Odermatt im Kugelfieber
Nach den Olympischen Spielen messen sich die weltbesten Skirennfahrer nun wieder im Weltcupzirkus. Der Schweizer Fokus liegt nun auf den Rennen von Garmisch und auf Franjo von Allmen und Marco Odermatt.
Was war das für eine Olympia-Show! Drei Goldmedaillen eroberte Franjo von Allmen in Bormio und raste damit definitiv auf den Ski-Olymp. Er stellte bei den Skirennfahrern alle anderen in den Schatten – auch Marco Odermatt, der immerhin Silber in der Team-Kombination und im Riesenslalom sowie Bronze im Super-G gewann. Der Berner Oberländer Von Allmen stand dem Nidwaldner Odermatt in Italien definitiv in der Sonne – doch zurück im Weltcup ist Odermatt in der Pole-Position, um für die ganz grossen Schlagzeilen zu sorgen.
Odermatt viermal auf der Pole-Position
Zehn Weltcuprennen stehen in diesem Winter bei den Männern noch auf dem Programm, und danach werden fünf Kristallkugeln verteilt. Vier von ihnen kann Odermatt gewinnen: Er führt in der Abfahrt, im Riesenslalom und im Super-G, zudem ist er im Gesamtweltcup einsam in Front, hat 487 Punkte Vorsprung auf den Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen. «Odi» wird den Gesamtweltcup zum fünften Mal in Folge gewinnen – es ist ein Kunststück, das bislang einzig dem Österreicher Marcel Hirscher gelang, der zwischen 2012 und 2019 gar gleich achtmal in Folge triumphierte.
Mehr Spannung gibt es in den anderen Disziplinen, gerade auch in der Königsdisziplin Abfahrt. Drei Rennen vor Schluss liegt Odermatt 115 Punkte vor Teamkollege Von Allmen. Es ist ein komfortabler und gleichzeitig auch trügerischer und knapper Vorsprung. Fehler sind definitiv nicht erlaubt. Auch nicht in Garmisch, wo an diesem Wochenende eine Abfahrt und ein Super-G ausgetragen werden.
In der Abfahrt haben beide Athleten wenig Erfahrung mit der Strecke. Odermatt fuhr in Garmisch erst eine Weltcupabfahrt, wurde 2021 Achter. Für Olympiasieger Von Allmen ist es am Samstag gar die Premiere. Odermatt hat in dieser Saison bereits den dritten Disziplinensieg in der Abfahrt im Visier, womit er auf der Höhe von Michael Walchhofer, Franz Heinzer, Stephan Eberharter und Luc Alphand wäre. Besser waren nur noch Beat Feuz und Didier Cuche (je vier) sowie der Österreicher Franz Klammer mit fünf Abfahrtskugeln. Es ist eine Marke, die auch für Odermatt realistisch ist.
Mann für die speziellen Momente
Wie in der Abfahrt stehen auch im Super-G noch drei Rennen aus – und auch da liegt Odermatt vorne. Hinter ihm folgt das Austria-Trio Vincent Kriechmayr (158 Punkte Rückstand), Stefan Babinsky (182) und Raphael Haaser (184). Auch da sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen, zumal Odermatt am Sonntag in Garmisch mit einem guten Gefühl in den Super-G gehen kann. Bei der letzten Austragung vor zwei Jahren siegte er vor Haaser und Franjo von Allmen, der damals seinen ersten Podestplatz im Weltcup realisierte. Mittlerweile steht der 24-Jährige bei 14 Top-3-Klassierungen im Weltcup (acht in der Abfahrt, sechs im Super-G), dazu kommen die WM-Titel in der Abfahrt und in der Team-Kombi und die Olympiasiege in der Abfahrt, im Super-G und in der Team-Kombi. Es ist eine einzigartige Bilanz und zeigt, dass Von Allmen der Mann für die speziellen Momente ist.
Im Riesenslalom sind nur noch zwei Rennen ausstehend, in Kranjska Gora und beim Weltcupfinal in Lillehammer. Und auch da liegt Odermatt vorne – kann sich aber keine Fehler erlauben: Weltmeister Pinheiro Braathen hat nur 103 Punkte weniger auf seinem Konto. Doch Odermatt hat es auch da in den eigenen Händen, um diese Disziplin zum fünften Mal in Serie zu gewinnen. Mit der fünften Kugel wäre er vor Michael von Grünigen auch alleiniger Schweizer Rekordsieger, würde mit Ted Ligety gleichziehen und hätte nur noch Marcel Hirscher (6) und Ingemar Stenmark (7) vor sich.
Wer erbt nach dem Vonn-Crash?
Die Frauen bestreiten an diesem Wochenende eine Abfahrt (heute) und zwei Super-G in Soldeu, insgesamt stehen noch zwölf Weltcuprennen auf dem Programm, bis die Kugeln verteilt werden. Den Gesamt sieg dürfte sich wohl Mikaela Shiffrin sichern, die aktuell 170 Punkte vor Camille Rast liegt, die aber nur noch zwei Slaloms und zwei Riesenslaloms hat, um sich der Amerikanerin anzunähern. Während Shiffrin im Slalom die kleine Kugel nicht mehr zu nehmen ist, kann Rast noch auf den Riesenslalom hoffen, wo sie zwei Rennen vor Schluss 89 Punkte hinter Julia Scheib liegt. In der Abfahrt hat Lindsey Vonn zwar noch einen grossen Vorsprung von 144 und mehr Punkten auf die Konkurrenz. Doch für die Amerikanerin ist nach ihrem Horror-Crash an Olympia die Saison vorbei, während Emma Aicher und Co. vier Rennen bleiben, um sie zu überholen. Spannung ist da ebenso garantiert wie im Super-G, wo Sofia Goggia bei ebenfalls noch vier ausstehenden Rennen 60 Punkte vor Verfolgerin Alice Robinson liegt.