Olympia 2026: Gold-Hattrick, Comebacks, Rekorde und Dramen
Die Olympischen Spiele Milano Cortina gehören der Vergangenheit an. Es waren faszinierende Tage voller Emotionen, Spannung und Dramatik, in denen unzählige Geschichten geschrieben wurden, von denen wir ein paar erzählen.
Der Schweizer im Goldfieber
Er ist ein Phänomen. Franjo von Allmen ist zwar erst 24 Jahre alt, hat aber schon Gold en masse gesammelt. An der WM im letzten Jahr gewann der Berner Oberländer Gold in der Abfahrt und in der Team-Kombination (mit Loïc Meillard) und war eine der grossen Figuren. In Italien setzte er nun einen drauf, raste gleich dreimal zuoberst aufs Podest. In der Königsdisziplin Abfahrt siegte er vor dem italienischen Shootingstar Giovanni Franzoni, Altmeister Dominik Paris und Marco Odermatt, der als Vierter bitter enttäuscht war.
In der Team-Kombination doppelte Von Allmen nach, mit der Unterstützung von Tanguy Nef, der einen fabelhaften Slalom auf den Hang zauberte. Auf Rang 2 folgten Odermatt und Meillard, die es wie Von Allmen auch später nochmals krachen liessen: Von Allmen gewann im Super-G seine dritte Goldmedaille an diesen Spielen, Odermatt wurde Dritter im Super-G und Zweiter im Riesenslalom, Meillard gewann im Riesenslalom Silber und belohnte sich nach seinem WM-Titel vor einem Jahr nun auch mit Olympia-Gold.
Bis auf den Riesenslalom, den der für Brasilien startende Norweger Lucas Pinheiro Braathen gewann, räumten die Schweizer bei den Männern alle Goldmedaillen ab. Drei goldene Olympia-Medaillen im Skifahren – Von Allmen ist nach dem Österreicher Toni Sailer und dem Franzosen Jean-Claude Killy erst der dritte Skirennfahrer, der diesen Hattrick realisierte. «Ich muss zugeben, ich kannte die beiden Herren zuvor nicht», sagte der Berner Oberländer lachend. «Vielleicht wird Skigeschichte in ein paar Jahren interessant für mich, aber jetzt noch nicht.»
Das Comeback des Jahres
Dass die Italienerin Federica Brignone an den Winterspielen teilnehmen konnte, war schon fast ein Wunder. Am Ende der vergangenen Saison stürzte sie an den nationalen Meisterschaften, erlitt eine mehrfache Fraktur des Schienbeinkopfes und des Wadenbeinkopfes im linken Knie und auch das Kreuzband war gerissen. Im April 2025 und nach der Operation, die 42 Stiche hinterliess, hat kaum jemand daran geglaubt, dass Brignone in Cortina starten kann. Doch die «Tigerin» bewies ihren unglaublichen Kampfes- und Durchhaltewillen, kehrte an den Start zurück – und gewann Gold im Super-G und im Riesenslalom.
Es war das Olympiamärchen schlechthin, und danach sagte sie: «Ich würde meine beiden olympischen Medaillen sofort eintauschen, um diese Verletzung nicht noch einmal zu erleiden.» Sie habe ihr Bein und ihr Knie komplett ruiniert, und jeder Tag sei ein Kampf. Es werde Zeit brauchen. «Mein Schienbein ist nicht mehr richtig ausgerichtet, es hat ein Loch. Zwei Monate lang konnte ich mein Bein nicht einmal beugen, und selbst jetzt weiss ich nicht, ob ich jemals wieder Tennis spielen kann.»
Sie sei gekommen, um Spass zu haben und dankbar zu sein, an den Olympischen Spielen im eigenen Land teilnehmen zu dürfen, nun wolle sie sich auf ihre weitere Genesung konzentrieren.
Der fatale Sturz
Auch Lindsey Vonn träumte von einem Comeback-Märchen. Im Dezember 2024 ist sie nach fast sechsjährigem «Rentnerdasein» auf die Weltcupbühne zurückgekehrt, um sich einen Traum zu verwirklichen und an Olympia 2026 Gold in der Abfahrt zu gewinnen – mit einer Teilprothese im Knie und im Alter von 41 Jahren. Statt des Sieges und der Krönung folgte aber der fatale Sturz und blieb das Happy End in Form einer Medaille aus, stattdessen wurde der Comeback schon fast zum Alptraum.
Sieg oder Sturz respektive Spital und Schmerzen: Einmal mehr bewegte sie sich auf diesem schmalen Grat – und stürzte. Nachdem sie vor den Olympischen Spielen in Crans-Montana gestürzt war und sich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, folgte in der Abfahrt von Cortina bereits nach wenigen Sekunden der nächste Crash. Mit brutalen Folgen: Vonn musste mit dem Helikopter ins Spital geflogen werden, zog sich eine komplizierte Fraktur am linken Schienbein zu, die bereits mehrere Operationen erforderte.
