Schmerzen weg, Vertrauen da – Corinne Suter ist zurück
Die Leidenszeit ist vorbei: Die Schweizer Speed-Spezialistin Corinne Suter (31) hat sich am Wochenende in Andorra eindrücklich auf der Weltcupbühne zurückgemeldet. Das macht Lust auf mehr!
Es waren eindrückliche Fahrten, die Corinne Suter in Soldeu in den Schnee zauberte. Am Freitag Rang 1 in der Abfahrt, am Samstag und Sonntag die Plätze 3 und 4 im Super-G: Es war die Wiedergeburt der Schwyzerin nach einer harten Zeit. Im Januar 2023 erlitt sie bei einem Sturz in der Abfahrt von Cortina d’Ampezzo eine Gehirnerschütterung, lag danach oft im verdunkelten Zimmer, um sich zu schonen. Drei Wochen später gewann sie in Frankreich WM-Bronze in der Abfahrt. Im Januar 2024 zog sie sich – wieder in Cortina – einen Kreuzbandriss im linken Knie sowie eine Meniskusverletzung zu. Wieder folgte der mühsame und langsame Weg zurück.
Ein Jahr später raste sie – erneut in Cortina – als Dritte aufs Super-G-Podest und doppelte eine Woche später in Garmisch nach. Der Weg zurück an die Spitze schien geschafft. Die der nächste Rückschlag folgte. Anfang Dezembers 2025 stürzte sie in St. Moritz im Training heftig, prellte sich das Knie und zog sich einen Muskelfaserriss und eine Fraktur im Rückfussbereich zu. Wieder war eine Zwangspause fällig, die auch einen Einfluss auf die weitere Saison hatte.
Sieg nach 1473 Tagen
Statt im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Cortina, wo sie in der Abfahrt Titelverteidigerin war und 2021 Weltmeisterin in der Abfahrt Gold gewonnen hatte, Schwung aufzunehmen, kam sie nicht auf Touren. Vor Olympia gab es in den Speed-Disziplinen die Ränge 22, 15, 24 und 23, an den Spielen resultierte in der Abfahrt der 14. und im Super-G der 11. Platz. Es schien eine Saison zum Vergessen zu werden. Bis zu den Rennen in Soldeu. In der Abfahrt gewann sie ihr erstes grosses Rennen seit dem Olympiasieg 2022 in Peking oder nach 1473 Tagen. Dazwischen lag noch der Super-G-Sieg am 4. Dezember 2022 in Lake Louise.
Nun ist Corinne Suter aber endgültig zurück. In ihrem Palmarès stehen sechs Weltcupsiege (vier in der Abfahrt und zwei im Super-G) und 28 Podestplätze (18/10), dazu kommen der WM-Titel 2021 in der Abfahrt, WM-Silber 2019 in der Abfahrt und 2021 im Super-G sowie die Bronzemedaillen 2019 im Super-G und 2023 in der Abfahrt. Und natürlich Olympia-Gold 2022 in der Abfahrt.
Tiefe Hocke und Angriff
«Es war mega cool, und ich bin sehr zufrieden», lautete Corinne Suters Bilanz nach den Rennen in Andorra. Sie fahre nach der Verletzung nicht anders Ski, «aber das Vertrauen ist zurück, und ich habe keine Schmerzen mehr im Körper». Die Rückkehr zur alten Stärke zeigte sich auch optisch, indem sie endlich wieder ihre tiefe Hocke präsentierte und auf der Piste im Angriffsmodus war. «Ich darf nicht zu viel hinterfragen. Ich weiss, wozu ich fähig bin», hatte sie nach Olympia gesagt. Und sie blieb ruhig, lüftete, wie sie dem «Blick» verriet, an der Fasnacht den Kopf. Verlor sich nicht im Grübeln, sondern vertraute darauf, dass sich ihre Stärken wieder auszahlen werden.
«Ich bin wieder komplett schmerzfrei, und mein Vertrauen ist zurück», erklärte sie strahlend. Und: «Ich hatte riesige Freude beim Fahren, es ist megaschön. Es war ein riesengrosser Schritt für mich. Am Morgen war ich sehr nervös, weil ich spürte, dass wieder etwas möglich sein könnte.» Es habe so Spass gemacht zu fahren, das nehme sie für die nächsten Rennen mit.
Und die folgen diese Woche in Val di Fassa mit Abfahrten am Freitag und Samstag und einem Super-G am Sonntag. Gut möglich, dass Corine Suter da wieder brilliert. Letztmals gastierte der Weltcupzirkus vor fünf Jahren in dieser Destination, Lara Gut-Behrami gewann damals beide Abfahrten und wurde im Super-G hinter Federica Brignone Zweite. Corinne Suter belegte in der Abfahrt je einmal Rang 2 und 3 und wurde im Super-G Dritte. Die Strecke mit Wellen, Sprüngen, langen Kurven und hohem Tempo liegt ihr jedenfalls. Das nährt die Hoffnung, dass die Schwyzerin erneut vom Podest lächelt.