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Red Bull am Scheideweg: Es war einmal ein Top-Team ...

Red Bull verliert seinen Statuts als Top-Team. Ein sehr schwacher Saisonstart setzt den Rennstall unter enormen Zugzwang. Max Verstappen scheint wenig Geduld zu haben. Statt sich zu solidarisieren, erhöht der Superstar den Druck - und könnte sein Team in eine tiefe Krise stürzen.

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Max Verstappen könnte die Formel 1 und Red Bull verlassen. Mit seinen Auftritten vor dem Mikrofon hilft er seinem Team nicht. © DPA pa

Red Bull verliert seinen Statuts als Top-Team. Ein sehr schwacher Saisonstart setzt den Rennstall unter enormen Zugzwang. Max Verstappen scheint wenig Geduld zu haben. Statt sich zu solidarisieren, erhöht der Superstar den Druck - und könnte sein Team in eine tiefe Krise stürzen.

2025 war ein schwieriges Jahr für Red Bull. Nach drei ruhmreichen Jahren, in denen der Rennstall mit Max Verstappen nach seinem ersten Titelerfolg 2021 die Königsklasse beinahe nach Belieben dominieren konnte, fand die Siegessträhne ein Ende. Verstappen verlor den WM-Kampf, in den er sich mit all seiner Genialität und einer ordentlichen Prise Glück hereingearbeitet hatte, um zwei Punkte an Lando Norris. Der Red Bull war nicht mehr das schnellste Auto im Feld - dennoch waren die Erwartungen an das Revolutionsjahr 2026 nicht tief gestapelt.

Zum ersten Mal ging das Team aus Milton Keynes mit einem eigens entwickelten Antrieb an den Start. Eine grosse Herausforderung, ein noch grösseres Risiko. Doch die Power Unit aus dem Hause Red Bull schindete bereits in der Vorsaison Eindruck. Zuverlässig wirkte sie, die Konkurrenz sah in ihr das Nonplusultra der neuen 50/50 Verbrenner-Elektro-Antriebe. Zugegeben: Der "Hype" war stark politisch aufgeladen, zu gerne lenken die Top-Teams nun mal von sich selbst ab.

Katastrophaler Saisonstart

Was dann jedoch ab Australien folgte, war trotz aller Zurückhaltung seitens Red Bull eine herbe Enttäuschung. Isack Hadjar fiel beim Saisonauftakt von einem zunächst vielversprechenden dritten Startplatz aus, Max Verstappen fuhr immerhin von Platz 20 bis auf den sechsten Rang vor. Der holprige Start markiert das bis jetzt beste Ergebnis für Red Bull in der laufenden Saison. In China kam nur Hadjar auf dem achten Rang ins Ziel, Suzuka brachte das selbe Resultat für Verstappen sowie einen mickrigen zwölften Platz für den Franzosen ein.

Ein Debakel jagt das nächste. Zudem ist beim österreichischen Rennstall kein positiver Entwicklungstrend zu erkennen. Waren Kinderkrankheiten bei den meisten Teams eine normale Begleiterscheinung des Saisonstarts nach einer solchen Regel-Revolution, leidet der Red Bull zudem unter Chassis-Problemen. Der RB22 ist unbalanciert, neigt besonders auf der Bremse zu massivem Untersteuern und gibt den Fahrern zudem überhaupt kein Vertrauen, ans Limit zu gehen, erklärte Teamchef Laurent Mekies nach einem enttäuschenden Qualifying in Suzuka. "Wir liegen weit zurück. Uns fehlt ordentlich was an Performance", so das Zwischenfazit des Bosses.

Dabei hatte Red Bull in Suzuka ein ordentliches Update dabei: Unterboden und Seitenkästen waren sichtlich verändert - scheinbar völlig ohne positive Ergebnisse. Das Team steht in der fünfwöchigen Zwangspause vor einem Berg an Entwicklungsarbeit. "Es gibt gleich mehrere Probleme, die wir noch aussortieren müssen. Durch so eine Phase will man eigentlich nicht", gab Mekies zu. Das geht den Fahrern genauso. Nach einem schweren Rennsonntag war Isack Hadjar wie gewohnt nicht gerade diplomatisch: "Das Auto war wirklich unfahrbar - es war sogar gefährlich", klagte Verstappens neuer Teamkollege bei Canal+.

