Noname, no Problem: 4 Torjäger, die vor der Saison niemand auf der Rechnung hatte
28. Spieltag in der Brack Super League und auf den ersten Blick erscheint die Torjägerliste reichlich unauffällig. Christian Fassnacht und Chris Bedia (je 15 Tore) stehen ganz vorne, gefolgt von bald-Hoffenheimer Alessandro Vogt (14 Tore). Doch der 20-jährige St. Galler Angreifer ist bei weitem nicht der einzige Newcomer, der in dieser SL-Kampagne positiv zu überraschen weiss. Hier sind vier weitere ehemalige Nobodys, die sich zum Teil erst kürzlich, dafür aber umso heftiger, in den Vordergrund gespielt haben.
Elmin Rastoder
In ein paar Wochen ist es aller Voraussicht nach soweit: Elmin Rastoder, bei GC und Vaduz aussortierter Mittelstürmer, wird Schweizer Meister. Und das nicht etwa als vierter oder fünfte Angreifer bei YB oder Basel, sondern als der Mann im Sturm von Emporkömmling FC Thun. Zumindest seit Beginn der Rückrunde, als er für den verletzten vormaligen Topscorer Christopher Ibayi in die Startelf rückte. Was folgte, ist ein kleines Fussballmärchen: Neun Tore und drei Assists in acht Partien und das von einem Spieler, der zuvor nie mehr als 12 Skorerpunkte in einer Saison (22/23 in der CL für Vaduz) verbuchen konnte. Doch eigentlich es nicht nur die Tatsache, dass Rastoder nach Belieben skort, die überrascht, sondern auch die Art und Weise, wie er das tut – überlegen, überlegt, technisch versiert und mit einer Selbstverständlichkeit, die auf Schweizer Plätzen ihresgleichen sucht. Im Sommer dürften sich dem 1,91 Meter grossen Wetziker darob gänzlich neue Perspektiven eröffnen: Entweder in der Champions-League-Qualifikation mit dem FC Thun, oder bei einem nominell grösseren Klub im In- oder Ausland. Sein 2027 auslaufender Vertrag eröffnet dabei sowohl dem fünffachen nordmazedonischen Internationalen als auch seinem Berner Oberländer Arbeitgeber unerwartet attraktive Perspektiven.
Rilind Nivokazi
Der Weg in den Profi-Fussball? Kann beschwerlich sein. Und kaum einer kann das besser bezeugen als Rilind Nivokazi, 26-jähriger Super-League-Rookie, der sich seine Chance in einer ersten Liga über die Stationen Bellinzona (Challenge League), Lugano 2, Chiasso, Rapperswil-Jona (alle Promotion League) sowie die italienische Serie C und Primavera erkämpfen musste. Einen nachhaltigen Eindruck hinterliess der kosovarisch-italienische Doppelbürger dabei eigentlich nur bei der ACB, mit der er sich in der letzten Saison zum CL-Torschützenkönig krönte (18 Tore / 2 Assists). Nun in Sion angekommen, überzeugt der 1,88 Meter grosse Mittelstürmer mit körperlicher Robustheit, gutem Speed und mannschaftsdienlicher Spielweise. Der Lohn: 27 Einsätze, welche er zu bislang elf Toren und zwei Vorlagen nutzen konnte. Bestwert in Sion, auch wenn er seit Rückrundenbeginn mit Ausnahme der Partie gegen YB (Hattrick) ein wenig an Ladehemmungen leidet. Findet er seinen Torriecher wieder etwas regelmässiger, sind die Walliser ein aussichtsreicher Kandidat, für einen überraschenden Platz unter den Top 4.
Luke Plange
Luke Plange? Der GC-Stürmer dürfte für einen grossen Teil der Schweizer Fussballanhänger nicht zu jenen Angreifern gehören, die in dieser Saison einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Es sei denn, man erinnert sich an den 17. Dezember 2025 und somit an jenen Abend, an dem der 23-jährige Brite die Berner Young Boys mit vier Toren quasi im Alleingang abschoss. Darüber hinaus ist der ehemalige Arsenal-Junior mittlerweile bei neun Saisontoren angelangt, u.a. dank seinen jüngsten Treffern gegen den FCZ (zum 1:2) und Lugano (zum 1:0-Siegtor). Völlig ungewohnte Höhen für den eher schlaksig wirkenden 1,88-Meter-Mann, der sich bei vergangenen Stationen beim FC Motherwell (schottische Premiership), HJK Helsinki sowie diversen Stops in der League One nie nachhaltig hatte durchsetzen können. Ob ihm dieser Schritt nun in Zürich gelingt? Der Rechtsfuss verfügt zwar über eine gute Technik, inklusive Abschluss, hat in Sachen Zweikampfstärke und Speed aber noch Luft nach oben. Weitere Argumente in der Form von Toren wären beim abstiegsbedrohten Rekordmeister mit Sicherheit willkommen.
Oscar Kabwit
Erst sechs Mal getroffen und trotzdem mit der torgefährlichste Angreifer der Liga (alle 125 Minuten ein Tor): Das ist Oscar Kabwit, 20-jährige Rückrunden-Senkrechtstart des FC Luzern. Sechs Tore und drei Vorlagen hat der technisch beschlagene und schnelle Kongolese in diesem Frühjahr bereits geliefert – nachdem in der Vorrunde ein einziger Assist gelungen war. Doch zuletzt lieferte Kabwit so zuverlässig, wie der lokale Lieferdienst des Vertrauens, war entscheidend am Turnaround einer anfänglich schwierigen Zentralschweizer Rückrunde beteiligt. Fünf Tore erzielte die Leihgabe des TP Mazembe in den letzten vier Partien und kann im heutigen Duell mit YB mit einem nächsten Treffer einen Luzerner Super-League-Rekord (Treffer in fünf aufeinanderfolgenden Partien) aufstellen. Wichtiger dürfte den Leuchten und ihrem Sturmtalent jedoch sein, sich mit drei Punkten die Chance auf eine Teilnahme an der Championship Group am Leben zu erhalten, bevor der Leihvertrag im Sommer ausläuft. Stand jetzt ist unvorstellbar, dass dieser nicht verlängert wird, bzw. der FCL seine Option nicht ziehen wird. Macht der Rechtsfuss nämlich so weiter, dürfte sein Marktwert bald deutlich mehr als die 500'000 Euro vom letzten Dezember betragen.