Nach 20 Jahren sind die Olympischen Winterspiele zurück in der Alpenregion. Nach Turin 2006 sind nun Mailand und Cortina die (Haupt-)Gastgeber für weltweit gesehen DAS Sportereignis des Jahres neben König Fussball mit der WM im Sommer.
Einen Tag vor der Eröffnungsfeier im legendären Giuseppe-Meazza-Stadion ist Olympia nahezu an jeder Strassenecke präsent. Mailand und Italien geben alles, um gute Gastgeber zu sein. Es wurde viel gebaut, nicht alles wurde fertig, aber wenn Italien etwas perfektioniert hat, dann die Improvisation.
Es gilt: Darauf einlassen und staunen. Schon die Taxifahrt zum Mediencenter ein Ereignis: Fahrer Carlo versucht, die gut 40-minütige Fahrt trotz viel Verkehrs zu verkürzen mit einer sagen wir kreativen Auslegung der Strassenverkehrsordnung. Die Erklärung liefert er gleich mit. Er wurde in Monza vor den Toren Mailands geboren - quasi in Hörweite zur legendären Formel-1-Strecke, dem Autodromo Nazionale: Benzin im Blut also. Die Vorfreude auf die Winterspiele auch bei ihm gross.
Als die Sprache kommt auf Stars, die bei Eröffnungsfeier auftreten, fällt schnell der Name von Maestro Andrea Bocelli. Sofort donnert Taxifahrer Carlo in Bocelli-Manier eine Zeile einer Oper. Der Sinn für das Schöne reicht in Italien vom Laufsteg bis ins Taxi. Für mich persönlich sind spätestens jetzt die Winterspiele eigentlich schon eröffnet.
Auch die Weltpolitik wird im San Siro vertreten sein
Kurz darauf kommt auf einer extra Spur eine Wagenkolonne von zehn bis 15 Polizeiautos plus Motorrädern durchgefahren. Blaulicht soweit der Blick reicht, mittendrin ein riesiger gepanzerter Chevrolet mit US-Vizepräsident JD Vance. Auch die Weltpolitik wird auf der Tribüne des San Siro vertreten sein.
Doch auch die Schattenseiten sind schon vor dem Start Thema, wie so oft laufen die Kosten aus dem Ruder. Obwohl sich das IOC Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat und grösstenteils auf schon bestehende Wettkampfstätte zurückgegriffen wird, wurden fast 1,5 Milliarden Euro in die Austragungsorte gesteckt. Es werden dezentrale Spiele mit Wettkämpfen an sechs Verschiedenen Standorten verteilt über ganz Norditalien, teils bis zu fünf Autostunden voneinander entfernt.
Ob so der vielbeschworene olympische Geist entstehen kann, das Gemeinschaftsgefühl? Schwierig, aber nicht ausgeschlossen. Jeder Ort kann und will seine eigene Magie entfalten. Italien hat ein anderes Konzept gewählt, aber eines, das vermutlich in Zukunft oft zum Zuge kommen wird. Eine Chance hat es verdient.
Alles pronto also, alles bereit! Lasst die Spiele beginnen!