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Mit Pauken und Trompeten: So hat Stephan Lichtsteiner keine Chance

Patrick

Am Montag waren der FC Basel und sein Trainer Teil der Basler Fasnacht. Ein wenig Ablenkung, ein bisschen Kultur und etwas Teambuilding in einer Phase, in der beim amtierenden Meister so ziemlich alles aus dem Ruder läuft (ein Sieg in den letzten sieben Spielen). Dabei mittendrin statt nur dabei: Trainer Stephan Lichtsteiner, der in seinem ersten Monat «on the job» vor allem gezeigt hat, dass er für ein Traineramt dieser Grösse (noch?) nicht bereit ist.

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Unmissverständlich unzufrieden: Basel-Trainer Stephan Lichtsteiner lässt seinen Emotionen (zu oft) freien Lauf © Keystone / Urs Flueeler

Noch immer der furchtlose Verteidiger

Stephan Lichsteiner, der Spieler? Ein Weltklasse-Verteidiger, der vieles mitbrachte, um auf seiner Position zu reüssieren: Herzblut, physische Stärke, hohe Motivation und auch eine gewisse Härte gegen sich selbst. Auf Lichtsteiner den Verteidiger konnte man sich verlassen, engagiert, emotional involviert und allzeit bereit, um ans Limit zu gehen. Auch Konfrontationen ging der 108-fache Internationale selten aus dem Weg. Alles passende Eigenschaften für einen rechten Verteidiger und Führungsspieler, der nicht alleine aufgrund seines überdurchschnittlichen Talents zu einer Weltkarriere ansetzte. Doch als Trainer steht er sich mit diesen Attributen bis jetzt vor allem selbst im Weg.

 

Wo Souveränität gefragt ist, greift Lichtsteiner an

Natürlich: Lichtsteiners Aufgabe war von Anfang an schwierig. Kaum im Amt, durfte der Profi-Trainer-Novize versuchen, die Basler Saison in Meisterschaft, Cup und Europa League zu retten. Das ging schief, was aber auch weitaus erfahreneren Trainern hätte passieren können. Was nicht hätte passieren dürfen, waren Aussagen und Aktionen des Basler Übungsleiters, mit denen er in den vergangenen Wochen regelmässig für  Stirnrunzeln sorgte. Wie nach dem 1:2 gegen Thun, als er – gerade sechs Tage im Amt – davon sprach, dass sich der FCB einen Trainer mit Antworten auf die aktuellen Probleme nicht leisten könne. Oder, als er nach dem späten 2:1 Siegtreffer gegen den FCZ über den halben Platz sprintete, um seinen ersten Sieg überschwänglich mit den eigentlichen Hauptprotagonisten vor der Muttenzer Kurve zu feiern. Oder natürlich vergangenes Wochenende in Luzern, als er erst Martin Soticek am Spielfeldrand blossstellte und im Anschluss an die Partie zum Frontalangriff auf die eigene Mannschaft ansetzte. Alles Aktionen die aufzeigen, dass Lichtsteiner die Aufgabe und Rolle eines Trainers noch nicht verinnerlicht hat, sich noch zu stark von Emotionen leiten lässt. Denn als Trainer geht es nicht darum, möglichst furchtlos und energisch aufzutreten, sondern darum, öffentliche Kritik auch einmal zuzulassen, sie auf sich zu nehmen und so das eigene Team zu schützen, während man sich in guten Momenten zurücknimmt.

 

Wie (k)ein guter Kapitän

Schliesslich sind auch Fussballprofis in erster Linie Menschen, mit Erwartungen und Bedürfnissen gegenüber einer Führungsperson, die weit über die sportlich-taktische Wettkampfvorbereitung hinausgehen. Nur wer es schafft, eine Mannschaft auch auf der menschlich-emotionalen Ebene abzuholen hat im Endeffekt eine Chance, die Art von Einheit zu formen, in der ein Team bereit ist, dem Trainer zu folgen. Oder wären Sie in ihrem Unternehmen dazu bereit, nachdem Sie ihr Chef zuvor öffentlich kritisiert hat, ohne sich dabei mit einzubeziehen? Vielleicht kann Stephan Lichsteiner den angerichteten Schaden intern in den kommenden Wochen irgendwie aufarbeiten, sich vor seiner Mannschaft rehabilitieren. Seine bisherige Amtszeit verleitet mich jedoch nicht dazu, daran zu glauben. Viel eher besteht die Gefahr, dass Lichtsteiner erstes Profi-Engagement in Basel schon sehr bald enden könnte.

 

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