Scheiblehner vs. Hediger: Zwei Trainer, kaum Siege und (noch) wenig Kritik
Derby-Zeit zur Primetime: Wenn am Samstagabend der Grasshopper Club Zürich auf den FC Zürich trifft, kommt es auch zum Duell zwischen den beiden Trainern Gerald Scheiblehner und Dennis Hediger. Zwei Übungsleiter, die zu den erfolglosesten der jeweiligen Vereinshistorie gehören und dennoch bislang kaum in der Kritik stehen. Warum eigentlich? Wir werfen einen Blick auf die Situation in den beiden Stadtzürcher Klubs.
Kein Wunderwuzzi
Ein Wunderwuzzi? Nein, diese Hoffnung vieler Fans konnte Gerald Scheiblehner in den bald achten Monaten seiner GC-Amtszeit bislang nicht erfüllen. Im Sommer war der gebürtige Linzer in der Limmatstadt angekommen, handverlesen von Sportchef Alain Sutter und mit beachtlichen Erfolgen mit Blau-Weiss Linz im Arbeitszeugnis. Die brachten ihm viel Goodwill zum Start, von dem er zum Teil auch heute noch zehrt. Denn die Aufgabe beim Rekordmeister hatte und hat es in sich. Es gilt, eine junge, weitgehend unerfahrene Mannschaft in der Liga zu halten, ein Fundament für die Zukunft aufzubauen. Bislang mit bescheidenem Erfolg. Ja, da gibt es den Cuphalbfinal und damit verbunden die Hoffnung auf den ersten Titel seit 2013. Aber da gibt es halt auch 25 Spiele und nur 21 Punkte, erneute Abstiegsgefahr und eine sportliche Entwicklung, die irgendwie noch immer auf sich warten lässt. Dabei war die Handschrift des Trainers, ein aktives und laufintensives Spiel geprägt von hohem Pressing, schon früh in der Saison deutlich erkennbar und wurde vielerorts gelobt. Doch der Durchbruch und nachhaltige Fortschritte lassen bis heute auf sich warten, und das trotz diverser namhafter Verstärkungen in den letzten Wochen und Monaten (u.a. Diaby, Köhler, El Bachir Ngom, Frey). Noch immer droht die dritte Barrage-Teilnahme in Folge und noch immer ist die Mannschaft defensiv anfällig (zuletzt beim sehr wichtigen 3:4 in Luzern), während dem sie offensiv nur selten zu überzeugen versteht. Seit Jahresbeginn ist GC im Angriff fast nur von Einzelaktionen eines Jonathan Asp Jensen oder von der Mentalität eines Michael Frey abhängig, ein erfolgsversprechendes Spielsystem – oder eine Anpassung dessen - ist nicht erkennbar. Mittlerweile ist die offensive Impotenz auch der Hauptgrund für die bereits sieben Spielen andauernde Sieglos-Serie (bei vier Unentschieden), die sich am Samstagabend im nächsten Direktduell mit einem potentiellen Mit-Abstiegskandidaten besser nicht verlängern sollte. Scheiblehner passt zwar mit seinem selbstbewussten und angriffigen Auftreten gut zum Bild, dass viele Fans noch immer von ihrem Klub haben, irgendwann müssen Fortschritte und Resultate aber auch sicht- und vor allem zählbar werden. Ansonsten steigt die Gefahr, dass die schnippische Ironie des Österreichers bald nur noch als schnippisch und arrogant wahrgenommen wird, während gleichzeitig der Glaube an die Wende schmilzt. Und dann könnte Scheiblehner möglicherweise auch die Chance Cup nicht mehr lange im Amt halten.
Vom Regen in die Traufe
Seine erste Chance auf ein Cheftrainer-Amt in der Super League hatte sich Dennis Hediger wohl anders vorgestellt. Im Oktober wurde der Berner nach der (vor)schnellen Entlassung von Vorgänger Mitchel van der Gaag ad interim ins Amt gehoben – und lernte prompt erst einmal die Niederlage kennen. Drei Mal unterlag Hediger mit seiner Mannschaft zu Beginn, ehe auf sicherem Weg in die vierte Niederlage en suite die vermeintliche Wende aus dem Nichts gelang. Aus einem 0:2 nach 70. Spielminuten gegen den FC Luzern machten Hediger & Co ein 3:2, dem man ein 1:1 in Sion folgen liess, ehe die Siege Nr. 2 und 3 (vs. GC und St. Gallen) folgten. Der Turnaround schien geschafft, ehe er sich plötzlich und so schnell wieder verflüchtige, wie er gekommen war. Unmittelbar vor der Winterpause verlor der Klub seine finalen Spiele, trennte sich vom umstrittenen Sportchef Milos Malenovic, bestätige aber Hediger, der noch an seiner UEFA-Pro-Trainerlizenz arbeitet, trotz magerer Zwischenbilanz (zehn Punkten/elf Spiele) bis zum Saisonende im Amt. Ein heikler Entscheid, der sich für die Zürcher bis heute nicht bezahlt gemacht hat, was natürlich auch mit der sportlich fragwürdigen Zürcher Transferpolitik in der Wintertransferperiode zu tun hat, in der gleich vier Leistungsträger (Zuber, Gomez, Markelo, Ligue) den Klub verliessen. Doch auch Hediger selbst konnte bislang den Beweis nicht antreten, der richtige Mann am richtigen Ort zu sein. Gerade in der Abwehr (14 Gegentore in sechs Spielen) gelang es dem 39-Jährigen in der Rückrunde bislang nicht, die Zürcher zu stabilisieren, was auch damit zu tun haben könnte, dass der ehemalige Mittelfeldakteur vor wenigen Wochen von einer Dreier- auf eine Viererabwehr umstellte und im Tor neuerdings auf Newcomer Silas Huber (20) setzt. Dieser Entscheid mag sportlich nachvollziehbar sein, entzog der Defensive in einer kritischen Phase aber gleichzeitig Erfahrung, die der FCZ nun mit den jüngsten Verpflichtungen von Alexander Hack (ex-Mainz) und Valon Berisha (52 Länderspiele für Kosovo) zu kompensieren versucht. Ob dieser Plan funktioniert? Morgen Abend wäre auf alle Fälle ein sehr guter Zeitpunkt, um sich mit dem zweiten Vollerfolg in einem Sechspunkte-Derby nach dem 3:0 gegen Winterthur der schlimmsten Abstiegssorgen zu entledigen. Bei einer Niederlage kämen die Grasshoppers allerdings bis auf vier Punkte an den Stadtrivalen heran, was dem FC Zürich, der sich noch vor Kurzem mit den Top 6 beschäftigen durfte, einige sehr unangenehme Wochen ins Haus schwemmen könnte. Ob diese dann mit oder ohne Denis Hediger bewältigt werden sollen, müssten die Zürcher Verantwortlichen sehr genau abwägen.