Schonen mit Folgen, gewohnter Rückhalt und die Marathonmänner aus der Leventina
Die Regular Season ist in der National League vorbei, nach 52 Runden wurde abgerechnet. Es ist auch der Zeitpunkt für einen erste Bilanz und eine Übersicht über Facts und Figures nach der Qualifikation.
Die Gewinner
52 Spiele, 117 Punkte, 17 Zähler Vorsprung auf den Tabellenzweiten Gottéron: Der Rekordmeister HC Davos hat die Qualifikation dominiert. Die Bündner waren auch das beste Heim- und Auswärtsteam, haben mit 191 Treffern am meisten Tore erzielt, wobei die Nummer 2 Gottéron schon 19 Mal weniger getroffen hat. Trotz dieser offensiven Power hat im Team von Josh Holden auch die Balance gestimmt: 120 Gegentore sind hinter den ZSC Lions (115) der zweitbeste Wert der Liga. Bemerkenswert ist zudem, dass die Davoser betreffend Schüssen aufs Tor mit 1496 Versuchen nur die Nummer 9 waren, mit 92 Schüssen weniger als Servette. Aber die Qualität dieser Feuerkraft war hervorragend, die Effizienz lag bei 12,57 Prozent. Für die Bündner war es der erste Qualifikationssieg seit der Saison 2010/11. Damals wurde der HCD übrigens unter Arno Del Curto danach auch Champion – die Hoffnung auf den 32. Meistertitel in der Klubgeschichte ist definitiv auch jetzt gross.
Die Verlierer
Dass der HC Ambrì-Piotta mit der Tabellenspitze nichts zu tun haben wird, war schon – Wunder ausgenommen, der FC Thun lässt grüssen! – vor der Saison eigentlich klar. Aber eine so turbulente Saison war definitiv nicht abzusehen. Bereits im Oktober herrschte in der Leventina pures Chaos, als Präsident Filippo Lombardi heimlich mit Christian Dubé verhandelte, dies aber an die Öffentlichkeit kam und Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca, zwei Identifikationsfiguren im Klub und im Tal, den Bettel hinschmissen und auch Lombardi den Dienst quittieren musste. Der Klub wurde in seinen Grundfesten erschüttert. Später wurde bekannt, dass Lars Weibel als Sportchef vom Verband zu Ambrì weiterzieht, sein Amt aber erst nach der WM antreten wird. Dennoch gab es schon eine bemerkenswerte, von ihm initiierte Massnahme – die Verpflichtung von Coach Jussi Tapola, der beim SCB in dieser Saison krachend gescheitert war, die Kabine verloren hatte und nun beim HCAP einen Vertrag über drei Jahre erhielt. Weshalb dies so ist, wissen vielleicht die Hockey-Götter. Und für den Finnen bleibt zu hoffen, dass diese Götter gnädig sind mit ihm. Zuerst im Playout gegen Ajoie, dann vielleicht in einem «Überlebenskampf» gegen Visp oder La Chaux-de-Fonds.
Der Topskorer
Die Krone lag für den Davoser Matej Stransky bereit. Doch in der letzten Quali-Runde gegen Biel wurde er von Trainer Josh Holden geschont. Es war eine schöpferische Pause mit üblen Folgen. Servettes Finne Markus Granlund erzielte beim 7:0 gegen Kloten vier Skorerpunkte, kam so auf ein Total von 22 Toren und 32 Assists und war damit der eifrigste Punktesammler der National League – mit einem Punkt Vorsprung auf Stransky. Bitter für den Tschechen, der auf diese Saison hin das Captainamt von Andres Ambühl übernommen hat und nach der Saison die Bündner trotz weiterlaufenden Vertrags verlassen und in der Heimat für Dynamo Pardubice stürmen wird. Produktivster Spieler mit einer Schweizer Lizenz war übrigens Luganos Luca Fazzini (16 Tore/31 Assists/47 Punkte) vor dem Lausanner Théo Rochette (22/21/43) und Sven Andrighetto von den ZSC Lions (17/24/41).
Der Rückhalt
Torhüter Simon Hrubec hat die ZSC Lions in den letzten zwei Jahren zu zwei Meistertiteln und dem Gewinn der Champions Hockey League geführt. Und auch in dieser Saison, in der die Zürcher nie richtig auf Touren kamen, war er die Lebensversicherung der Lions. Seine Fangquote von 92,69 Prozent war vor Gottérons Reto Berra (92,00) die beste der ganzen National League und mit 1040 Saves war er hinter Servettes Stéphane Charlin die Nummer 2 der Liga. Hext Hrubec so weiter und steigern sich die Lions in der Offensive, ist mit den Zürchern auch in den Playoffs zu rechnen. Apropos Offensive: Da war der Davoser Sandro Aeschlimann top – seine drei Assists waren die Bestmarke aller Goalies. Immerhin einen Skorerpunkt realisierten Stéphane Charlin (Servette), Leonardo Genoni (Zug), Melvin Nyffeler (Lakers), Luca Boltshauser (SCL Tigers), Reto Berra (Gottéron), Adam Reideborn (SCB), Philip Wüthrich (Ambrì) und Ludovic Waeber (Kloten).
Der Marathonmann
24:08 Minuten! So lange stand Ambrì-Verteidiger Jesse Virtanen im Durchschnitt pro Match auf dem Eis, und in der Regular Season verpasse der Finne nur ein Spiel. Nimmt man die total geschulterte Eiszeit, ist Virtanens Teamkollege Tim Heed der Marathonmann: Der Schwede hat alle 52 Spiele bestritten und kommt auf ein Total von 1251:21 Minuten Eiszeit – oder 20:27 Minuten mehr als Virtanen. König der Shifts war übrigens Lausannes Erik Brännström (1565), die im Durchschnitt längsten Einsätze aller Leistungsträger hatte auch Tim Heed mit 56 Sekunden pro Shift.
Der Strafenkönig
Diesen unrühmlichen Titel erhält in diesem Jahr Lakers-Verteidiger Igor Jelovac, der insgesamt 84 Strafminuten kassierte. Es sind acht mehr als Ajoies Valentin Pilet und zehn mehr als der Davoser Filip Zadina. Dieses Trio hat übrigens gleich je zweimal eine Fünfminuten- plus Spieldauerstrafe erhalten, dazu kommen auch Jiri Sekac (Lugano), Matej Stransky (HCD) und Malte Strömwall (Lakers). Das meistbestrafte Team waren übrigens die Rapperswil-Jona Lakers (578 Minuten) vor dem HCD (569) und Servette (532), die «braven Buben» spielten in Kloten (301).
Der Meister der Faceoffs
Glücklich ist das Team, das jeweils nach einem Bully in Scheibenbesitz kommt. In der Offensive ist es eine zusätzliche Waffe, in der Defensive kann der schnelle Scheibengewinn für Entlastung sorgen. Am meisten Faceoffs bestritt in dieser Saison der Bieler Lias Andersson (930) vor Klotens Robert Leino (926) und dem Genfer Josh Jooris (884), am meisten Bullys gewonnen hat aber Leino (522) vor Andersson (519) und Jooris (492). Prozentual am meisten Faceoffs für sich entschieden hat der EHC Kloten (54,26), den tiefsten Wert wies der SCB auf (47,10 Prozent).
So weit, so gut, die Zahlenspielereien liessen sich beliebig verlängern. Doch am Ende liegt die Wahrheit auf dem Eis. Und da freuen wir uns auf die Play-Ins und Playoffs, die nun für Spannung, Emotionen und weitere Zahlen sorgen werden…