Nun kommt Thun: Verabschiedet sich der FCB aus dem Titeltrennen?
Fällt nach YB auch Titelverteidiger Basel? Diese Frage wird möglicherweise bereits am Wochenende beantwortet, wenn der Überraschungs-Leader aus dem Berner Oberland den Bebbi einen Besuch abstattet. Mit im Gepäck: 10 Punkte Vorsprung und die Gewissheit, den FCB mit einem Sieg wohl entscheidend zu distanzieren. Oder straft Basel sämtliche Kritiker lügen?
Breiter geht nicht
21 Spiele, 46 Punkte, 46:25 Tore: Das sind die Zahlen eines Meisterkandidaten, die Zahlen des FC Thun. Auch im neuen Jahr (zwei Spiele, sechs Punkte, 7:2 Tore) macht der Aufsteiger einfach dort weiter, wo er im Dezember aufgehört hatte. Mehr noch: Mit Mattias Käit ist ein unscheinbarer, aber verlässlicher Baustein des Thuner Erfolgspuzzles zurückgekehrt, in Elmin Rastoder (vier Tore, zwei Assists) ein potentieller Shooting-Star im Angriff hinzugekommen. Zuletzt zeigte sich der Leader GC und YB haushoch überlegen und reist mit maximal breiter Brust in den St. Jakob-Park, wo in erster Linie der FC Basel unter Druck stehen wird. Einerseits aufgrund der aktuellen Tabellensituation, andererseits, weil eigentlich immer noch relativ wenige den Thunern den Titel wirklich zutrauen. Was sich geändert hat: Anstatt den Young Boys oder dem FC Basel, ist aktuell der FC Lugano heissester Kandidat, um den Emporkömmling noch abzufangen.
Was macht Lichtsteiner?
Den idealen Zeitpunkt gibt es zum Glück nicht. Sonst hätte sich der FC Basel wohl mit Sicherheit über die Ansetzung des für den weiteren Verlauf der Meisterschaft so wichtigen Spiels gegen den frechen Aufsteiger beschwert. Schliesslich ist Stephan Lichtsteiner erst sei Dienstag im Amt, stand am Donnerstag in der Europa League zum ersten Mal an der Basler Seitenlinie und hatte Folge dessen noch kaum Zeit, um seine Ideen beim FCB einfliessen zu lassen. Sicher keine idealen Voraussetzungen für die Bebbi, aber sind sie deswegen gleich schlecht? So wie Rot-Blau im bisherigen Saisonverlauf unterwegs war, muss es nicht zwingend ein Nachteil sein, gar nicht die Möglichkeit gehabt zu haben, um alles auf den Kopf zu stellen. Und was, wenn die Basler noch nicht so genau wissen, wie sie dem Tabellenführer am Sonntag entgegentreten wollen? Der, in dieser Spielzeit kaum je von einem Gegner überrascht, weiss es dann nämlich auch nicht.
Probe aufs Exempel
Dass über dem Spitzenspiel ein Schleier der Ungewissheit herrscht, hat aber auch noch einen anderen Hintergrund: Xherdan Shaqiri, Dreh- und Angelpunkt des Basler (Offensiv)Spiels, fehlt am Sonntag nämlich gesperrt. Ein Nackenschlag für die Bebbi, die erst vor Wochenfrist in Zürich erleben durften, wie entscheidend XS für einen erfolgreichen Spielausgang noch immer sein kann. Klar ist, personell wird Lichtsteiner Shaqiri nicht 1:1 ersetzen können, muss das vielleicht aber auch gar nicht. Viel wichtiger wird für die Bebbi die Tatsache sein, den Verlust ihres Captains als Mannschaft auffangen zu können und die zahlreichen defensiven Aussetzer der letzten Spiele endlich unter Kontrolle zu bekommen. Schliesslich kann man es auch so sehen: Ohne Shaq ist die Mannschaft quasi dazu gezwungen zu zeigen, dass sie punktuell auch als funktionierende Einheit und ohne ihren Captain und Superstar performen kann.
Das Problem
Nun, zumindest gestern Abend erweckte Basel trotz Lichtsteiners Premiere und mit Shaqiri nicht den Eindruck, mit allzu viel Inspiration unterwegs gewesen zu sein. Im Gegenteil - im Vergleich zum SL-Klassiker vom Sonntag wirkten die Bebbi blutleer und emotionslos, was aber auch damit zu tun haben könnte, dass dem FCB anstatt einem Zürcher Hühnerhaufen die beste Defensive der Europa League gegenüber stand. Insofern ist das Fehlen Shaqiris für Basel sicher keine Plus, jedoch sollte auch ein anderer Aspekt nicht unterschätzt werden: Mit der Entlassung Magnins hat die FCB-Führung nicht nur die Zusammenarbeit mit dem sechsten Trainer der letzten vier Jahre vorzeitig beendet, sondern auch jegliches Momentum, welches sich die Basler mit dem emotionalem Last-Minute-Erfolg im Klassiker erspielten, gekillt. Der Sieg in Zürich hätte eine Wendepunkt in dieser Saison werden können. Mit Lichtsteiner wird es nun ein kompletter Re-Start und höchste Zeit, um endlich zu liefern. Das dies den Baslern am Sonntag gelingen könnte, konnte man gegen Pilsen im besten Fall erahnen.