Nach dem Skandal-Final: Die Strafe muss schmerzen
Der Final des Afrika-Cup 2026 geht als dramatisches Endspiel in die Geschichte ein und sorgt mancherorts für Empörung, Stirnrunzeln und rauchende Köpfe. Denn nun muss ein Zeichen gesetzt werden.
Er war irgendwie chaotisch, dieser Final zwischen dem Senegal und Gastgeber Marokko. Aber dass er am Ende so aus dem Ruder laufen würde, war nicht absehbar und bedingt nun Aufarbeitung und schmerzhafte Massnahmen.
Falsche oder je nach Perspektive zumindest äusserst heikle respektive streitbare Entscheide gehören zum Fussball. Auch in Zeiten des VAR sind diese längst nicht ausgemerzt. Die Ansammlung im Final zwischen Senegal und Marokko war aber schon bemerkenswert respektive grenzwertig. Nach einem fragwürdigen Penaltyentscheid unmittelbar vor dem Ende der regulären Spielzeit verliessen die Senegalesen den Platz aus Protest. Erschwerend kam dazu, dass zu Beginn der Nachspielzeit Senegals 1:0 nicht gegeben worden war – wegen eines Fouls, wobei der Entscheid zumindest umstritten war.
Die Gemüter kochten über, auch bei den Zuschauern im Stadion von Rabat. Ein Abbruch schien möglich. Dass der Final dennoch zu Ende gespielt werden konnte, lag auch an Senegals Superstar Sadio Mané, der sein Team dazu brachte, aufs Feld zurückzukehren. «Es wäre wirklich traurig und bedauerlich gewesen, einen Final so enden zu sehen. Es ist unmöglich, der Welt ein solches Bild zu vermitteln», erklärte er später. «Ich hätte lieber verloren, als so ein Ende zu erleben. Das hat mich dazu bewegt, den Jungs zu sagen, sie sollen auf den Platz zurückkehren und unseren Fussball spielen.»
Beschämend für Afrika
Das Spiel konnte zwar zu Ende geführt werden (der Senegal gewann übrigens 1:0), aber der Schaden ist gross. Rund 20 Minuten war das Spiel unterbrochen, Marokko-Trainer Walid Regragui sagte danach: «Das Spiel, das wir hatten, war beschämend für Afrika.» Senegal-Trainer Pape Thiaw erklärte hinterher: «Wir entschuldigen uns beim Fussball.» Doch Worte allein sind hier zu wenig.
Im Fussball geht es um viel Ruhm, viel Ehre und auch um massig Geld. Fehlentscheide des Schiedsrichters können schmerzhafte, teure Konsequenzen haben. Doch es legitimiert nicht, ein Spiel zu boykottieren, das Feld zu verlassen. FIFA-Präsident Gianni Infantino bezeichnete die Vorfälle in Rabat als «inakzeptabel» und verurteilte «das Verhalten einiger Fans sowie senegalesischer Spieler und Mitglieder des Trainerstabs aufs Schärfste». Es sei inakzeptabel, das Spielfeld auf diese Weise zu verlassen, «und Gewalt darf in unserem Sport nicht toleriert werden». Infantino erwartet, dass die zuständigen Disziplinargremien des afrikanischen Fussball-Verbandes CAF die entsprechenden Massnahmen ergreifen.
Und diese Massnahmen müssen schmerzen. Ein Zeichen an alle sein, dass solches Benehmen nicht toleriert wird. Denn im Endeffekt sind die Fussballprofis vor allem auch Vorbilder. Für «normale Menschen». Und für Junioren. Wo würden wir hinkommen, wenn jede vermeintliche Ungerechtigkeit einen Boykott, Streik, Arbeitsverweigerung mit sich bringen würde, der dann auch ohne Konsequenzen bliebe? Die Büchse der Pandora würde geöffnet, der Respekt und die Fairness mit den Füssen getreten. Plötzlich würden auch die jüngsten Kicker das Feld verlassen, wenn sie oder ihr Trainer sich benachteiligt fühlen. Chaos pur wäre alltäglich.
Schiri-Entscheide akzeptieren
Man kann von FIFA-Präsident Gianni Infantino halten, was man will, auch er ist eine streitbare Persönlichkeit. Doch mit seiner Aussage nach dem Eklat liegt er richtig: «Wir müssen die Entscheidungen der Schiedsrichter auf und neben dem Spielfeld stets respektieren.» Alles andere würde das Wesen des Fussballs gefährden. Die unschönen Szenen müssten verurteilt werden und dürften sich niemals wiederholen. «So etwas hat im Fussball nichts zu suchen.» Nun darf man gespannt sein, wie die Sanktionen ausfallen.