Michael Olise: Offensiv brillant, defensiv verlässlich
Der FC Bayern München eilt von Sieg zu Sieg. Ein Gesicht des Erfolgs ist der Franzose Michael Olise, aktuell vielleicht der beste Spieler der Welt.
Als Olise im Sommer 2024 für kolportierte 53 Millionen Euro von Crystal Palace nach München kam, wurde der Preis mancherorts als sehr stolz angesehen. Natürlich, es ist eine ansehnliche Summe. Doch wenn man sieht, wie sich der heute 24-Jährige entwickelt hat, war er schon fast ein Schnäppchen. In seiner ersten Saison erzielte er in 55 Wettbewerbsspielen 20 Tore und 23 Assists. Und aktuell stehen in der Statistik seines zweiten Bayern-Jahres 41 Spiele, 16 Tore und 29 Assists.
Damit ist er gemeinsam mit Harry Kane und Luiz Diaz ein wichtiger Teil der brillanten Bayern-Offensive, die auch in der Champions League gegen Real Madrid für viel Wirbel sorgte und massgeblich am 2:1-Sieg gegen die Spanier beteiligt war. Auch wenn Olise kein Tor erzielte, zeigte vor allem er eine Gala und führte bisweilen die spanischen Verteidiger mit seinen Dribblings und Tempowechseln vor. «Der Spieler, den man wirklich hervorheben muss, ist Olise. Er war grossartig für sie. Wie er sich mit und ohne Ball bewegt – starker Typ», wurde er danach von Real-Verteidiger Antonio Rüdiger gelobt.
Lob von allen Seiten
Nicht nur der deutsche Nationalspieler sprach nach der Olise-Gala von der grossen Klasse des Franzosen, auch viele Experten schwärmten. Liverpool-Legende Jamie Carragher, heute TV-Experte bei CBS, sagte nach dem Match: «Das ist eine der besten Leistungen, die ich in dieser Saison von einem Spieler gesehen habe. Wenn jemand so gut ist und du diese Situation hast, dann weiss der Verteidiger, gegen den er spielt, dass er an ihm vorbeigehen wird – er weiss nur nicht, auf welcher Seite.»
Eine der grossen Stärken des Franzosen ist, dass er keine schwache Seite hat – und das macht ihn so unheimlich unberechenbar. Der frühere französische Nationalspieler Thierry Henry sagt über seinen Landsmann: «Michael sieht Dinge, die nicht viele Leute sehen können. Er versteht das Spiel auf eine andere Weise. Er sieht das Spiel nicht nur mit seinen Augen, er versucht immer, sich vorzustellen, was als Nächstes passiert – und das beginnt bei ihm, sobald der Torwart den Ball abgibt.»
Der Traumtransfer vieler Klubs
Die sensationellen Leistungen haben natürlich Begehrlichkeiten geweckt, zumal der Franzose nicht nur offensiv zaubert, sondern auch defensiv verlässlich ist und seine Leistungen bringt. Auch wenn der Marktwert von Olise mittlerweile bei 140 Millionen Euro liegt und er sich den weltweiten Top 3 – Lamine Yamal (Barcelona), Erling Haaland (Manchester City) und Kylian Mbappé (Real Madrid) – annähert, die alle mit 200 Millionen Euro beziffert werden, träumen viele Klubs vom überragenden Franzosen. Allen voran der FC Liverpool, der einen Nachfolger für Mohamed Salah sucht und Real Madrid. Florentino Perez, der Präsident der Spanier, ist besonders heiss auf Olise, und so wird darüber spekuliert, dass die Königlichen ein Angebot von 160 Millionen Euro abgeben könnten.
Doch das können sie sich wohl sparen. Olise hat in München einen Vertrag bis 2029 – ohne Ausstiegsklausel. Zudem fühlt er sich bei den Bayern ganz offensichtlich pudelwohl und kann auf nationaler wie internationaler Bühne glänzen und um Trophäen kämpfen. «Wir spielen um Titel, und das ist das Wichtigste für solche Ausnahmespieler», erklärte Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen kürzlich. «Da gibt es nicht so viele Vereine, und wir sind sicherlich einer derjenigen, die das können. Deswegen bin ich total sicher, dass Michael weiss, was er an uns hat.»
Dass die Münchner nicht daran denken, ihren brillanten Offensivspieler zu verkaufen, unterstreicht auch Uli Hoeness: «Wir spielen dieses Spiel für unsere Fans. Wir haben 430’000 Mitglieder, wir haben viele Millionen Fans auf der ganzen Welt, und es nützt ihnen wenig, wenn wir 200 Millionen auf dem Konto haben und jeden Samstag deswegen schlechter Fussball spielen.»
Der Vergleich mit Kevin De Bruyne
Die Bayern sind begeistert von ihrem Franzosen. Trainer Vincent Kompany verglich ihn kürzlich mit Kevin De Bruyne, mit dem er bei Manchester City zusammenspielte: «Was Michael im Training an Details fordert: Da habe ich das Gefühl, ich sehe einen jungen Kevin.» Besonders begeistert ist der Übungsleiter von der Vielseitigkeit seines Rechtsaussen: «Was Michael macht, wie er schiesst, wie er dribbelt, rechter und linker Fuss – das habe ich schon einmal miterlebt bei einem Spieler.» Überzeugend sei auch die Einstellung von Olise, seine Mentalität: «Er arbeitet sehr detailliert und ist manchmal auch frustriert, wenn nicht alles hundertprozentig klappt. Und er wird immer besser und kann noch besser werden.»
Es sind Worte, die in den Ohren der gegnerischen Verteidiger wie Drohungen klingen müssen. Olises letztes Opfer war Reals Alvaro Carreras, mit dem man zwischenzeitlich fast Mitleid haben musste. Und so sagte sein Trainer Alvaro Arbeloa nach dem Match: «Er stand einem der besten Spieler der Welt gegenüber. Es ist nicht einfach, gegen einen solchen Spieler anzutreten.»
Die nächste Defensive, die nun versucht, die Bayern zu stoppen, ist am Samstagabend jene des FC St. Pauli. Beruhigend könnte sein, dass dieses Spiel zwischen den beiden Duellen gegen Real Madrid stattfindet und Trainer Kompany wohl dem einen oder anderen seiner Stars eine Verschnaufpause gönnt – darunter wohl auch Michael Olise. Aber auch ohne den Franzosen werden die Münchner ihre Rekordjagd weitertreiben – es fehlt nur noch ein Tor, um die eigene Bestmarke von 101 erzielten Treffern aus der Saison 1971/72 zu egalisieren.