Im Interview mit der britischen Zeitung The Telegraph spricht der 44-Jährige offen über die Schattenseiten seines Erfolgs.
Mehr als 700 Spiele absolvierte der Franzose - nahezu immer unter Schmerzen. "Nur Sieben", sagt Evra. Auf die Nachfrage, ob er sieben Prozent meine, entgegnet er: "Nein, sieben Spiele." Nur so oft sei er komplett schmerzfrei gewesen.
Evra: "Es heisst schnell, man sei zu weich"
Nach eigenen Angaben griff Evra regelmässig zu Schmerzmitteln und Entzündungshemmern, um überhaupt spielen zu können. Teilweise habe er sich während der Partien übergeben müssen. Der Druck im Profifussball sei enorm gewesen. "Die Fans wissen nicht, warum man nicht spielt. Wenn man Magenprobleme hat, heisst es schnell, man sei zu weich", berichtet Evra.
Gegen den Rat des Arztes
Eine Episode aus seiner Zeit bei Manchester United beschreibt der ehemalige Nationalspieler besonders eindrücklich. Wegen eines kleineren Problems sollte er pausieren. "Ich lag auf der Behandlungsliege und sah Ryan Giggs. Er hatte Rückenprobleme, machte aber ein paar Dehnübungen und ging dann nach draussen zum Training. Ich sah, wie Paul Scholes Eis auf sein verletztes Sprunggelenk legte. Gary Neville tapte sein Sprunggelenk."
Evra weiter: "Ich dachte mir: Moment mal, wenn diese drei Dinosaurier nach draussen gehen, warum bin ich dann so eine Prinzessin und bleibe auf der Liege liegen? Also zog ich einfach meine Fussballschuhe an und ging nach draussen. Der Arzt sagte: ‚Patrice, du bist verrückt'." Dennoch trainierte der Linksverteidiger und lief tags darauf für die "Red Devils auf.
Eindringlicher Appell: "Ihr zahlt den Preis dafür"
Bemerkenswert: In seiner rund 20-jährigen Laufbahn verpasste Evra verletzungsbedingt nur 20 Partien. Zu empfehlen sei ein solcher Umgang mit dem Körper laut dem einstigen Abwehr-Star, der 2019 seine Karriere beendet hat, allerdings nicht. Evra schickt vielmehr einen Appell an den Nachwuchs: "Ich möchte zukünftige Sportler schützen. Nehmt keine Schmerzmittel, denn am Ende zahlt ihr den Preis dafür."