«Es war kein märchenhaftes Happy End, sondern einfach nur das Leben. Ich habe es gewagt zu träumen und habe hart dafür gearbeitet, diesen Traum zu verwirklichen. Denn im Ski kann der Unterschied zwischen einer strategischen Linie und einer katastrophalen Verletzung nur zwölf Zentimeter betragen», teile Vonn später in den sozialen Medien mit. Sie sei einfach fünf Zentimeter zu eng auf ihrer Linie gewesen, «als sich mein rechter Arm im Tor verfing, ich mich verdrehte und das zu meinem Sturz führte. Und: «Ich habe es geschafft. Ich bin zurückgekommen. Ich habe gewonnen. Ich bin angetreten und habe das geschafft, was die meisten in meinem Alter mit einem teilweisen Kniegelenkersatz für unmöglich gehalten haben.»
Der Speed-Queen gelang es zwar nicht, sich an diesen Spielen in Italien eine weitere Krone aufzusetzen. Doch den Titel der Drama-Queen macht ihr wohl niemand streitig.
Der erfolgreichste Winter-Olympionike
Johannes Hoesflot Klaebo ist der beste Langläufer aller Zeiten und nun auch der erfolgreichste Winter-Olympionike der Geschichte, nachdem er bei den Spielen in Milano Cortina bei sechs Starts sechsmal gewann. Sechs Gold an denselben Spielen – das ist im Winter noch niemandem geglückt, den Rekord hielt bis jetzt der US-Eisschnellläufer Eric Heiden mit fünf Siegen 1980. Und auch Klaebos mittlerweile insgesamt elf Olympischen Goldmedaillen im Winter sind einzigartig. Noch erfolgreicher ist in der allgemeinen Olympia-Geschichte dagegen der Schwimmer amerikanische Michael Phelps, der zwischen 2004 und 2016 zu 23 Goldmedaillen schwamm. Und dabei war der Norweger vor dem finalen 50-Kilometer-Rennen nicht mal richtig fit. «Er hat gehustet und geröchelt und alles Mögliche», sagte seine Verlobte Pernille Dösvik. Und sein Vater Haakon Klaebo erklärte, dass Hausmittel geholfen haben: Ingwer, Knoblauch, Honig, Zitrone.
Die zweifache Bronze-Schützin
Die Geschichte wiederholt sich halt immer wieder mal. 2014 gewannen die Schweizer Eishockey-Frauen erstmals in der Geschichte Olympia-Bronze, nachdem es zwei Jahre zuvor schon den dritten WM-Platz gegeben hatte. Im «kleinen Final» siegte die Schweiz vor zwölf Jahren in Sotschi gegen Schweden 4:3, wobei Alina Müller das vierte Tor für die Schweiz erzielte. Nun ging es wieder gegen die Schwedinnen um Rang 3, wieder gewannen die Schweiz und wieder traf Alina Müller. Diesmal erzielte die Stürmerin den entscheidenden Treffer, traf nach 9:09 Minuten in der Overtime zum 2:1. «Es ist überhaupt nicht vergleichbar mit 2014, die heutige Medaille bedeutet doch nochmal einiges mehr. Wir werden es fest geniessen. Es wird eine coole Party», sagte Müller, die wie Andrea Brändli ins All-Star-Team gewählt wurde, wobei Brändli auch zur besten Torhüterin des Turniers gekürt wurde.
Der schnellste Einfädler
Eine tragische Figur dieser Spiele war die deutsche Skirennfahrerin Lena Dürr. Im Riesenslalom landete sie auf Rang 9. Nach dem ersten Lauf lag sie hinter Federica Brignone auf Rang 2, schnupperte an einer Medaille. Im zweiten Lauf war sie auf Top-3-Kurs, ehe sie kurz vor Schluss einen Fehler beging und entscheidend zurückfiel. Der nächste Akt in ihrem Olympia-Drama fiel dann im Slalom. Nach dem ersten Lauf hatte Dürr 0,82 Sekunden Rückstand auf Shiffrin, die Medaille lag bereit – und dann folgte der nächste Akt in ihrem persönlichen Olympia-Drama: Einfädler beim ersten Tor im zweiten Lauf. «Katastrophe, worst case», stöhnte sie später nach ihrem Ausscheiden.
Die starke Bilanz
Die Schweizer Sportlerinnen und Sportler haben in Italien begeistert. 23 Medaillen gewannen die Athletinnen und Athleten von Swiss Olympic, der bisherige Rekord von 15 Medaillen (1988, 2018 und 2022) wurde beeindruckend ausgelöscht. Sechs Gold-, neun Silber- und acht Bronzemedaillen bedeuten im Medaillenspiegel Rang 8. Die Erwartungen wurden damit definitiv übertroffen. Stark!