Schlagen die kriselnden Bayern zurück?
Zuerst die Heimniederlage gegen Augsburg, dann das Unentschieden gegen den Hamburger SV: Der FC Bayern München hat zuletzt in der Meisterschaft geschwächelt – wird der Titelkampf nun doch noch spannend?
Das Urteil war vielerorts schon lange gefällt. Diese Bundesligasaison wird eine Spielzeit der Langeweile. Der Rekordmeister aus München ist dem Rest der Liga so weit enteilt und um Lichtjahre entfernt, dass es keine Frage ist, ob die Münchner ihren 35. Titelgewinn feiern, sondern nur wann in der Allianz Arena das Weissbier in Strömen fliesst. Die Bundesliga – eine Liga zum Gähnen, in der es nur darum geht, welche Rekorde durch die Super-Bayern gebrochen werden.
Zurück in der realen Welt
Doch nun ist das Team von Vincent Kompany nicht mehr ausserirdisch, sondern wieder in der realen und normalen Welt angelangt. Lediglich einen Punkt haben sie in den letzten zwei Liga-Spielen gewonnen – und plötzlich liegen Dortmund und Hoffenheim nur noch sechs respektive neun Punkte hinten. Am Sonntag sind die Bayern gefordert, ein Sieg gegen Hoffenheim ist Pflicht, um den Vorsprung auf Dortmund zumindest zu wahren. Und in drei Wochen folgt dann das kapitale Spiel in Dortmund.
Die Borussia hat längst Blut geleckt und schickt schon mal zumindest leise Kampfansagen in Richtung München, vor allem durch Verteidiger Nico Schlotterbeck, der zuletzt sagte: «Vielleicht fangen die Bayern an, langsam auch mal zu überlegen. Man muss als BVB langsam den Anspruch haben, den Fans zu sagen, wir wollen Meister werden. Die Jungs und ich wollen angreifen. müssen wir weiter punkten, aber wir probieren da zu sein. Und die Bayern kommen noch zu uns.»
Bekommen die Bayern das Nervenflattern?
Stecken die lange Zeit so starken Bayern in der Krise? Bekommen sie das Nervenflattern? Anzeichen in diese Richtung gibt es definitiv. Nach dem 2:2 beim HSV, dem zweiten sieglosen Spiel in Folge, haderten die Münchner mit dem Schiedsrichter. Allen voran Harry Kane, der sonst so coole und besonnene Torminator. «Der Schlechteste, den ich je im Fussball getroffen habe», hat der Engländer nach dem Match offenbar über Schiedsrichter Harm Osmers gesagt. Kane und die Bayern wollten in der Nachspielzeit zwei Penalties für sich gesehen haben, bekamen diese aber nicht. Auch Sportchef Max Eberl haderte danach ein wenig und sagte: «Du führst wieder, kriegst den Ausgleich, versuchst bis zum Ende alles, musstest gegen extrem grosse Widerstände kämpfen. Ein Stadion, das hinter dieser Mannschaft steht. Ein Schiedsrichter, der etwas überfordert war, aus meiner Sicht, der viele Situationen nicht gut eingeschätzt hat. Das ist meine Meinung.»
Tatsache ist: Der Vorsprung der Bayern schmilzt. Ihre Resultate haben auch den Gegnern Mut gemacht. Die gerade noch unverwundbar scheinenden Münchner bieten Angriffsfläche. Die Defensive wirkt nicht sattelfest, in der Liga gab es in den letzten fünf Spielen immer mindestens einen Gegentreffer. «Wir haben ein paar Gegentore mehr bekommen – mehr Gegentore aus dem Spiel. Vorher sind die Hälfte unserer Gegentore aus Standard-Situationen entstanden. Daran müssen wir arbeiten», erklärte Innenverteidiger Jonathan Tah. «Es fühlt sich aber nicht so an, als würden wir in einer schlechten Phase stecken. Die anderen Teams passen sich ebenfalls an, versuchen andere Dinge gegen uns zu machen, weil sie jetzt ausreichend Zeit hatten, sich anzuschauen, was Vincent Kompany möchte. Da müssen wir uns wieder adaptieren.»
Gefährliche Hoffenheimer
Dies am besten schon am Sonntag, wenn die Bayern in der Allianz Hoffenheim empfangen, das Team der Stunde. Die Mannschaft des Österreichers Christian Ilzer feierte zuletzt fünf Siege in Serie, ist seit sieben Spielen ungeschlagen und verlor letztmals am 7. Dezember (0:2 in Dortmund). Die Hoffenheimer sind definitiv gefährlich. Sie haben hinter den Bayern die zweitbeste Offensive der Liga und sind bei den. Gegentoren hinter dem Leader und Dortmund die Nummer 3. Und auch die Auswärtsbilanz kann sich sehen lassen: sechs Siege, drei Remis und die erwähnte Niederlage in Dortmund bedeuten im Ranking auf fremdem Terrain Rang 2, natürlich auch hier hinter den Bayern.
Hoffenheim bringt viele Qualitäten mit, um die Bayern zu ärgern. Doch wenn der Rekordmeister statt wie zuletzt zu schwächeln zu alter Stärke zurückfindet, kann er sich fast nur selber schlagen. Vor allem, wenn er mit der «Mia san mia»-Mentalität ins Spiel geht. «Unser Anspruch ist, dass wir mit drei Punkten aus dem Spiel gehen», sagte nun Verteidiger Tah. Und: «Ich finde es schön, wenn es Teams in der Liga gibt, die versuchen, erfolgreich zu sein. Wir verfolgen weiter unseren Weg. Wir wissen, wo wir hinwollen, wo wir am Ende stehen wollen.»