in Minnesota die Chance zur Kurskorrektur packte. In 17 Regular-Season- Spielen führte er die Vikings zu 14 Siegen, brachte über 66% seiner Pässe an den Mann und warf für 4'319 Yards und 35 Touchdowns. Trotzdem entschieden sich die Vikings im Anschluss an die Saison (die mit einer Erstrundenniederlage in den Playoffs geendet hatte), Darnolds Vertrag nicht zu verlängern, was GM Kwesi Adofo-Mensah im Nachhinein den Job gekostet haben dürfte. Minnesotas Pech war Seattles Glück, knüpfte der gebürtige Kalifornier im Bundesstaat Washington doch nahtlos an seine Leistungen im Mittleren Westen an. Vom Duo Schneider/Macdonald mit einem vergleichsweise günstigen Dreijahresvertag über knapp 100 Mio. USD in den pazifischen Nordwesten gelockt, lieferte Darnold jüngst im Playoff-Duell mit den LA Rams sein Meisterstück (346 Yards, drei TDs, keine Interception) und führte seine Hawks somit in die erste Super Bowl seit 2015. Dort wird das vorläufig letzte Kapitel von Darnolds Karriere erst noch geschrieben, im Moment jedoch gibt es durchaus überzeugende Hinweise, die auf ein fast schon unschlagbares Happy End hindeuten.

 

Ein Schnäppchen

Knapp 5'000 USD kosteten gestern Abend die günstigsten noch verfügbaren Plätze zum grossen Showdown im Levi’s Stadium, knapp USD 20'000 die Teuersten. Ein regelrechtes Schnäppchen im Vergleich zu jenen Preisen, welche zuletzt für das Endspiel der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft in den Medien kursierten. Dort kommt man mit solchen Beträgen wohl bald nicht einmal mehr zu einem Parkplatz in Stadionnähe...

 

Prognose

Super-Bowl-Triumph Nr. 7 muss noch warten. Im inoffiziellen Duell mit ex-QB Tom Brady (gewann seine siebte Lombardi-Trophäe in der Saison 2020 mit den Tampa Bay Buccaneers) bleiben die Patriots vorerst auf ihren sechs Siegen sitzen. Die Seahawks krönen sich in ihrer 50. Saison zum zweiten Mal zum Champion und gewinnen ohne Last-Minute-Interception mit 27:20.

 

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