Verstappen macht sich zum Damoklesschwert

Apropos Verstappen: Der Superstar übertüncht mit seinen polarisierenden Äusserungen sowieso gerade alle Probleme. Dass der Niederländer sogar ans Aufhören denkt, liegt dabei nach eigener Aussage nicht am schwachen Red Bull, sondern am fehlenden Spass. Ist man jedoch ganz ehrlich, wäre der Frust Verstappens sicherlich etwas gedämpfter, würde er weiterhin auf dem Treppchen oder sogar ganz oben stehen. Doch der missmutige Star stellt sich aktuell seinem Team selbst in den Weg, wieder dort hinzukommen.

"Ich glaube nicht, dass wir Wunder erwarten sollten, was die Reduzierung des Rückstands angeht, denn der ist beträchtlich", sagte Mekies nach dem Rennen in Suzuka. Mit Verbesserungen könnte man jedoch die Fahrbarkeit des RB22 optimieren und so eine bessere Entwicklungsgrundlage schaffen. Dafür braucht es Teamwork zwischen Fahrern und Ingenieuren - Verstappens öffentlicher Auftritt versprüht jedoch wenig Bereitschaft oder Antrieb für ein gemeinsames Anpacken.

MAX VERSTAPPEN 🇳🇱

  • Name: Max Emilian Verstappen
  • Geburtstag: 30. September 1997 (Hasselt, Belgien)
  • Team: Oracle Red Bull Racing
  • Erstes F1-Rennen: GP von Australien (2015, DNF)
  • Erster F1-Sieg: GP von Spanien (2016)
  • Titel: 4 (2021, 2022, 2023, 2024)
  • Vorherige Teams: Toro Rosso

Mit seinen Aussagen hängt der Weltmeister ein Damoklesschwert über das eigene Team und alle Mitarbeiter, die hart an der Verbesserung seines Materials arbeiten. "Die kommen nicht mit dem Privatjet dahin", merkt auch Ralf Schumacher bei Backstage Boxengasse - Der Formel 1 Podcast knapp an. Das Gesicht des Rennstalls sollte nicht die eigenen Teammitglieder verprellen. Dennoch: Die Ergebnisse lügen nicht. Auch Verstappen wird seine Zukunft danach bemessen. Red Bull braucht somit einen Aufschwung - auch, um ihren Stern halten zu können. "Ich bin zuversichtlich, dass das Team dieser Problematik auf den Grund gehen und bereits in Miami mit Verbesserungen beginnen wird", so die Hoffnung von Mekies.

Ist die Ära Red Bull zu Ende?

Doch was, wenn Verstappen wirklich geht? Dann wäre das Erfolgsmodell Red Bull, wie wir es alle kennen, vollständig zerbrochen. Auf den Tod von Teamgründer Dietrich Mateschitz im Jahr 2022 folgte ein Machtvakuum im Team, dem bislang fast alle prominenten Top-Personalien zum Opfer fielen. Jonathan Wheatley (2024), Adrian Newey (2024), Christian Horner (2025), Helmut Marko (2025) und Craig Skinner (2026): Die alte Garde des Erfolgs hat Red Bull bereits verlassen.

RED BULL 🇦🇹

  • Name: Oracle Red Bull Racing
  • Gründungsjahr: 2004
  • Unternehmenssitz: Milton Keynes, Grossbritannien
  • Vorgänger: Stewart Grand Prix, Jaguar Racing
  • Konstrukteurs-Titel: 6 (2010, 2011, 2012, 2013, 2022, 2023)
  • Teamchef: Laurent Mekies
  • Fahrer: Max Verstappen (NED), Isack Hadjar (FRA)
  • Testfahrer: Yuki Tsunoda (JPN)

Sie alle sorgten auch dafür, dass das Team nach dem letzten Reglementwechsel 2014 wieder in die Spur fand. Nach vier Jahren voller Titel mit Sebastian Vettel hatte dieser Milton Keynes verlassen. Der Red Bull war mit einem schwachen Renault-V6 weit von der Spitze abgefallen. Gemeinsam mit dem Teenager-Phänomen Max Verstappen kämpfte man sich zurück nach oben.

Mit seinem Abgang stände der Schlussstrich unter dieser zweiten Ära. Einzig ein sportlicher Aufschwung könnte den wohl noch verhindern. Doch dazu müssen alle an einem Strang ziehen. Das finanzielle Risiko für den Rennstall ist mit der Entwicklung eigener Antriebe nur weiter gestiegen. Klappt der Turnaround? Oder wird das obere Mittelfeld vorerst wieder sportliche Realität? Red Bull findet sich am Scheideweg wieder.

Mehr zum Autor Malte Göttlinger

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